WhatsApp-Sucht: Gibt es die wirklich?

20. Februar 2019

Internet-Sucht, WhatsApp-Sucht, Instagram-Sucht, Online-Dating-Sucht … Ohne Zweifel werden wir uns aufgrund des süchtig machenden Potenzials der neuen Technologien, die unser heutiges Leben bestimmen, an das 21. Jahrhundert erinnern. Dies ist ein neues, aber wachsendes Phänomen. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich in den nächsten Jahren noch weitere Arten von Süchten entwickeln werden, die mit der Nutzung der neuen Technologien im Zusammenhang stehen.

Ein Grund dafür liegt darin, dass alle angenehmen Verhaltensweisen, die durch rein intrinsische Reize verstärkt werden, wiederholt werden. Daher können sie in eine Sucht münden. Eine Sucht tritt jedoch nur dann auf, wenn die Person bei diesem Verhalten einen Kontrollverlust erleidet. Darüber hinaus bleibt die Sucht trotz ihrer negativen Folgen bestehen. Genau dies passiert, wenn eine Person an einer WhatsApp-Sucht leidet.

Es ist wichtig, zu bedenken, dass die grundlegenden Komponenten von Suchterkrankungen Kontrollverlust und Abhängigkeit sind. Abhängigkeit ist daher nicht nur auf Verhaltensweisen beschränkt, die den Missbrauch von Substanzen oder Ähnlichem beinhalten.

Tatsächlich gibt es auch scheinbar harmlose Gewohnheiten, die süchtig machen können, wie beispielsweise die Nutzung von Technologien. Faktisch gilt, wenn wir eine Handlung wiederholt ausführen und diese zu einer Priorität in unserem Leben werden lassen, kann dies unsere Lebensqualität negativ beeinflussen. Und dazu zählt eben auch die Nutzung von WhatsApp.

Ein Mädchen liegt auf ihrem Bett, während sie mit ihren Freunden textet.

WhatsApp und Whats-App-Sucht

Jan Koum entwickelte WhatsApp im Jahre 2009. Koum kam Anfang der 1990er Jahre aus der Ukraine in die Vereinigten Staaten; er sprach nur wenig Englisch, aber das sollte sich bald ändern. In sehr kurzer Zeit gewann Koums App an Popularität. Heute, zehn Jahre später, hat sie mehr als eine Milliarde Benutzer.

Die WhatsApp-Server werden wahrscheinlich noch lange Zeit in Betrieb sein, wenn die folgenden Zahlen als Hinweis gewertet werden dürfen: 42 Milliarden Nachrichten werden täglich über WhatsApp gesendet. Darüber hinaus werden täglich 1,6 Milliarden Fotos und mehr als 250 Millionen Videos über die Anwendung verschickt. Diese Daten geben uns eine Vorstellung davon, wie beliebt diese Anwendung ist. Aufgrund dieser Beliebtheit kann die App auch viel Einfluss auf uns haben.

Psychologische Abhängigkeit

Drogenabhängigkeit bezieht sich gewöhnlich auf den Missbrauch von Substanzen. Es gibt jedoch genügend klinische Beweise für weitere Abhängigkeiten, wie zum Beispiel im Fall der Abhängigkeit von WhatsApp.

Es ist bekannt, dass bestimmte Verhaltensweisen wie Sportsucht, Spielsucht und Abhängigkeit von sozialen Netzwerken allesamt als eine Sucht definiert werden können. Wenn jemand eine starke psychologische Vorliebe für ein bestimmtes Verhalten zeigt, kann dies dazu führen, dass er Angstzustände erleidet und impulsiv handelt, wenn er das Gefühl hat, seine Bedürfnisse nicht in ausreichendem Maße befriedigen zu können. Infolgedessen verliert er das Interesse an anderen lohnenden Aktivitäten. Diese Aktivitäten werden verdrängt und so fallen Betroffene der Sucht zum Opfer.

Ist es nicht seltsam, dass Leute ständig WhatsApp verwenden? Es ist egal, wo sie sich befinden. Menschen nutzen diese Anwendung wie andere Apps auf ihrem Handy überall und jederzeit. Die unmittelbare Verfügbarkeit von WhatsApp und ihre Nutzung hat einen lohnenden Effekt, der vom Gehirn vermittelt wird und uns gefällt. Dies gibt uns einen Eindruck von dem Suchtpotenzial, den die App hat.

