Auch wenn du wegläufst, dein wahres Ich holt dich ein

· 11. Februar 2016

„Sei du selbst, die verbleibenden Posten sind schon besetzt.“

Oscar Wilde

Der dornige Weg, man selbst zu sein

Wir verbringen unser Leben mit dem Versuch, uns anzupassen. Und wenn wir es geschafft haben, uns an einen Ort oder einer Menschengruppe anzupassen, dann stellt sich uns schon eine neue adaptive Herausforderung.

Es ist wichtig, zu wissen, dass die Angst vor dem Unbekannten, davor, dich erneut infrage zu stellen, absolut normal ist, wenn du Veränderungen gegenüberstehst. Es sind Anzeichen dafür, dass in deinem Leben interessante Dinge passieren.

Angesichts der großen Veränderungen oder auch gewöhnlichen und irrelevanten Ereignissen, können wir uns in unserer Identität bedroht fühlen, und so nehmen wir es auch wahr.

Frau auf Apfelbaum mit Lupe

Stell dir die einfache Situation vor, mit einem Nachbarn in einem Aufzug zu fahren: innere Unruhe zu spüren, oder nicht zu wissen, was man sagen könnte, ist uns unangenehm, und sofort beginnen wir uns Fragen zu stellen wie: Warum reagiere ich so?“  Oder Vorwürfe wie: „Ich dachte ich bin reif, aber sieh an, was mit mir los ist.“

All dieses Infragestellen sind der Beweis dafür, dass unsere Existenz uns wichtig ist, und darüber hinaus, dass unsere Existenz uns zeigt, wer wir wirklich sind. Wenn wir eigenen Stolz haben, wollen wir ein möglichst genaues (und gutes) Bild von uns selbst vermitteln.

Unser wahres Ich und unser Selbstwertgefühl

Uns selbst zu kennen heißt, darauf vorbereitet zu sein, geliebt zu werden.

Wenn unser Selbstwertgefühl gering ist, wollen wir unser abgewertetes Ich eher verschleiern, und schreiten durch ein Labyrinth von flüchtigen Blicken, geschnürten Positionen, oberflächlichem Umgang, flüchtigen und leeren Beziehungen.

Dieser Mangel an Klarheit darüber, wer wir sind und was wir wollen, wird nicht nur dadurch reflektiert, wie schwierig unser Geist in Beziehung mit der Umwelt sein kann, sondern auch dadurch, dass wir auch noch ständig unsere getroffenen Entscheidungen infrage stellen.

Aber eine Sache muss dir klar werden: Alles, was du in diesem Leben entschieden hast, hast du selbst entschieden. Es sei denn, du bist durch äußere Umstände in eine ungewollte Situation geraten. Auch wenn es noch so kleine Dinge betraf, oder dir die Alternativen armselig erschienen, hast du dich für die eine oder andere Option entschieden.

Aufhören wegzulaufen,  Vortritt für unser wahres Ich

Es kommt der Moment, in dem wir aufhören sollten, uns ständig auf diese bestrafende Weise infrage zu stellen. Es ist Zeit, uns selbst zu bestätigen, ohne ständig unsere Existenz zu hinterfragen.

Zwei sehr unterschiedliche Weisen, zu wachsen, aber bei einer werden wir wissen, wie wir unnötiges Leid vermeiden können, und unsere Anstrengungen in etwas legen, was es wirklich wert ist, um mit dem im Einklang zu leben, was wir schätzen.

Frau auf Dach mit Herz im Arm

Du selbst zu sein bedeutet nicht, dir die Welt nach deinen Vorstellungen zu formen. Du selbst zu sein bedeutet, mit ihr zu fließen, deine Essenz einzubringen, und es zu schaffen, dass diese Reise dich mit dem belohnt, worum du jeden Tag kämpfst, und zugleich, dass du das Leben mit deinem unverwechselbarem Glanz belohnst.

Du selbst zu sein bedeutet, den Mut zu haben, zu sein, wer du wirklich bist, mit allem was dazu gehört. Frei von Kopien und unbegabten Plagiaten.

„Wir sind als Original geboren, und sterben als Kopie.“

  Carl Gustav Jung

Wenn ich ich selbst bin…

  • Bin ich nicht das, was mir passiert. Ich bin die Wahrheit, die alles beinhaltet, was mir passiert. Wie ein Glasbehälter, der Wasser, Erde oder Samen enthalten kann, aber immer der gleiche Behälter bleibt.
  • Die Leute, die mir im Leben begegnen, geben mir klare Lektionen: Sie sind Reflexionen, in denen sich mein Inneres widerspiegelt. Diejenigen, die mich stören und mich schlecht fühlen lassen, diejenigen, die mir gleichgültig sind, und diejenigen, die eine Spur in mir hinterlassen. Sie alle bezeichnen einen Teil meines Inneren, den ich manchmal bei mir selbst nicht sehen kann.
  • Auch wenn ich versuche, es zu vermeiden, ist steckt mein wahres Ich doch in allem, was ich tue. Manchmal, weil ich mich weigere, und ein anderes Mal, weil ich meiner Wahrheit nachgebe.
  • Meine Zweifel sind nicht meine Feinde. Sie sind die Signale, die mich dazu leiten, es zu wagen, neue Dinge zu erforschen, mich herauszufordern, ohne mich zu zwingen, mich kennenzulernen, ohne mich einzuschränken.

„Trau dich, du selbst zu sein. Es ist ein Luxus, der zum Greifen nah ist.“