Das amotivationale Syndrom und der Konsum von Cannabis

· 29. März 2019

Joint, Blunt, Pot, Gras, Mary Jane, Weed … Diese bekannten Ausdrücke beziehen sich alle auf die Droge Cannabis, das den meisten von uns aber wohl als Marihuana bekannt ist. In diesem Artikel sprechen wir über die Beziehung zwischen Marihuana und dem amotivationalen Syndrom.

In den letzten Jahren wurden eine Vielzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse über die therapeutischen Eigenschaften von Cannabis veröffentlicht. Tatsächlich kann Cannabis eine positive Wirkung bei Schmerzempfindlichkeit, erhöhtem Augeninnendruck und chemotherapeutisch induziertem Erbrechen haben. Außerdem haben die enthaltenen Wirkstoffe muskelentspannende Eigenschaften, die bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose, bei Wirbelsäulenverletzungen und Bewegungsstörungen genutzt werden können.

Aber viele Menschen nutzen die Droge heutzutage auch, um sich zu erholen und vom Alltag zu entspannen. Tatsächlich ist Marihuana eine der weltweit am häufigsten konsumierten Substanzen. Allerdings ist dies besorgniserregend, da sich das Risiko, das sogenannte amotivationale Syndrom zu entwickeln, bei Menschen, die lange Zeit Cannabis konsumieren, stark erhöht.

Eine Frau lehnt verzweifelt an der Wand.

Wie lässt sich das amotivationale Syndrom definieren?

Das amotivationale Syndrom bezeichnet einen Zustand der Passivität und Gleichgültigkeit, der durch kognitive, interpersonelle und soziale Schwierigkeiten gekennzeichnet ist. Darüber hinaus steht es im Zusammenhang mit dem längeren Gebrauch von Cannabis und einer chronischen Vergiftung mit Tetrahydrocannabinol.

Auch wenn eine Person Marihuana nicht mehr konsumiert, kann sie immer noch von den Symptomen dieses Syndroms betroffen sein. Sie hat dann keine Lust, etwas zu tun, sie befindet sich in einem kontinuierlichen Zustand der Anhedonie. Außerdem bringt sie keinerlei Motivation oder Begeisterung auf und es fehlt ihr allgemein an Interesse. Zusätzlich verhält sich die Person oft apathisch.

Motivation ist das Interesse, ein bestimmtes Bedürfnis zu befriedigen, und sie erzeugt einen Impuls, um das Verhalten auszuführen, das zu dieser Bedürfnisstillung führt. Aus diesem Grund ist Motivation ein Schlüsselelement für die Aktivierung, Ausrichtung und Aufrechterhaltung von menschlichen Verhalten.

Der Konsum von Cannabis erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass jegliche Motivation für eine Aufgabe – außer dem Konsum selbst – erlischt oder an Kraft verliert. Die Freude, die durch den Konsum von Cannabis erreicht wird, ist weitaus größer als bei allen anderen Aktivitäten, also in der Freizeit, in Beziehungen, im Umgang mit anderen. Deshalb ordnet der Einzelne alles dem Marihuanakonsum unter.

Die Folgen des Konsums von Cannabis über einen längeren Zeitraum

Wenn eine Person lange Zeit Cannabis konsumiert, wird der Konsum schließlich zu ihrer obersten Priorität. Weil die Person den Konsum als ein Grundbedürfnis betrachtet, vernachlässigt sie die, die tatsächlich wichtig sind. Im Grunde dreht sich ihr Leben nur noch um die Substanz und nichts anderes ist mehr wichtig.

Auf der anderen Seite werden dadurch sämtliche anderen Reize gedämpft, da sich der Betroffene vollkommen zufrieden und entspannt fühlt, wenn er Marihuana konsumiert. Infolgedessen erscheinen andere Motivationen als irrelevant.

Weiterhin führt ein längerer Konsum zur kognitiven Verschlechterung. Unabhängig davon, ob die Person ihren Konsum unterbricht, können bestimmte Symptome lange Zeit bestehen bleiben, wenn nicht sogar für immer.

