Aporie: Die Weisheit des Widerspruchs

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Nur wenige Fragen regen zu so viel Reflexion und Widersprüchen an wie Aporien. Diese Handlungsknoten laden uns ein, über die widersprüchlichen Paradoxien des Lebens nachzudenken. Erfahre mehr darüber in diesem Artikel!
Aporie: Die Weisheit des Widerspruchs

Letzte Aktualisierung: 04. Januar 2021

Der Begriff Aporie stammt aus dem Griechischen. Man könnte sie als einen Zustand der Unsicherheit oder Verwirrung definieren, der entsteht, wenn wir uns mit zwei gegensätzlichen, aber dennoch akzeptablen Argumenten auseinandersetzen. Beispiele hierfür sind William Shakespeares berühmter Ausspruch “Sein oder Nichtsein” oder die klassische Frage “Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?”. Diese unlösbaren Fragen beziehen sich auf philosophische Dilemmata, für die es keine Lösung gibt.

Allerdings war diese Art des Denkens zu Zeiten von Platon und Sokrates eine großartige Möglichkeit, Debatten und tiefe dialektische Übungen zu beginnen. Der Schlüssel lag darin, Zweifel zu wecken oder eine rhetorische Frage aufzuwerfen. Auf diese Weise wollten sie einen Übergang zwischen der Zweideutigkeit der Welt, den Widersprüchlichkeiten des Lebens und den komplizierten Überlegungen, die gleichzeitig sowohl einen Sinn als auch keinen haben, erreichen.

Wenn es etwas gibt, von dem wir ausgehen müssen, dann ist es die Tatsache, dass die Realität, die uns umgibt, voller unerträglicher Aporien ist. Hier ist ein Beispiel für eine solche Aporie. Zweifelsohne sind wir eine unglaublich individualistische und globalisierte Gesellschaft. Alle Menschen sind frei. Gleichzeitig sind wir jedoch Opfer tausender Umstände und unendlicher Mechanismen, die uns formen und standardisieren.

Eine Aporie ist die Weisheit des Widerspruchs. Sie lädt uns dazu ein, wertvolle Überlegungen anzustellen, die aber am Ende nicht wirklich einen Sinn ergeben.

Was ist eine Aporie und was ist ihr Sinn und Zweck?

Wenn wir über Aporien sprechen, müssen wir auf jeden Fall auch die Sophismen des griechischen Philosophen Zenon von Kition zitieren. Eines davon ist als “Das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte” bekannt. Das Wesentliche dieser Idee beruht auf einem Argument: eine Bewegung als solche ist nicht wirklich existent. Der stoische Weise hat Mobilität als Verkettung von Ruhezuständen (als Summe von Standbildern) verstanden.

Daher konnte für Zenon eine Schildkröte genauso schnell oder sogar noch schneller als Achilles (welcher für seine Schnelligkeit bekannt war) sein, weil Bewegung wie die Zeit auch nur eine Illusion ist. Ausgehend von dieser Prämisse erklärte er, dass sich ein Pfeil, der abgeschossen wurde, in Wirklichkeit zu keinem Zeitpunkt bewegt. Stattdessen ist seine Bewegung das Ergebnis der unendlichen Summe seiner Ruhepunkte. Was kann man auf eine derartige Argumentation erwidern? Nun, wenn du dich auf die klassischen Mechanismen und die Newtonschen Gesetze stützt, kannst du sie vollkommen widerlegen.

Aber wenn du dich in Zenons Denkweise über die Abfolge von Ruhezuständen hineinversetzt, kannst du sie sicherlich ebenfalls verstehen. Wenn du diese Beispiele nachvollziehen kannst, wirst du ebenfalls erkennen, dass wir alle mit dem Gefühl der Aporie vertraut sind.

Denke einmal darüber nach. Dieser Begriff beschreibt die Verwirrung oder Unsicherheit, die du manchmal erlebst, wenn du dich mit zwei widersprüchlichen Ideen auseinandersetzt, die beide interessant und valide sein können. Es ist ein Knoten der Verwirrung, der dich zum Nachdenken einlädt, obwohl er nicht wirklich von entscheidender Bedeutung ist.

Aporie - Frau in Wolken und Wald

Dekonstruieren, um zu entdecken: Der Wert des alltäglichen Widerspruchs

Aporetisch ist ein interessantes Adjektiv, das du häufiger berücksichtigen solltest. Tatsächlich wäre es sehr gut, sich dieses Merkmal anzueignen und diese Übung des Denkens und Reflektierens zu praktizieren, mit der du viele Realitäten dekonstruieren kannst, um herauszufinden, dass es noch weitere Möglichkeiten und Perspektiven gibt.

