Brandolinis Gesetz oder das Bullshit-Asymmetrie-Prinzip

Warum ist es so schwierig, Lügen oder Fake News, die sich im Netz der Netze in Windeseile verbreiten, zu widerlegen?
Brandolinis Gesetz oder das Bullshit-Asymmetrie-Prinzip
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 14. April 2023

Brandolinis Gesetz, das auch als Bullshit-Asymmetrie-Prinzip bekannt ist, besagt, dass es weitaus mehr Energie und Aufwand kostet, Schwachsinn zu widerlegen, als ihn zu produzieren. Der italienische Programmierer Alberto Brandolini wurde durch seinen Kommentar auf Twitter weltbekannt. Fake News verbreiten sich in Windeseile, sie zu entkräften ist allerdings sehr mühsam. Es kann sogar schwierig sein, Menschen davon zu überzeugen, dass Mythen und Märchen nicht wahr sind. Erfahre heute mehr über das Bullshit-Asymmetrie-Prinzip.

“In manchen Fällen muss ein Experte für ein bestimmtes Thema gegen Personen kämpfen, die keine professionelle Ausbildung haben, aber viele Meinungen anbieten. In solchen Situationen wird oft derjenige bevorzugt, dessen Meinung am populärsten ist, und nicht derjenige, der tatsächlich die Fakten auf seiner Seite hat.

Mauricio Sánchez

Brandolinis Gesetz

Alberto Brandolini schrieb 2013 einen Kommentar auf Twitter, der schließlich als Brandolinis Gesetz bekannt wurde. Der Programmierer war es leid, mit Fremden über Unsinn zu diskutieren, und las den Bestseller Schnelles Denken, langsames Denken¹ von Daniel Kahneman. Danach sah er im Fernsehen eine Debatte zwischen dem Journalisten Marco Travaglio und dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Er war so aufgebracht, dass er sein berühmtes Gesetz in einem Tweet formulierte.

Innerhalb weniger Stunden ging die Aussage viral. Tausende von Menschen stimmten der Prämisse zu. Brandolinis Idee gilt vorrangig für Themen wie Fake News und kognitive Verzerrungen.

Gegenwärtig steht die öffentliche Debatte (insbesondere in den sozialen Medien) vor zwei großen Hindernissen, die wir nachfolgend kurz erläutern:

  • Mangelndes rationales Denken, das in einem Artikel als das Rückgrat der Philosophie bezeichnet wird, die eine Grundlage für unsere Überzeugungen sucht. An ihre Stelle tritt eine Reihe von willkürlichen Behauptungen, die aus Hass, Rache, Eigennutz und anderen niedrigen Gefühlen entstehen.
  • In Ermangelung faktischer Informationen werden Schlussfolgerungen erfunden, ohne dass es dafür Beweise gibt.
Frau ist von Medien überfordert und denkt über Brandolinis Gesetz nach
Brandolinis Gesetz erinnert uns an die Notwendigkeit, die Verbreitung von Fake News im Internet zu verhindern.

Die Asymmetrie der Dummheit

Schwachsinn ist schnell geschrieben und im Nu verbreitet. Viele Menschen hinterfragen nicht, was sie teilen. Sie lesen im Bestfall die Überschrift oder überfliegen die ersten Zeilen, bevor sie Nachrichten an ihre Kontakte weitersenden. Die Anerkennung ist das Lob, nach dem Dummheit sucht (Carbonell Castañer, 2012). Ein Artikel der Zeitschrift Historia y Comunicación Social erinnert uns daran, dass soziale Netzwerke und das Internet die Polarisierung durch emotionale und ungenaue Inhalte fördern.

Um falsche Nachrichten oder Schwachsinn zu widerlegen, benötigen wir handfeste Argumente. Wir müssen jedoch die drei asymmetrischen Aspekte des Bullshit-Asymmetrie-Prinzips berücksichtigen:

1. Die Wirkung

Ungenaue Aussagen haben oft mehr Wirkung als spätere Bemühungen, sie zu widerlegen. Wenn zum Beispiel ein bekannter Wissenschaftler voraussagt, dass unsere Welt in einer Woche von Außerirdischen zerstört wird, und es auch die Simpsons ankündigen, wird das Aufmerksamkeit erregen. Wenn die Nachricht ständig wiederholt wird, bleibt etwas davon hängen, auch wenn es Unsinn ist. Auch wenn schließlich festgestellt wird, dass der Wissenschaftler gar nicht existiert, und obwohl alle wissen, dass die Simpsons keine zuverlässige Quelle sind, hat sich die Nachricht bereits in die Köpfe vieler Menschen eingeprägt.

2. Das Gedächtnis

Anfängliche Behauptungen prägen sich, auch wenn sie unglaubwürdig sind, stärker ins Gedächtnis ein als spätere Versuche, sie zu widerlegen. Wir erinnern uns an die Ansage des Wissenschaftlers, auch wenn 50 Experten seine Meinung widerlegen.

3. Die Wahrheit

Wir neigen im Allgemeinen dazu, Personen, die Schwachsinn verbreiten, vorzuziehen. Wer widerspricht, gilt oft als Spielverderber, denn wir mögen magische, unrealistische, aber auch schockierende Behauptungen. Wir lieben das Dramatische, das Außergewöhnliche und auch das Unglaubliche. Oft ist es nicht so wichtig, ob sich dahinter Schwachsinn oder Unwahrheiten verstecken.

Brandolinis Gesetz: Wir werden oft wie Marionetten manipuliert.
Wir lassen uns stark von Medien und sozialen Netzwerken beeinflussen, auch wenn sie Fake News verbreiten.

Die Lösung: Ignoriere sie!

Wenn wir uns im Recht fühlen, versuchen wir, unsere Überzeugungen zu verteidigen. Brandolinis Gesetz zeigt uns jedoch, dass es oft Unsinn ist, mit Menschen zu debattieren, die nicht bereit sind zuzuhören und neue Perspektiven zu betrachten. Du verschwendest damit oft nur Energie und Zeit. Deshalb ignorierst du diese Menschen am besten. Lässt du dich auf ihr Spiel ein, machst du sie sichtbar und schenkst ihnen Aufmerksamkeit – damit erreichen sie ihr Ziel.

▶ Literaturempfehlung

  1. Schnelles Denken, langsames Denken, Daniel Kahneman, Penguin Verlag 2016

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