Der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Marihuana und dem amotivationalen Syndrom mag also klar erscheinen. Aber Wissenschaftler müssen noch eindeutige Beweise erbringen, dass Cannabis tatsächlich die Hauptursache für dieses Syndrom ist. Allerdings weisen alle bis dato gewonnen Daten darauf hin, dass es sich dabei zumindest um einen wesentlichen Faktor handelt.

„Drogen sind Zeitverschwendung. Sie zerstören unsere Erinnerung und unsere Selbstachtung und alles, was zu unserem Selbstwertgefühl gehört.“

Kurt Cobain

Das amotivationale Syndrom: Anzeichen und Symptome

Eines der Kardinalsymptome des amotivationalen Syndroms ist die emotionale Apathie, die sich wie folgt äußert:

  • Desinteresse am eigenen Tun, an persönlicher Pflege, an sozialen Beziehungen, Sex und der Zukunft
  • Passivität
  • Gleichgültigkeit
  • Mangel an Motivation
  • Schwierigkeiten, konzentriert zu bleiben und aufmerksam zu sein
  • Probleme, sich zu erinnern
  • Unfähigkeit, Aufgaben abzuschließen
  • Auffällig schnell frustriert
  • Unfähigkeit, die Folgen von (ausbleibenden) Handlungen zu bewerten
  • Mangelnde Selbstbeobachtung, sodass sich die Person ihrer geistigen Verfassung nicht bewusst ist
  • Reduzierte Reflexe
  • Verlangsamte Bewegungen

Auf kognitiver Ebene führen die durch den chronischen Cannabiskonsum hervorgerufenen Symptome zu Veränderungen in Bezug auf:

  • lanung
  • Temporal-räumliche Organisation
  • Kognitive Flexibilität
  • Arbeitsgedächtnis
  • Entscheidungen fällen
  • Erwartung und Festlegung von Zielen
  • Klare Antworten
  • Geeignete Verhaltensweisen entsprechend dem Kontext
Eine Frau hat verzweifelt ihre Hände vor ihr Gesicht geschlagen.

Weiterhin führen die beschriebenen Symptome zu weniger Interaktionen mit anderen Menschen und somit zu Einschränkungen auf der sozialen Ebene. Das heißt, der Cannabiskonsument verliert das Interesse an gesellschaftlichen Situationen und Aktivitäten jeglicher Art. Stattdessen zeigt er sich teilnahmslos und passiv. Aus diesem Grund hat der Konsum direkte Auswirkungen auf das soziale Umfeld des Einzelnen. Weiterhin kann es folgende Auswirkungen haben:

  • Niedrige akademische und/oder Arbeitsleistung aufgrund von Lernschwierigkeiten und Konzentrationsproblemen
  • Soziale Isolation durch weniger Interaktionen mit anderen Menschen
  • Prädisposition, sich auf Konflikte mit Behörden einzulassen
  • Fehlende kurz- und langfristige Ziele, keine Zukunftspläne

„Eine Schwäche des Verhaltens wird zu einer Schwäche des Charakters.“

Albert Einstein

Wie kann das amotivationale Syndrom behandelt werden?

Das Hauptziel der Behandlung ist die schrittweise Reduzierung des Marihuanakonsums. Tatsächlich kann sich der Zustand des Betroffenen nicht verbessern, wenn dieser während der Rehabilitation weiterhin Drogen konsumiert.

Weiterhin kann psychotherapeutische Arbeit dem Konsumenten helfen, seine Sucht zu überwinden und sein Leben wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Bei Bedarf kann der Fachmann auch Psychopharmaka verschreiben.

Die erste Wahl bei der Behandlung sind die kognitive Verhaltenstherapie und Antidepressiva, um die Person zu ermutigen, ihre täglichen Aktivitäten wieder aufzunehmen, ihre Beziehungen zu Familienmitgliedern zu verbessern und ihren apathischen Zustand zu überwinden.

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