Binaurale Beats und ihre gesundheitlichen Vorzüge

02 November, 2020
Die Therapie mit binauralen Beats soll Stress, Ängste oder Schlaflosigkeit reduzieren. Dies wird durch ein auditorisches Phänomen erreicht, welches auftritt, wenn du in jedem Ohr einen Ton mit einer etwas anderen Frequenz hörst. Aber hat das wirklich einen positiven Effekt?

Einige Menschen bezeichnen binaurale Beats als die neue “technologische Droge“. Das Ziel dieses auditorischen Phänomens ist es, eine dreidimensionale Empfindung in deinem Gehirn zu erzeugen. Du kannst diesen Effekt erzielen, indem du auf jedem Ohr eine jeweils leicht unterschiedliche Tonfrequenz erzeugst, die du über Kopfhörer hörst. Das führt dann dazu, dass du einen dritten Ton wahrnimmst, welcher wiederum zu einer Reihe von Empfindungen führt.

Die durch diese sensorischen Reize erzeugten Empfindungen können sich in einem Gefühl von Frieden, Wohlbefinden oder einem Kribbeln äußern. Allerdings variieren die erzeugten Empfindungen von Person zu Person. Dennoch scheint klar zu sein, dass binaurale Beats praktisch keinen Menschen gleichgültig und unberührt lassen.

Binaurale Beats liegen absolut im Trend und die Schallwellentherapie hat sich zwischenzeitlich zu einem alternativen Ansatz bei der Behandlung von Angststörungen und Stresszuständen entwickelt.

Allerdings gibt es bisher keine 100 % schlüssigen Studien, die die durch sie erzielten Resultate bestätigen würden. Daher befindet sich diese Therapie momentan noch in der Experimentalphase. Dies hält jedoch viele Tausende von Menschen nicht davon ab, sie täglich zu praktizieren, sei es zur Entspannung, zur Linderung von Schlafstörungen, zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit oder einfach nur zum Vergnügen.

Ein Beispiel ist die I-Doser-Website, die von einem auf Audio und Musik spezialisierten Psychologen erstellt wurde. Sie definiert binaurale Beats als etwas, das süchtig macht und enormes Vergnügen erzeugt. Daher werden sie auch als die neue digitale Droge bezeichnet. Experten sind sich jedoch einig, dass sie durchaus die Stimmung verbessern können, auch wenn dies in einigen Fällen lediglich auf Suggestion zurückzuführen ist.

Binaurale Beats - Gehirn mit Kopfhörer

Binaurale Beats, ein Phänomen mit historischem Hintergrund

Binaurale Beats entstehen durch die Tatsache, dass auf dein rechtes und dein linkes Ohr jeweils ein Ton in leicht unterschiedlicher Frequenz gespielt wird und dein Gehirn diese aber als einen schnelleren und extrem angenehmen Ton wahrnimmt. Wenn du beispielsweise in einem Ohr eine Frequenz von 120 Hertz (Hz) hörst und in dem anderen 132 Hz, dann würde dies einen 12-Hertz-binauralen Beat ergeben.

Obwohl sich das ziemlich raffiniert anhören mag, ist dies keine neue wissenschaftliche Erfindung. Denn der preußische Physiker Heinrich Wilhelm Dove hat dies bereits im Jahr 1839 entdeckt. Er erkannte, dass etwas so Einfaches wie das Hören konstanter Töne, die auf jedem Ohr mit leicht veränderter Frequenz reproduziert wurden, dazu führt, dass die betroffene Person insgesamt einen anderen Ton wahrnimmt. Dr. Dove bezeichnete dies als “binauralen Beat”.

Seither wird damit im klinischen Umfeld experimentiert. Die Forscher versuchten beispielsweise, die Schlafqualität eines Menschen zu verbessern und gleichzeitig ihre Angstzustände zu lindern. Allerdings sind die Ergebnisse, die in all diesen Jahrzehnten der Forschungsarbeit erreicht wurden, sehr unterschiedlich. Denn diese Methode wirkt bei manchen Menschen, während andere Menschen nicht darauf ansprechen.

