Atypische Depression  

2. Januar 2020
Eine atypische Depression ist schwer zu diagnostizieren. Viele Menschen, die daran leiden, wissen nicht, dass sie diese haben, weil sie sich manchmal gut fühlen. Es dauert jedoch nicht lange, bis die dunklen Wolken wieder auftauchen und die Angst, die schlechte Laune und die mangelnde Motivation zurückkehren. 

Trotz ihrer Bezeichnung tritt die atypische Depression eigentlich recht häufig auf. Sie ähnelt einer klinischen Depression, aber bei Patienten, die an dieser Störung leiden, treten die Symptome nur gelegentlich auf. Diese Menschen können zum Beispiel sehr gut und positiv auf ihre Umgebung reagieren und haben zudem einen besonders großen Appetit, doch zeitgleich spüren sie eine Schwere in Armen und Beinen.

Psychologen verwendeten diesen klinischen Begriff zum ersten Mal in den 50er Jahren. Sie bezeichneten damit zunächst Patienten mit Depressionen, die nicht auf gewöhnliche Antidepressiva ansprachen. Es bedurfte weiterer Analysen und Forschungen, um gemeinsame Faktoren zwischen diesen Patienten zu finden und zu verstehen, womit sie genau zu tun hatten.

Sie beobachteten zuerst, dass diese Patienten Schmerzen in Armen und Beinen zeigten. Sie berichteten, dass es schwierig sei, sich zu bewegen, weil sich ihre Extremitäten schwer anfühlten. Psychologen bemerkten auch, dass sie atypische Anzeichen und Symptome einer klinischen Depression zeigten, wie Hypersomnie (Schlafsucht) oder Hyperphagie (übermäßiges Essen).

Die Forscher beobachteten auch, dass sich die Symptome ihrer Patienten im Laufe des Tages verschlechterten. Am Morgen konnten sie auf Komplimente reagieren, die Gesellschaft anderer genießen und positiv auf bestimmte Reize reagieren. Am Nachmittag änderten sich die Dinge. Nach der Erhebung von Daten und der Beobachtung dieser häufigen Symptome nannten die Forscher diese besondere Erkrankung „atypische Depression“.

Von da an war es viel einfacher, neue Medikamente speziell für diese Störung zu entwickeln. Auch glauben viele Psychologen, dass atypische Depressionen fast 20 % aller Fälle von Depressionen ausmachen. Folglich ist es wichtig, einen psychologischen und pharmakologischen Ansatz zu entwickeln, der auf diese Störung zugeschnitten ist.

Eine Frau mit atypischer Depression.

Atypische Depression: Merkmale und Symptome

Eine Studie von Jonathan R. T. Davidson von der University of California zeigt, dass die häufigsten Symptome einer atypischen Depression biologisch oder vegetativ sind. Andere Studien lieferten ähnliche Ergebnisse. Patienten mit atypischer Depression klagen vor allem über körperliche Beschwerden. Sie sind oft erschöpft und fühlen sich geschwächt.

Dies ist einer der Gründe, warum dieser Zustand so schwer zu diagnostizieren ist. Möglicherweise denkst du, dass du nur überarbeitet oder übermüdet bist, dich nicht gesund ernährst oder nicht ausreichend bewegst. Das DSM-5 beschreibt atypische Depressionen jedoch als persistent. Das bedeutet, dass deine psychische Gesundheit darunter leidet, wenn du keine Hilfe erhältst.

Welche Merkmale treten bei dieser psychischen Erkrankung am häufigsten auf?

Deine Stimmung verändert sich bei positiven Reizen

Ein Merkmal der klinischen Depression (oder Dysthymie) ist die Unfähigkeit, auf positive Situationen oder Reize zu reagieren. Betroffene haben ernste Probleme mit jeglicher Art von Freude oder Glück. Menschen mit atypischen Depressionen erleben jedoch positive Reaktionen, wenn sie jemanden sehen, den sie lieben, Lob erhalten oder ermutigt werden.