In der Aporie bedeutet dekonstruieren zwei Dinge. Zum einen, dir selbst zu erlauben, den Widerspruch hinter allem, was dich umgibt, zu entdecken. Zum anderen, zu akzeptieren, dass es jeden Tag Ideen gibt, die zwar im Kern gegensätzlich sind, die du aber dennoch akzeptieren kannst. Darüber hinaus ist es möglich, aus jedem dieser Ansätze zu lernen, selbst wenn diese unvereinbar sind. Letztendlich besteht das wichtigste Ziel in nichts anderem, als die Verwirrung zu erwecken, um über das Gegenteilige nachzudenken und es als einen weiteren Aspekt des Lebens zu akzeptieren.

Arten von Aporien

Heutzutage wird der Begriff Aporie häufig als Synonym für Schwierigkeiten verwendet. In diesem Fall repräsentiert er eine Sackgasse, eine Herausforderung ohne eine offensichtliche rationale Lösung. In der griechischen Philosophie hingegen war eine Aporie vielmehr ein Rätsel, eine Übung, die den Dialog, den Austausch von Ideen, Theorien und Wissensansätzen förderte.

Allerdings solltest du eine Aporie nicht als einen sinnlosen gordischen Knoten betrachten. Ganz im Gegenteil, dieser Zustand der Unsicherheit fördert das analytische Denkvermögen. Daher ist es wichtig, dass du die beiden bestehenden Typologien verstehst.

Argument-Aporie: Teil eines Zweifels

Der Ausgangspunkt dieser Art der Aporie ist stets eine Frage, die aufgeworfen wird. Sie dient häufig dem Zweck, andere zum Nachdenken darüber anzuregen, obwohl bereits bekannt ist, dass es keine klare Antwort darauf gibt. Das Ziel besteht in nichts anderem als der Förderung von Ideen und Argumentationen.

Interessanterweise beginnen die meisten Aporien immer mit Fragen. “Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?”, “Können wir immer das glauben, was unsere Augen sehen oder sehen wir die Dinge durch unsere persönlichen Interpretationen und Bewertungen?”, “Wurde die Farbe Orange nach der Frucht benannt oder anders herum?”

Tonale Aporie: Teil einer Meinung

In diesem Fall sucht man nicht den Dialog, sondern will die Wahrheit aufzwingen. Es ist, als ob man sich darauf beschränken würde, ausschließlich darauf hinzuweisen, dass “die Henne vor dem Ei” da war. Der Gedanke ruft weiterhin einen Widerspruch hervor, aber der Satz hat einen bestimmten Ton und will den anderen von einem Vorurteil überzeugen.

In allen Fällen wäre die angemessenste Aporie diejenige, die von einer Frage ausgeht. Nur so kann man den Dialog und die Reflexion fördern.

Abschließend lässt sich sagen, dass es eine unbestreitbare Tatsache jenseits der klassischen Metaphern gibt, die Platon und Aristoteles mit ihren Schülern durch rhetorische Fragen verwendeten. In unserer heutigen Welt verbreiten die Menschen gerne multiple Aporien. Die Politik, die Gesellschaft und die Welt der Werbung usw. hören nicht auf, die Öffentlichkeit mit ihren multiplen Paradoxien zu verwirren.

Es stimmt, dass wir aus unserer Position heraus nichts wirklich lösen können. Der Widerspruch ist manchmal kontinuierlich: Du kannst alle Positionen verstehen und trotzdem in Ratlosigkeit gefangen sein. Das Erkennen, Annehmen und Reflektieren dieser antagonistischen Universen kann das bereichern, was du bereits als die Weisheit des Widerspruchs kennst.

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  • Aguirre Santos, Javier. (2007) La aporía en Aristóteles. Libros b y k 1-2 de La Metafísica,. Camino al ser. Dykinson, 2007. 355 págs.
  • Kofman, Sarah (1983). “Beyond Aporia?”. In Benjamin, Andrew (ed.). Post-Structuralist Classics. London: Routledge. pp. 7–44.
  • Vasilis Politis (2006). “Aporia and Searching in the Early Plato” in L. Judson and V. Karasmanis eds. Remembering Socrates. Oxford University Press.