Byung-Chul Hans Veröffentlichungen umfassen 5 Schlüsselkonzepte

· 24. Mai 2019

Dieser südkoreanische Philosoph und Schriftsteller ist nicht nur Experte für Kulturwissenschaften, sondern zu einer der qualifiziertesten Stimmen für zeitgenössisches Denken geworden. Byung-Chul Hans Veröffentlichungen gehören auch deshalb zu den interessantesten Werken unserer Zeit. Obwohl sie bereits sehr bekannt sind und weltweit gefeiert werden, ist immer noch Luft nach oben. Deshalb lohnt es sich, sich näher mit seinen Postulaten zu beschäftigen, besonders wenn wir ein Interesse daran haben, über den aktuellen Lebensstil und die Richtung, die wir als Gesellschaft einschlagen, nachzudenken.

Byung-Chul Hans Veröffentlichungen konzentrieren sich auf aktuelle Phänomene, wie Technologie, die Kultur der harten Arbeit oder die Auswirkungen der Globalisierung des Kapitalismus.

„Wer in der neoliberalen Leistungsgesellschaft versagt, macht sich verantwortlich und beschämt sich, anstatt die Gesellschaft oder das System infrage zu stellen. Das ist die besondere Intelligenz des neoliberalen Regimes. In diesem Regime der Selbstausbeutung richtet sich die Aggression gegen das eigene Individuum. Diese Selbstaggressivität macht den Ausgebeuteten nicht revolutionär, sondern depressiv.“

Byung-Chul Han

Einige der bekanntesten von Byung-Chul Hans Veröffentlichungen sind unter anderem Müdigkeitsgesellschaft, Agonie des Eros, Topologie der Gewalt und Psychopolitik: Neoliberalismus und die neuen Machttechniken. In seinen Werken finden wir einige Konzepte, die unsere Aufmerksamkeit erregen und die Dreh- und Angelpunkt seiner Sichtweise auf die Welt sind.

Zusammen mit dir möchten wir uns das etwas genauer anschauen.

Mit diesen 5 Schlüsselkonzepten befasst sich Byung-Chul Han in seinen Veröffentlichungen

1. Selbstausbeutung

Ein Großteil von Byung-Chul Hans Veröffentlichungen konzentriert sich auf die Reflexion darüber, wie wir heutzutage arbeiten. In einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El País  fasste er seinen Gedanken dazu in einem lapidaren Satz zusammen. Er sagte: „Heutzutage beutet man sich selbst aus und glaubt, dass man sich selbst verwirklichen würde.“

Für Byung-Chul Han leiste der Mensch von heute unüberlegt der Gesellschaft Folge: Er tue alles, was er kann. Bis vor einiger Zeit haben die Menschen getan, was sie tun sollten. Jetzt glauben sie, dass sie „Erfolg“ haben müssen, auch auf eigene Kosten, und verzweifeln ernsthaft, wenn sie nicht „erfolgreich“ seien. Dabei unterwerfen sie sich diesem Arbeits- und Konsumregime auf völlig freiwilliger Basis. Macht bedeute aber nicht, sich selbst zu tadeln.

Frau legt sich die Hände vors Gesicht

2. Kommunikation

In Byung-Chul Hans Werken begegnen wir ständig Anspielungen auf die Phänomene der Kommunikation, wie wir sie heute kennen. Für ihn seien Beziehungen durch Verbindungen ersetzt worden. Was sich in der modernen Welt etabliert habe, sei laut Byung-Chul Han eine Verbindung zwischen den über die ganze Welt verstreuten Informationsquellen.

Byung-Chul Han weist darauf hin, dass es ohne die physische Präsenz des anderen keine Kommunikation mehr gebe, sondern lediglich einen Informationsaustausch. Alle Sinne außer dem Sehen würden zugrunde gehen. Nicht zuletzt deshalb sei die Kommunikation im Allgemeinen schwächer geworden. Gleichzeitig würden die Menschen nur ihresgleichen suchen, damit diese ihre Posts liken könnten.

3. Garten

Sicherlich ist das Konzept des Gartens eines der am wenigsten erarbeiteten Konzepte in der Philosophie. In Byung-Chul Hans Veröffentlichungen geht es auch um den Widerstand gegen die Impositionen der digitalen Welt. Diese Sphäre weist eine sehr diffuse und verachtenswerte Materialität auf. Der Philosoph selbst meint dazu: „Alles Digitale hat kein Gewicht, es riecht nicht, es leistet keinen Widerstand; man fährt mit seinem Finger über einen Bildschirm und das war’s.“

Diesbezüglich ist das Konzept des Gartens also ein Aufruf, zu konkreten Empfindungen zurückzukehren. Riechen, fühlen, hören. Der südkoreanische Denker spricht vom „geheimen Garten“jenem reservierten Raum, in dem wieder mit der materiellen Realität in Berührung kommt, die nicht durch das Digitale vermittelt wird. Seiner Meinung nach sei das eine Möglichkeit, das wiederherzustellen, was er „die ursprüngliche Schönheit“  nennt.

4. Das Andere

Das Andere ist eines der Konzepte, das sich in der heutigen Gesellschaft in der Krise befindet. Es scheint, dass das einzige Ziel darin bestehe, uns anzugleichen. „Trends“ und „das Virale“ sind Ausdruck dieses Wunsches, zu einem Kollektiv zu gehören, das im Gleichklang marschiert.

Byung-Chul Han betont, je gleicher wir seien, desto stärker sei die Produktion. Seiner Auffassung nach stehe der Unterschied im Widerspruch zu den Zielen des Neoliberalismus. Wenn es Menschen gäbe, die Smartphones benutzen würden, und andere, die das nicht täten, würde der Markt einen Schaden davontragen. Es gebe derzeit einen radikalen Konformismus, eine enorme Passivität, die den Menschen auf die Rolle des Kunden oder Produzenten reduziere.

Viele weiße Kreidemännchen laufen einem gelben hinterher

5. Die Zeit

Die Zeit ist ein weiteres wichtiges Element der heutigen Welt. Der Philosoph sagt, dass es notwendig sei, zu revolutionieren, wie die Zeit genutzt werde. Was aktuell vorherrsche, seien die Beschleunigung und der Lauf der Zeit. Alles schnell zu machen und dann zuzulassen, dass es so schnell wieder gehe, wie es gekommen sei. Das sei ein Anschlag auf die Beständigkeit.

Für diesen Denker ist es von grundlegender Bedeutung, die persönliche Zeit wiederzuerlangen, d. h. die Zeit, in der wir uns uns selbst widmen. Freizeit am Rande des Produktionssystems. Momente der Freizeit und für Genuss. Zeit für das Unproduktive freihalten, und nicht für die „Pause“, die die Arbeit effizienter macht.

Byung-Chul Hans Veröffentlichungen sind zweifellos eine der wertvollsten und interessantesten Werke zur Entwicklung des Geists der Gesellschaft. Und dabei handelt es sich nicht nur um Veröffentlichungen. Er selbst lebt nach diesen Postulaten, die er predigt. Was er vor allem anstrebt, ist, sein eigenes Sein selbst zu bestätigen und frei zu sein.

  • Dow, S. R. (2015). Muchedumbre, artes y política. Byung-Chul Han y las racionalidades comunicativas contemporáneas. Palabra Clave, 18(2).