Binaurale Beats zur Reduzierung von Angstzuständen und körperlichen Schmerzempfindungen

Einige Menschen nutzen binaurale Beats in der Hoffnung, sie könnten sich dadurch von ihren Angststörungen befreien. Darüber hinaus wenden auch Menschen, die an verletzungsbedingten Schmerzen, Gelenkbeschwerden oder Migräne leiden, ebenfalls diese Form der Therapie an.

Dennoch konnte in einer Studie, die am Institut für Verhaltensforschung an der National Distance Education University von Dr. Miguel García durchgeführt wurde, nur einen durchschnittlichen Grad an Wirksamkeit belegen. Das liegt daran, dass binaurale Beats nur bei einer begrenzenten Anzahl Patienten wirksam waren. Nachdem die Probanden zwei Wochen lang täglich für 20 Minuten binaurale Beats gehört hatten, reduzierte sich der Grad der Angstzustände und der Schmerzwahrnehmung dieser Gruppe nur um 26 %.

Binaurale Beats - Mann in Wolken

Binaurale Beats als Therapie bei Schlaflosigkeit

Allerdings kamen Untersuchungen zur Wirksamkeit binauraler Beats bei Patienten mit Schlaflosigkeit zu signifikanteren Ergebnissen. Studien wie die an der Iuliu Hațieganu Universität für Medizin und Pharmazie in Cluj-Napoca durchgeführte bestätigen die Wirksamkeit in gewisser Hinsicht, denn die betroffenen Patienten konnten durch binaurale Beats schneller einschlafen.

Dennoch gibt es bis heute keine schlüssigen Daten in Bezug auf häufiges nächtliches Erwachen oder darüber, ob die Schlafqualität erholsamer und tiefer ist. Auch hier gibt es wieder sehr unterschiedliche Ergebnisse, denn bei manchen Menschen verbesserte sich die Lebensqualität durch einen verbesserten nächtlichen Schlaf, während bei anderen keine Verbesserungen eintraten.

Entspannung und Stimmungsaufhellung

Wenn du täglich für 10 Minuten binaurale Beats mit einer Frequenz von 6 Hz hörst, kann dies deine Stimmung verbessern. Das liegt daran, dass eine Empfindung erzeugt wird, die einer Meditationssitzung in deinem Gehirn ähnelt. Daher fühlst du dich dann entspannter und bist empfänglicher für deine Umgebung. Außerdem vermitteln dir diese Klänge ein Gefühl der Gelassenheit und des Gleichgewichts, was zu einer Steigerung deiner Motivation und Positivität führen kann.

Obwohl dir diese Verbesserungen sehr interessant erscheinen mögen, möchten wir nochmals auf die bisherigen Forschungsergebnisse zu diesem Thema hinweisen: die Ergebnisse variieren sehr stark. Daher sind noch weitere Studien erforderlich, um genauer zu verstehen, welche Veränderungen im Gehirn tatsächlich erzeugt werden. Auf diese Weise können Menschen von dieser Therapieform erheblich profitieren.

Allerdings schmälert die Tatsache, dass die wissenschaftlichen Daten nicht schlüssig sind, in keiner Weise das Interesse für diese Klänge. Wenn sie dich interessieren, kannst du binaurale Beats und die Empfindungen, die sie bei dir auslösen, ganz einfach selber einmal ausprobieren. Alles, was du benötigst, sind gute Kopfhörer. Dann spielst du einfach eines der unzähligen Videos ab, die es auf YouTube zu diesem Thema gibt. Es macht immer Spaß, in dieses unterhaltsame Klanguniversum einzutauchen!

  • Leila Chaieb, Elke Caroline Wilpert. Auditory Beat Stimulation and its Effects on Cognition and Mood States. Frontiers in Psychiatry. 2015; 6: 70. doi: 10.3389/fpsyt.2015.00070