Auf positive Art nein sagen

· 5. November 2018

Mit den neuen Ideen in Bezug auf Bildung und positive Disziplin wird das Wort nein oft als ein „böses Wort“ angesehen. Das lässt sich viele Eltern verloren fühlen. Sie wissen nicht, was sie tun sollen, um Grenzen zu setzen. Dabei suchen sie mit ihrem Nein nur nach einem Weg, ihre Kriterien durchzusetzen, ohne sich als zu starr oder autoritär zu erweisen. Die gute Nachricht ist: Wir können definitiv lernen, wie wir auf eine bessere, positivere Weise nein sagen können.

Wenn wir zu unseren Kindern nein sagen, um einem ihrer Wünsche zu widersprechen, ist es wichtig, sicherzustellen, dass es einen triftigen Grund dafür gibt und dass er gerechtfertigt ist. Auch ist es möglich, Nuancen zwischen ja und nein zu nutzen. Wir könnten ihnen sagen, dass sie später am Tag, wenn die Zeit reif ist, tun können, wozu jetzt nicht der Moment ist. Wir könnten auch Alternativen anbieten, die wir für angemessen halten und die ihnen gefallen könnten.

Unser Ziel ist es, unseren Kindern zu helfen, sich selbst zu regulieren und zu lernen, sich an bestimmte Regeln zu halten. Obwohl das ein langer und konstanter Prozess ist, dürfen wir nicht vergessen, dass es nur Kinder sind und dass wir für ihre Bildung verantwortlich sind. Wir müssen geduldig bleiben!

Vater erklärt seinem Sohn die Welt

Die Neugier unserer Kinder macht uns ängstlich

Kinder sind von Natur aus neugierig, aber diese Neugier scheint nachzulassen, wenn sie erwachsen werden. Vielleicht hinderten zu enge Grenzen sie daran, neugierig zu sein, weil ihr Verhalten die Erwachsenen in ihrem Umfeld wütend machte. Darüber hinaus half wohl auch die Art und Weise, wie sie in der Schule lernten, basierend auf Wiederholung und noch mehr Wiederholung, nicht, ihre Neugier zu nähren.

Auf der anderen Seite ist es für Eltern sehr schwierig, der Neugier ihrer Kinder freien Lauf zu lassen, ohne Angst zu haben, dass sie sich selbst verletzen. Wenn wir uns von unserer Angst beherrschen lassen, werden wir am Ende immer nein sagen und unsere Kinder vor den vielfältigsten „Gefahren“ warnen. Daran ist nichts Positives.

Wir können versuchen, dem zu widerstehen, aber derlei Anstrengungen könnten uns noch ängstlicher machen. Vielleicht bekommen wir irgendwann so viel Angst, dass wir am Ende ein lautes „Nein!“  schreien. Wir müssen beachten, dass wir unsere Kinder mit solcher Inkonsequenz verwirren. Sie werden denken: „Warum schreist du uns an, wenn du uns die Erlaubnis gegeben hast?“

Das Beste, was wir tun können, ist, unsere Kinder beim Erkunden zu begleiten. Zu erkennen, was tatsächlich gefährlich für sie ist und was nicht. Es ist in Ordnung, wenn unsere Kinder beim Spielen auf den Rasen fallen; nicht so sehr, wenn sie eine Leiter hinunterstürzen. Schließen wir uns ihnen an, aber geben wir ihnen auch Raum. Geben wir ihnen ein wenig Freiheit und vertrauen ihrem Urteil, während sie wachsen, anstatt unverblümt nein zu sagen.

„Kinder müssen erzogen werden, aber sie müssen sich auch selbst erziehen.“

Ernest Dimnet

Sagen wir nicht einfach nein, sondern erklären, warum nicht

Bei vielen Gelegenheiten ist es unnötig, nein zu sagen. Wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder etwas anfassen, können wir sagen: „Das ist schmutzig“, „Das gehört nicht dir“  oder „Das kann dir schaden“.  Erklären wir ihnen, wie die Welt funktioniert: „Stühle sind zum Sitzen gemacht“  oder „Menschen und Tiere werden mit Respekt behandelt“Nennen wir ihnen die Gründe für unsere Handlungen und sagen: „Ich bin gerade beschäftigt, ich werde dir in einer Minute Aufmerksamkeit schenken.“  Auf diese Weise werden unsere Kinder verstehen, was los ist, anstatt sich grundlos angeschrien zu fühlen.