Atypische Depression: Angst, Nervosität, Unruhe und Misstrauen

Atypische Depressionen haben auch eine hohe Übereinstimmung mit anderen Erkrankungen, wie Angstzuständen oder bipolaren Störungen. Zu den häufigsten Symptomen zählenNervosität, Überempfindlichkeit, die Angst vor dem Scheitern usw. 

Ebenso fällt es Patienten mit atypischer Depression schwer, glückliche, stabile Beziehungen aufrechtzuerhalten. Sie haben auch Probleme damit, anderen Menschen zu vertrauen, sie reagieren sehr sensibel auf Kritik und haben Angst vor Verrat, dem Verlassenwerden oder Einsamkeit.

Bleierne Lähmung

Als bleierne Lähmung bezeichnet man das Gefühl der Schwere in den Extremitäten, wie anfangs bereits beschrieben. Betroffene verspüren starke Müdigkeit oder auch Schmerzen in den Armen und Beinen, welche ihre Beweglichkeit beeinträchtigt. 

Atypische Depresseion und Hypersomnie

Zu viel Schlaf ist ein weiteres Zeichen für eine atypische Depression. Du schläfst übermäßig, machst lange Nickerchen, stehst spät morgens auf und bist nur eingeschränkt leistungsfähig. Es spielt keine Rolle, wie viel Schlaf du bekommst, du fühlst dich dauerhaft müde. Durch das Ausruhen lädst du dich nicht wieder mit neuer Energie auf und du fühlst dich nicht stärker.

Eine Frau mit Hypersomnie schläft.

Großer Appetit

Angst und Nervosität führen oft zu einer fast dauerhaft anhaltenden Hyperphagie. Dadurch hast du ständig Hunger und isst zwanghaft.

Atypische Depression: Behandlungsmöglichkeiten

Laut Cristancho, O’Reardon und Thase (2012) ist eine atypische Depression bei Frauen und Jugendlichen in der Regel chronisch und häufiger. Diese Art von Depression wird meist außerhalb des Krankenhauses von Gesundheitsexperten behandelt.

Wenn du an einer atypischen Depression leidest und keine Behandlung erhältst, können die Folgen schwerwiegend sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn es zu einer Überlagerung mit anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Angstzuständen oder einer bipolaren Störung kommt.

Der beste Behandlungsansatz hängt von der Situation des jeweiligen Patienten ab. Zum Beispiel brauchen viele Frauen mit atypischer Depression spezifische Hilfe, da sie auch an Essstörungen wie Bulimie leiden. Mit einer guten psychologischen Therapie und geeigneten Medikamenten können die Patienten jedoch eine signifikante Verbesserung feststellen.

  • Die kognitive Verhaltenstherapie ermöglicht es Patienten, Gedankenmuster und Verhaltensweisen zu analysieren, um ihre alltägliche soziale Kompetenz zu verbessern.
  • Ebenso hat sich gezeigt, dass die Behandlung mit MAO-Hemmern (Psychopharmaka) bei Patienten mit atypischer Depression sehr wirksam ist.

Zuletzt ist es wichtig, noch ein Detail über atypische Depressionen zu erwähnen. Diese Störung ist weitaus häufiger als man denkt, wobei Betroffene im Durchschnitt um die Mitte 20 sind.Durch die Früherkennung können Ärzte ihren Patienten helfen, eine bessere Kontrolle über ihr Leben zu erlangen und ihnen Instrumente und Strategien zur Verfügung stellen, um glückliche und selbstbewusste Menschen zu sein.

  • Davidson, J. R. T., Miller, R. D., Turnbull, C. D., & Sullivan, J. L. (1982). Atypical Depression. Archives of General Psychiatry39(5), 527–534. https://doi.org/10.1001/archpsyc.1982.04290050015005