Technopathologie - junger Mann start auf sein Handy

Wie verläuft die WhatsApp-Sucht?

Wie bei anderen Süchten, gibt es auch bei der WhatsApp-Sucht eine bestimmte Abfolge von Handlungen, die den Weg in die Abhängigkeit illustrieren:

  • Die Verwendung von WhatsApp ist für Betroffene angenehm und lohnend. Dies ist aufgrund der vielen Funktionen dieser App nur selbstverständlich.
  • Die Nutzer denken verstärkt über die Verwendung der App nach, wenn sie sie gerade nicht nutzen.
  • Als Folge nutzen Betroffene WhatsApp mit erhöhter Häufigkeit. Infolgedessen verlieren sie das Interesse an anderen Aktivitäten, an denen sie zuvor Spaß hatten (Lesen, Musik hören, Sport treiben usw.).
  • Betroffene Personen neigen dazu, ihr Interesse an der App herunterzuspielen. Dies wird als psychologischer Mechanismus der Leugnung definiert.
  • Es besteht ein intensiver, periodischer Wunsch, WhatsApp zu verwenden. Betroffene haben sehr hohe Erwartungen, wie sich die App positiv auf ihr Leben auswirkt, da sich während der Nutzung ein positives Gefühl einstellt.
  • Betroffene nutzen die App auch nach negativen Konsequenzen weiter.
  • Sie rechtfertigen die Nutzung der Anwendung regelmäßig und versuchen, andere davon zu überzeugen, dass es ihnen gut gehe. Betroffene nehmen ihre Handlungen verzerrt wahr.
  • Die Nutzung wird nicht länger dadurch stimuliert, dass das Verhalten angenehm ist. Vielmehr haben Betroffene das Gefühl, dass sie die App weiterhin verwenden müssten, da dies ihr Unbehagen lindere. Dieses Linderungsgefühl verliert aber zunehmend an Intensität, nimmt mit der Dauer des Verhaltens ab.
  • Die Person ist immer weniger in der Lage, negative Emotionen und alltägliche Frustrationen zu bewältigen. Einst erfolgreiche Bewältigungsstrategien werden verlernt, weil sie nicht mehr angewendet werden und bei Problemen nur noch WhatsApp konsultiert wird. Stress kann vermeintlich nur noch durch die Verwendung von WhatsApp gelindert werden.
  • Mit zunehmenden negativen Auswirkungen durch die Nutzung von WhatsApp beginnen Betroffene, sich der Realität bewusst zu werden. Sie versuchen, ihr Verhalten ohne Hilfe zu kontrollieren.
  • Bei einer externen Krise, z. B. einer Trennung, sucht die Person oder deren Familie Hilfe und Behandlung.
Ein Handydisplay, das eine Benachrichtigung bei WhatsApp zeigt.

Konsequenzen einer WhatsApp-Sucht

Für Betroffene ist die Verwendung von WhatsApp eine Notwendigkeit. Der Gebrauch der App ist an ihr emotionales Wohlbefinden gebunden und die süchtige Person hat nur sehr wenig Kontrolle über ihre Handlungen. Sie denkt an die Vorteile der sofortigen Befriedigung, berücksichtigt jedoch nicht die möglichen langfristigen Nebenwirkungen und Folgen.

Die Gefahren einer Abhängigkeit von WhatsApp und anderen Netzwerken sind durch zwei Faktoren gekennzeichnet. Einer dieser Faktoren ist die mögliche Isolation von der Umwelt. Der zweite Faktor bezieht sich auf soziale Aspekte, wie z. B. berufliche oder schulische Verpflichtungen, die nicht mehr eingehalten werden können. Die Beziehungen Betroffener beginnen, sich zu verschlechtern. Dies gilt auch für romantische Beziehungen.

Wie wir gesehen haben, gibt es neben körperlichen Abhängigkeiten (Tabak, Alkohol, Kokain usw.) auch psychologische. Ein perfektes Beispiel dafür ist die WhatsApp-Sucht. Die Auswirkungen der zwanghaften Nutzung dieser App können für unser Wohlbefinden sehr schädlich sein. Es grenzt an Ironie, dass eine soziale App derart schädlich sein und unser soziales Leben einschränken und verschlechtern kann.