Das bewegte Leben der Mary Shelley

11 Mai, 2020
Es heißt, dass sich Mary Shelly spätabends gerne mit ihrem Ehemann Percy Bysshe Shelley, Lord Byron und weiteren Freunden zusammensetzte, um gemeinsam Schauergeschichten zu erfinden. Nach einer dieser Zusammenkünfte träumte sie von der Figur, die später in ihrem berühmtesten Buch eine tragende Rolle spielen sollte: Frankenstein

Nicht viele Leute wissen, dass der allererste große Science-Fiction-Roman der Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus ist. Geschrieben hat ihn 1818 Mary Shelley. Ihr berühmter Roman wurde seither zahlreich für das Kino, das Fernsehen oder sogar für Comics adaptiert. Frankenstein wurde zu einer Zeit verfasst, wo wenige Frauen literarisch tätig waren – noch weniger hatten damit Erfolg.

Mary Shelleys Leben war genauso faszinierend wie ihr Werk. Dort gab es schreckliche Tragödien, Wagemut, Abenteuer und eine große Liebe, die bis an ihr Lebensende andauerte.

Obwohl sie sich mit Frankenstein in die Ruhmeshalle der größten Schriftsteller aller Zeiten einreihen konnte, war dies nicht ihr einziger Roman. Sie schrieb eine Vielzahl weiterer Bücher und Bühnenstücke, denen in den letzten Jahrzehnten eine immer größere Aufmerksamkeit der Fachwelt zuteil geworden ist. Zu ihren Lebzeiten überschattete der große Erfolg ihres Frankensteins jedoch ihre anderen Werke.

Das Monster im Film nach Mary Shelleys Frankenstein.

Ein außergewöhnliches Mädchen in einer besonderen Familie

Mary Shelley wurde am 30. August 1797 in London in eine sehr aufgeschlossene Familie hineingeboren. Mary stand stets ihrem Vater, dem Philosophen, Journalisten und Autor William Godwin nahe. Ihre Mutter, Mary Wollstonecraft, war Philosophin und eine Pionierin der feministischen Bewegung.

Leider starb die Mutter bei Marys Geburt. Den Berichten nach zog sie sich eine Infektion zu. Das sich daraus ergebende Kindbettfieber geriet außer Kontrolle, was zu ihrem Tod führte. Marys Mutter hatte ihre Tochter Fanny aus einer früheren Verbindung mit in die Ehe mit William Gordon gebracht. Die Halbschwestern Mary und Fanny standen sich Zeit ihres Lebens sehr nahe.

Als Mary drei Jahre alt war, heiratete der Vater Mary Jane Clairmont, die bereits zwei uneheliche Kinder hatte, Charles und Claire. Allem Anschein nach entwickelte Mary im Laufe der Zeit Hass auf ihre Stiefmutter. Trotzdem hatte Mary eine glückliche Kinder- und Jugendzeit. Der Vater erzog die Mädchen sehr liberal und ließ ihnen eine gute Erziehung angedeihen.

Bild der Autorin Mary Shelley.

Eine heimliche Liebe

Mit 17 Jahren begegnete Mary Shelley dem verheirateten 22-jährigen Dichter und Schriftsteller Percy Bysshe Shelley. Dieser war häufig im Haus von Marys Familie zu Gast, da er mit dem Vater befreundet war. Mary und Percy begannen sich heimlich am Grab von Marys Mutter zu treffen, das für sie einen besonderen Ort darstellte. Sie gab später an, sie habe auf dem Grabstein der Mutter durch das Nachfahren des Namenszuges mit dem Finger das Schreiben gelernt.

Mary Shelley hatte liberale Ansichten über die Ehe und die Liebe. Ihr Vater und die Gesellschaft im Allgemeinen waren gegen die Beziehung. Die Liebenden flohen daher in Gesellschaft von Marys Stiefschwester Claire nach Frankreich. Die Grundlage ihrer Beziehung bestand bei Mary und Percy im gemeinsamen Interesse an Literatur und neuen Ideen. Percy musste häufig den Wohnort wechseln, um seinen Schuldnern zu entkommen.

Dieses Getrenntsein bereitete Mary, die 1814 schwanger wurde, großen Kummer. Zu dieser Zeit flirtete Percy offen mit ihrer Stiefschwester Claire. Mary brachte im Februar 1815 ein Mädchen zur Welt, das aber innerhalb von 4 Wochen verstarb. Selbstredend verfiel sie danach in eine tiefe Depression.

Ein altes, zerfleddertes Buch.

Mary Shelley, eine großartige Schriftstellerin

Kurz nach diesen Ereignissen beging Percys Ehefrau Suizid. Der Großteil der Gesellschaft lehnte seine Beziehung mit Mary deswegen ab. Auch aufgrund ihrer Schulden entschieden sich Mary und Percy, umzuziehen. Sie gingen nach Genf, wo sie interessante Abende mit dem großen Dichter Lord Byron verbrachten, der mit Marys Stiefschwester Claire die Tochter Allegra hatte. Diese Abende inspirierten Mary. Sie träumte die Handlung ihres Buches Frankenstein und begann kurz danach, es zu schreiben.

Mary hatte noch zwei weitere Kinder mit Percy. Danach zogen sie nach Italien und lebten dort nomadisch. Der älteste Sohn der beiden starb 1818 und ein Jahr darauf die jüngste Tochter. Mary war die meiste Zeit niedergeschlagen und krank. Allerdings wurde 1819 ein viertes Kind geboren – der junge Percy Florence war der einzige Überlebende der Geschwisterreihe.

1822 etrank Percy Bysshe Shelley während eines Segelausflugs. Mary bat um die Einäscherung des Leichnams nach vorheriger Entnahme seines Herzens. Kurz danach kehrte sie mit ihrem Sohn nach England zurück. In den letzten Lebensjahren litt Mary unter Lähmungserscheinungen in verschiedenen Körperbereichen. Sie starb im Alter von 54 Jahren vermutlich an den Folgen eines Gehirntumors.

Nach Marys Tod fand ihr Sohn in einer der Schubladen ihres Schreibtisches das Herz seines Vaters Percy Bysshe Shelley in einem Seidenbeutel. Zusammen mit Teilen der Asche war es in Papier eingewickelt worden, auf dem eines der berühmten Gedichte des Vaters geschrieben stand. Zwischen Notizbüchern der Eltern fanden sich auch Haarlocken der früh verstorbenen Geschwister.

Tirado, G. P. (2012). Vida artificial y literatura: mito, leyendas y ciencia en el Frankestein de Mary Shelley. Tonos digital: Revista electrónica de estudios filológicos, (23), 36.