Arten von Sprachstörungen und ihre Merkmale

Wie viele Arten von Sprachstörungen gibt es? Was sind ihre Ursachen und Symptome? Der heutige Artikel wird diese Fragen beantworten.
Arten von Sprachstörungen und ihre Merkmale

Letzte Aktualisierung: 05. Mai 2021

Die Sprache ist eines der mächtigsten Werkzeuge des Menschen. Sie ermöglicht es uns, zu kommunizieren, Informationen wie Gefühle und Wünsche zu übermitteln und Kultur und Wissen zu bewahren. Jedoch können das nicht alle Menschen, denn einige Menschen leiden an Sprachstörungen.

Viele Psychologen haben bereits die Rolle der Sprache in der menschlichen Entwicklung erforscht. Einer von ihnen war der russische Psychologe Lev Vygotsky, der zu diesem Thema wichtige Beiträge geleistet hat.

Eine Sprachstörung zu haben, kann soziale, lerntechnische und persönliche Folgen haben. Denn Sprache ist Teil unseres täglichen Lebens und sie ermöglicht es dir, dich zu verständigen sowie Informationen auszutauschen und dich auszudrücken. Aber welche Arten von Sprachstörungen gibt es? Lies weiter, um mehr über Definitionen, die Ursachen und die Symptome zu erfahren.

“Sprache ist Macht; Sprache ist zu überreden, zu bekehren, zu zwingen.”

-Ralph Waldo Emerson-

Ein Mädchen spricht


Arten von Sprachstörungen

Es gibt verschiedene Arten von Sprachstörungen oder genauer gesagt, Beeinträchtigungen bei der Erzeugung oder Bildung von Sprachlauten. Dies erschwert dann das Sprechen, weil es die Aussprache und das Bilden ganzer Wörter beeinträchtigen kann. Infolgedessen können Menschen oft nicht so sprechen, dass andere sie auch verstehen können.

Die folgenden Kommunikationsstörungen sind im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) aufgeführt:

  • die Sprachstörung
  • die Sprachklangstörung
  • die Störung des Redeflusses in der Kindheit
  • die nicht-spezifizierte Kommunikationsstörung
  • die soziale Kommunikationsstörung

Dieser Artikel behandelt Sprachstörungen und nicht Kommunikationsstörungen. Das heißt, dass nur diejenigen behandelt werden, die das Sprechen betreffen. Lies weiter, um die wichtigsten Merkmale der einzelnen Störungen zu erfahren.

Sprachstörungen – Dysphasie

Eine Sprachstörung (oder Dysphasie) umfasst eine Reihe von Schwierigkeiten beim Verstehen sowie beim Ausdrücken von Sprache. Diese Schwierigkeiten betreffen zum Beispiel Kinder auch dann, wenn ihre Intelligenz eigentlich ihrem Entwicklungsstand entspricht. Darüber hinaus zeigen sie sich in der mündlichen und schriftlichen Sprache ebenso wie beim Lesen. Mit anderen Worten, es ist eine weitreichende Störung.

Je nach Ursprung gibt es zwei Arten von Dysphasie:

  • Die entwicklungsbedingte Dysphasie tritt ab dem Zeitpunkt auf, an dem ein Kind zu sprechen beginnt. Ihre Ursache ist jedoch noch unbekannt, da sie nicht auf andere Störungen zurückzuführen ist.
  • Erworbene Dysphasie tritt als Folge eines Unfalls, Kopftraumas, Anfallsleidens usw. auf. Ihr Hauptmerkmal ist die Hypoproduktivität der Sprache (also besonders vermindert).

Darüber hinaus gibt es zwei Arten von Dysphasie, je nachdem was betroffen ist:

  • Die rezeptive Dysphasie betrifft das Verstehen.
  • Die expressive Dysphasie betrifft den Ausdruck.

Weiters gibt es auch einen speziellen Typ, der insbesondere Epileptiker betrifft. Dieser ist genauer gesagt als Landau-Kleffner-Syndrom bekannt. Hierbei handelt es sich um eine rezeptiv-expressive Störung, die sich durch Veränderungen im EEG (Elektroenzephalogramm) des Patienten zeigt. Diese Störung wird durch einen epileptischen Anfall verursacht und beginnt meist abrupt und typischerweise zwischen dem dritten und siebten Lebensjahr.