Routinen und Grenzen können uns helfen, weniger oft nein zu sagen, zum Beispiel: „Es ist Zeit zum Baden und dann, um ins Bett zu gehen, du hast morgen Schule!“  oder „Lass uns nach Hause gehen, es wird spät und wir müssen noch das Abendessen vorbereiten“.  Wir wissen, dass es frustrierend sein kann, wenn unsere Kinder die ganze Zeit Süßigkeiten und Junk Food essen wollen. Aber wir könnten ihnen diesbezüglich sagen: „Lasst uns stattdessen Früchte essen, sie sind auch lecker und sie werden euch später nicht krank machen.“  Das klingt sicher besser als: „Nein, es gibt jetzt keine Pommes Frites.“  Bieten wir ihnen auch in Bezug auf andere Aktivitäten Alternativen: „Das ist zu gefährlich, hilf mir stattdessen damit“, „Es regnet, das Fußballspiel fällt deshalb aus. Aber wir können ganz bestimmt durch den Regen spazieren!“.

Es gibt so viele andere Dinge, die wir tun und sagen können, anstatt nur nein zu sagen. Erklären wir unseren Kindern auch die Konsequenzen ihrer Handlungen: „Wenn du deine Freunde schlägst, werden sie nicht mehr mit dir spielen wollen“  oder „Wenn du nicht lernst, wirst du den Test nicht bestehen“.

Mutter und Sohn schauen sich eine Blume an

Es gibt viele Möglichkeiten, nein zu sagen und unseren Kindern gleichzeitig zu helfen, in Zukunft ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Unsere Kinder werden nicht immer einfach sein, sie werden sich wehren! Wir sind die Autorität. Aber unsere Kinder zu zwingen, dem System zu folgen, ohne ihnen Raum zum Atmen zu geben, wird ihnen nicht helfen, als Individuen zu wachsen. Der Umgang mit ihnen wird manchmal schwierig sein; sie können uns mit ihrer Energie dazu bringen, die Ruhe zu verlieren. Mit einer gesunden Einstellung und Denkweise werden wir ihnen jedoch näherkommen können.

Wenn wir doch einmal nein sagen müssen

Sprechen wir ernst mit ihnen, aber ohne zu schreien. Es gibt keinen Grund für uns, unhöflich zu ihnen zu sein. Beleidigen wir sie nicht und sagen wir nichts, was wir später bereuen könnten. Seien wir unkompliziert und sprechen wir sie mit ihrem Namen an. Machen wir klare Ansage: „Ich bin sauer auf dich, weil mir nicht gefällt, was du getan hast.“

Sprechen wir über ihre Handlungen, aber lassen wir sie nicht denken, dass ihr Verhalten sie definierte. Anstatt „Du bist ein böses Kind“  zu sagen, sagen wir „Du hast etwas Böses getan“.  Sagen wir nicht „Du bist faul“,  sondern „Du hast sehr lange gebraucht, um das zu tun“.  Seien wir ihr Vorbild und zeigen wir ihnen, wie es geht. Denken wir auch daran, ihnen die Folgen ihres Handelns aufzuzeigen und mutig zu sein: „Du hast dir nicht die Zähne geputzt, also werde ich dir heute Abend keine Geschichte vorlesen.“

„Konzentrieren wir uns mehr darauf, wer unsere Kinder sind, als darauf, was unsere Kinder tun. Denken wir daran, dass wir Personen erziehen, keine Probleme lösen.“

L. R. Knost

Alternative Wege zu finden, Grenzen zu setzen, ohne ständig nein zu sagen, wird uns zu intelligenten Eltern machen. Alternativen zu finden, um nein zu sagen, ist eine positive Sache. Es wird uns ermöglichen, unsere elterliche Führung auf Kriterien, Verständnis und Argumente zu stützen.

Dieser neue Ansatz wird wahrscheinlich einiges an Aufwand erfordern. Wir fühlen uns vielleicht müde und manchmal gar niedergeschlagen, aber dem wird nicht immer so sein. Sobald sich unsere Kinder an diese Dynamik gewöhnt haben, wird alles einfacher werden. Sie werden in der Lage sein, unseren Standpunkt zu verstehen und vorher über ihre Handlungen nachzudenken, darüber, was sie wollen und was sie nicht wollen.