Brainspotting-Therapie: ein Fortschritt für die Psychotherapie

Diese von David Grand entwickelte Methode hat sich die Auflösung von Traumata zum Ziel gesetzt. Erfahre mehr über dieses interessante Thema.
Brainspotting-Therapie: ein Fortschritt für die Psychotherapie

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 28. März 2022

Die Brainspotting-Therapie wurde im Jahr 2003 von David Grand entwickelt. Es handelt sich um einen psychotherapeutischen Ansatz, der davon ausgeht, dass physiologische Empfindungen und Emotionen mit spezifischen Augenpositionen (oder Brainspots) korrespondieren. Durch die zielgerichtete Aktivierung des Sehfelds sollen tief verankerte Traumata verarbeitet werden.

David Grand geht also davon aus, dass über das Sehfeld und die Augenposition bestimmte Gehirnareale aktiviert werden können, um traumatische Erfahrungen von Patienten zu behandeln. Nach der Erkennung der relevanten Augenpositionen ermöglichen spezifische Achtsamkeitsübungen die Auflösung der Traumata.

Die Brainspotting-Therapie umfasst abstrakte und komplexe Prozesse. Um diese besser zu verstehen, laden wir dich zu einer kurzen Reise in die Vergangenheit ein, um die Ursprünge dieser Methode kennenzulernen.

Kurze Geschichte

Im Jahr 2003 behandelte David Grand eine 16-jährige Eisläuferin mit dissoziativen Problemen. Manchmal konnte diese Patientin ihre Beine vor einem Wettbewerb nicht spüren und manchmal konnte sie sich nicht mehr an die Sequenz ihrer Kür erinnern, die sie zuvor schon vielfach geübt hatte.

Verschiedene Hypothesen zur Erklärung des physischen Ursprungs dieser Symptomatik konnten nicht bestätigt werden, deshalb folgten fachärztliche Untersuchungen der Psyche, da eine Dissoziation vermutet wurde.

Frau erhält Brainspotting-Therapie

David Grand arbeitete ein Jahr lang mit der Eisläuferin, bis er auf die Idee kam, dass sich hinter den beschriebenen Symptomen nicht nur Verletzungen und sportliche Misserfolge versteckten, sondern auch die Ablehnung durch ihre Mutter. 

Der Psychoanalytiker bewegte die Eisläuferin dazu, sich Sprünge in Zeitlupe vorzustellen und diese in dem Moment “einzufrieren”, in dem sie das Gefühl empfand, zu versagen. David Grand forderte seine Patientin auf, mit ihren Augen seinen horizontalen Handbewegungen zu folgen. Bereits nach wenigen Blickrichtungswechseln konnte der Psychoanalytiker einen deutlichen Lidschlag beobachten. Die Augenbewegung erstarrte in diesem Augenblick.

Schließlich stoppte David Grand die Handbewegungen und konnte danach einen sehr effektiven Verarbeitungsprozess beobachten. Die Patientin konnte sich an verschiedene traumatische Erfahrungen erinnern und diese auflösen. In einem Zeitraum von 10 Minuten konnte das Mädchen erlebte Traumata verarbeiten und abschließen, danach löste sich ihr erstarrter Blick. Am nächsten Tag kontaktierte die Eisläuferin David Grand, um ihm zu erzählen, dass ihr der dreifache Rittberger gelungen sei. Sie hatte danach nie wieder Probleme.

Der Psychoanalytiker beschloss daraufhin, diese Methode bei Patienten mit ähnlichen Problemen zu testen und kontaktierte auch andere Therapeuten, um sie auszuprobieren. Er sammelte so Beweise für die Wirksamkeit der Brainspotting-Therapie bei einer Vielzahl von Menschen mit komplett unterschiedlichen Diagnosen, Vorgeschichten und Symptomen. 

Wie funktioniert die Brainspotting-Therapie?

Wie bereits erwähnt, beginnt die Brainspotting-Therapie mit der Erkennung eines bestimmten Punktes innerhalb des Sehfeldes, der mit der Körpererfahrung verbunden ist. Danach stimuliert der Therapeut die Beobachtung innerer Vorgänge bei vollem Bewusstsein (Affekte, Erinnerungen, Körperempfindungen usw.).

Ohne kritische Filter beobachtet der Patient, was in ihm vorgeht. Zu verschiedenen Zeitpunkten greift der Therapeut ein und führt mit dem Patienten Gespräche, um den Grad der Verarbeitung zu überprüfen. Gleichzeitig versucht er, die Aufmerksamkeit des Patienten auf seinen Körper zu lenken, um die Auflösung von Traumata zu erreichen.

Wie funktioniert die Brainspotting-Therapie?

Diese Methode erfolgt so lange, bis sich der Patient an die traumatische Erfahrung erinnert und diese verarbeiten kann. Erst wenn es praktisch keine Aktivierung mehr gibt, ist die Therapie zu Ende. Die Dauer der Therapie ist deshalb sehr unterschiedlich. Sie kann bereits bei der ersten Sitzung die gewünschten Resultate bringen, jedoch auch mehrere Monate oder Jahre dauern. Dabei spielen auch die Diagnose, die Komplexität der Erkrankung und die Verarbeitungsfähigkeit des Patienten eine wesentliche Rolle.

Des Weiteren sind die Erfahrung, das Wissen und das Engagement des Therapeuten entscheidend für den Erfolg dieser Intervention. Eine zutiefst respektvolle Beziehung innerhalb des Therapiesettings ist eine weitere Voraussetzung.

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