Phonologische Störungen – Dyslalie

Die Dyslalie beinhaltet Schwierigkeiten bei der Lautbildung. Die häufigsten Symptome sind das Austauschen von Lauten sowie Verzerrungen, und das Fehlen (Auslassung) oder Hinzufügen (Einfügung) von Lauten. Die Ursache ist funktionell bedingt, jedoch kennt man den Ursprung noch nicht. Mit anderen Worten, es liegt kein organisches Defizit zugrunde.

Diese Sprachstörung tritt am häufigsten im Kindesalter auf. Schätzungen gehen davon aus, dass zwei bis drei Prozent der Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren eine mittelschwere oder schwere Form der Dyslalie haben, leichte Fälle treten noch häufiger auf. Diese Störung wird oft diagnostiziert, wenn die Fehler, die ein betroffenes Kind beim Sprechen macht, nicht seinem Entwicklungsstand entsprechen und sein soziales und schulisches Funktionieren beeinträchtigen.

Stottern oder Dysphemie ist eine der häufigsten Sprachstörungen

Im DSM-5 wird Stottern auch als “childhood-onset fluency disorder” bezeichnet. Es ist eine der bekanntesten Sprachstörungen.

Dysphemie beeinträchtigt den Fluss und den Rhythmus der Sprache. Eine Person mit dieser Erkrankung stößt eine oder mehrere krampfartige Wiederholungen bei Sprechen aus und es kommt zu Blockaden zu Beginn oder während des Sprechens. Dies führt dann zu einer Unterbrechung des normalen Kommunikationsrhythmus.

Diese Störung beginnt meist zwischen dem dritten und achten Lebensjahr. Das liegt daran, dass das normale Sprachmuster erst in diesem Alter erworben wird. Je nach Dauer der Störung können wir die folgenden Arten von Dysphemie unterscheiden:

  • Die kongenitale Dysphemie dauert einige Monate.
  • Benigne Dysphemie dauert ein paar Jahre.
  • Persistierende Dysphemie ist chronisch und prägt sich meist im Erwachsenenalter aus.

Merkwürdigerweise stottern Menschen mit dieser Erkrankung nicht, wenn sie singen, einen gelernten Text vortragen oder wenn sie alleine sind sowie mit Haustieren sprechen. Das deutet auch darauf hin, dass es sich um eine Störung handelt, die durch soziale Ängste beeinflusst wird.

Darüber hinaus kann laut einer Studie von Ramos (2019) Musik oder deren Rhythmus Stotterern helfen, ihre Sprechgeschwindigkeit besser zu kontrollieren, ihre Gesichtsspannung zu verringern und ihre phono-respiratorische Koordination sowie ihren Redefluss zu verbessern.

Ein Mann, der an seiner Sprachstörung arbeitet


Dysglosie

Diese Sprachstörung verursacht erhebliche Schwierigkeiten bei der Bildung der Laute, aus denen Sprache besteht. Sie tritt als Folge von Veränderungen der an der Lautbildung beteiligten Organe auf (z. B. angeborene Fehlbildungen der Lippen, Zähne oder Zunge). Sie ist also organisch bedingt.

Dysarthrie

Diese Störung beruht auf Veränderungen der neuromotorischen Steuerung (Schädigung des Nervensystems). Sie äußert sich in Schwierigkeiten bei der Formulierung von Wörtern, die durch neurologische Probleme verursacht werden. Sie verändern den Muskeltonus, mit dem der Mund Sprache ausstrahlt. Es hindert eine Person daran, Wörter richtig auszudrücken. Wie die Dyslalie ist auch die Dysarthrie eine der bekanntesten Sprachstörungen.

Aphasie

Es gibt viele Klassifizierungen von Aphasien. Nach dem klassischen neuropsychologischen Modell ist eine Aphasie ziemlich schwerwiegend, im Gegensatz zur einer Dysphasie, die weniger schwerwiegend ist. Was die Dysphasie von der Aphasie unterscheidet, ist vielmehr, dass letztere erworben und die Dysphasie angeboren ist. Zumindest nach dem kognitiven Modell.

Andere Autoren meinen jedoch, dass sich Aphasie von Dysphasie dadurch unterscheidet, dass sie sich bei Erwachsenen und nicht bei Kindern ausbildet. Wie auch immer die Klassifizierung ausfällt, klar ist, dass Aphasie einen Verlust oder eine Veränderung der Sprache bedeutet. Sie tritt als Folge einer Veränderung oder Verletzung des Gehirns auf. Ursache dafür kann zum Beispiel ein Schlaganfall oder ein Schlag auf den Kopf sein.

Die verschiedenen Arten der Aphasie äußern sich durch unterschiedliche Symptome, je nach Ort der Verletzung. Dieser Artikel enthält weitere Informationen.

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