Coronavirus: Warum hamstern viele Toilettenpapier?

07 Juni, 2020
Wir haben gesehen, dass viele Menschen in Zeiten des Coronavirus Klopapier hamstern. Doch worauf ist dies zurückzuführen? In unserem heutigen Artikel findest du psychologische Erklärungen, um dieses Verhalten besser zu verstehen. 
 

Wir sind durch die Corona-Krise Zeugen von Verhaltensweisen, die von einem psychologischen Gesichtspunkt aus gesehen sehr interessant sind. Dazu gehören unter anderem auch Hamsterkäufe in Lebensmittelgeschäften, die leere Regale zurücklassen. Auch Toilettenpapier wird von vielen in industriellen Mengen gekauft. Deshalb stellt sich die Frage, warum dies so ist.

Am Anfang der durch den Coronavirus verursachten Pandemie dachten viele an den Kauf von Schutzmasken und Desinfektionsgel, was logisch und verständlich ist. Denn schließlich will sich jeder vor einer möglichen Ansteckung schützen. Eine Infektion zu verhindern, ist auch jetzt vor allem in Krisengebieten eine Priorität.

Doch wie können wir das Hamstern von Toilettenpapier erklären? Wofür brauchen manche Menschen riesige Vorräte an Klopapier? Wird es Versorgungsprobleme geben? Es scheint so, als ob dieses Hygieneprodukt den Käufern mentale und emotionale Ruhe verschaffen könnte.

Es ist ironisch und witzig, dass so viele in diesen schwierigen Zeiten an Klopapier denken, doch es gibt dafür auch verschiedene Erklärungen, die wir nachfolgend genauer unter die Lupe nehmen werden. In einer Realität, die so große psychologische Auswirkungen hat, wie die Situation, die wir gerade erleben, ist das Verhalten der Bevölkerung ein Barometer, der uns interessante Informationen gibt.

 
Warum so viel Toilettenpapier?

Warum hamstern Menschen Toilettenpapier? Finde hier einige interessante Erklärungen

Toilettenpapier ist kein lebensnotwendiges Erzeugnis. Es ist ist nicht wie bei Grundnahrungsmitteln oder Wasser, die für das Überleben notwendig sind. Doch unser moderner Geist hält auch Klopapier für unverzichtbar. Wir stellen es in seiner Wichtigkeit vor Reinigungsprodukte wie zum Beispiel Seife.

Dies ist sehr interessant und basiert auf konkreten, kulturellen Aspekten der westlichen Welt. In China konnte dieses Verhalten nicht beobachtet werden. Die Bevölkerung hat dort kein Toilettenpapier gehamstert, denn es gibt schließlich verschiedene Möglichkeiten, dieses zu ersetzen: Papiertaschentücher, Küchenpapier…

Doch das westliche Gehirn verhält sich in Notsituationen anders. Wie können wir die Hamsterkäufe mit Einkaufswagen voller Toilettenpapier erklären?

 

Wir möchten auf gewissen Komfort nicht verzichten

Wenn wir mehrere Wochen das Haus nicht verlassen können, dann möchten wir zumindest einen gewissen Komfort aufrecht erhalten und uns wohl fühlen. Es könnte ja sein, dass wir nicht einkaufen gehen können und in diesem Fall gibt es eine Reihe von Produkten, auf die wir nicht verzichten möchten.

Auch Klopapier gehört zu diesen Produkten. Es befindet sich auf der ersten Stufe der Pyramide im Hinblick auf  grundlegende Produkte. 

Wir können uns davon zwar nicht ernähren, doch es zu haben, ermöglicht es uns, eine gewisse Würde zu bewahren. Wir können darauf nicht verzichten.

Irrationales Verhalten ist ansteckend, das ist auch bei Toilettenpapier der Fall

In der Konsumentenpsychologie ist bekannt, dass das Kaufverhalten großteils von impulsiven und irrationalen Gedanken geleitet wird. 

Wenn wir bestimmte Verhaltensweisen bei anderen beobachten, zum Beispiel, dass viele ein und dasselbe Produkt kaufen, dann weckt dies auch unser eigenes Interesse. Vielleicht ahmen wir das Verhalten nicht sofort nach, doch irgendwann werden wir das tun. 

 
  • Menschen kaufen Klopapier nicht nur deshalb, weil es ein unverzichtbares Produkt ist, sondern auch, weil sie sehen, dass andere dieses Produkt hamstern.
  • In sozialen Netzen und im Fernseher sehen wir viele mit Einkaufswagen voller Klopapierrollen. Wir lassen uns von diesem Verhalten anstecken, das ist unvermeidbar.
  • Gleichzeitig gibt es noch ein weiteres Phänomen: Die Regale, in denen das Toilettenpapier im Lebensmittelgeschäft gelagert wird, sind sehr groß. Wenn sie leer sind, ist dies eine sehr tiefgehende visuelle Wirkung. Wir haben das Gefühl, dass es an Waren mangelt und wir deshalb dieses „geschätzte Gut“ kaufen müssen.
Toilettenpapier

Wenn alle massenhaft Toilettenpapier hamstern, bleibt für mich nichts mehr übrig

Die Hamsterkäufe wecken in uns eine weitere Angst: Wir könnten das Produkt nicht mehr bekommen, da ja die Regale leer sind. Das ist wie die Katze, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Die Angst wird genährt und unser Wohlergehen ist in Gefahr.

 

Normalerweise häuft man nicht Berge von Klopapier zu Hause an, denn man kann dieses jederzeit und fast überall kaufen. Doch wenn wir andere mit riesigen Mengen sehen, glauben wir, schnell handeln zu müssen, um nicht ohne das Produkt auskommen zu müssen.

In unsicheren Zeiten lässt uns der Kauf das Gefühl der Kontrolle erleben

Auch diese Tatsache ist vom psychologischen Standpunkt aus gesehen sehr interessant. Wenn wir schwierige Augenblicke erleben und von Unsicherheit, Angst und Unruhe umgeben sind, gibt es ein Verhalten, das uns das Gefühl der Kontrolle vermittelt: einkaufen gehen.

Wenn wir wissen, zu Hause gut mit Nahrungsmitteln und anderen grundlegenden Produkten versorgt zu sein, fühlen wir uns sofort besser. Wir wissen, dass unsere wichtigsten Bedürfnisse gedeckt sind und das beruhigt uns auch in schwierigen Zeiten.

Viele kaufen Toilettenpapier, da sie auf dieses Produkt nicht verzichten möchten. Sie möchten so zumindest das Gefühl haben, ihre Würde zu bewahren.

 

Dieses Verhalten sollte nicht nur ironisch betrachtet werdendenn die Erklärung liegt in einer verständlichen Angst, die in schwierigen Situationen unsere Reaktionen beeinflusst. Es geht nicht unbedingt darum, ob Toilettenpapier tatsächlich zum Überleben notwendig ist oder nicht. Darauf in Krisenzeiten nicht verzichten zu müssen, gibt uns das Gefühl eines gewöhnlichen Alltags und der Kontrolle über die Situation.