Amitriptylin: Wofür wird dieser Wirkstoff eingesetzt?

26. September 2019
Amitriptylin ist ein Antidepressivum und ein Schmerzmittel, welches zur Behandlung und Vorbeugung verschiedener Erkrankungen eingesetzt wird. Erfahre in unserem Artikel mehr über dieses Medikament.

Amitriptylin ist ein trizyklisches Antidepressivum und ein Schmerzmittel. Es wurde erstmals im Jahr 1960 entdeckt und wird seither unter verschiedenen Markennamen verkauft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt diesen Wirkstoff in ihrer Liste der essentiellen Medikamente, da es sehr wirkungsvoll und sicher ist.

Im Gegensatz zu anderen trizyklischen Antidepressiva wirkt Amitriptylin ähnlich wie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs). Daher ist dieser Wirkstoff eines der gebräuchlichsten Antidepressiva seiner Art.

Was wird mit Amitriptylin behandelt?

Amitriptylin ist zugelassen und empfohlen für die Behandlung und Vorbeugung einer Vielzahl von Erkrankungen:

  • Behandlung von Depressionen (bei Erwachsenen).
  • Behandlung von neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen wie beispielsweise Schmerzen bei Fibromyalgie und postherpetischer Neuralgie.
  • Vorbeugung chronischer Spannungskopfschmerzen bei Erwachsenen.
  • Prophylaxe von Migräne (bei Erwachsenen).
  • Behandlung nächtlicher Enurese (Bettnässen) bei Kindern, die älter als sechs Jahre alt sind. Allerdings wird dieses Medikament nur dann verordnet, wenn zuvor keine andere Behandlung angeschlagen hat.

Manchmal wird dieses Medikament auch zur Behandlung von Essstörungen oder sogar bei chronischem Schluckauf eingesetzt.

Amitriptylin - Frau

Wie auch bei der Einnahme anderer Psychopharmaka wird dir dein Arzt eine niedrige Anfangsdosis verschreiben. Diese wird dann im Verlauf der Behandlung langsam erhöht. Die Dosis ist abhängig davon, wie gut du das Medikament verträgst und wie die jeweilige Dosierung bei dir wirkt. Wenn du die Einnahme beenden willst, dann musst du die Dosis genauso langsam wieder herabsetzen.

Grundsätzlich wird das Medikament viermal täglich oral eingenommen. Die Wirkung ist am besten, wenn du jede Gabe zur gleichen Tageszeit einnimmst. Auf jeden Fall solltest du genau die Anweisungen deines Arztes befolgen.

Wirkungsweise

Als trizyklisches Antidepressivum hemmt Amitriptylin die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin an deinen Nervenenden.

Außerdem blockiert Amitriptylin die Ionenkanäle für Natrium, Kalium und NMDA (N-Methyl-D-Aspartat). Das erklärt, warum es auch bei neuropathischen Schmerzen wirksam ist und ebenso zur Vorbeugung von Migräne und chronischen Spannungskopfschmerzen geeignet ist.

Darüber hinaus hat es eine starke Wirkung auf alpha-adrenerge, muskarinische M1 und Histamin H1 Rezeptoren. Weiterhin hat es eine stärkere beruhigende und sedative Wirkung und blockiert Acetylcholin besser als andere trizyklische Antidepressiva. 

Üblicherweise dauert es zwei bis vier Wochen, bis die Wirkung des Medikaments eintritt. Allerdings tritt der beruhigende Effekt wesentlich schneller ein. Außerdem kann es bereits nach der ersten Einnahme vorkommen, dass du Nebenwirkungen des Wirkstoffes bemerkst.

Dein Verdauungssystem kann Amitriptylin sehr gut absorbieren. Sobald dies erfolgt ist, wandelt es sich in Nortriptylin um. Das ist der aktive Metabolit von Amitriptylin, der auch die Symptome von Depressionen lindern kann. Darüber hinaus hemmt er sehr gut die Wiederaufnahme von Noradrenalin.

Nebenwirkungen

Bei der Einnahme dieses Medikamentes kannst du ähnliche Nebenwirkungen bekommen, wie bei anderen Antidepressiva auch. Allerdings können zusätzlich noch einige anticholinerge Symptome auftreten. Nachfolgend nennen wir dir die häufigsten Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Amitriptylin beobachtet wurden:

  • Schläfrigkeit, Müdigkeit
  • Zittern
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Lethargie
  • Probleme beim Sprechen
  • Gereiztheit und Aggressionen
  • Herzrasen
  • Erhöhter Puls
  • Haltungsbedingte Hypotonie
  • Starkes Schwitzen oder Schweißausbrüche
  • Gewichtszunahme
  • Verschwommene Sicht, Sehstörungen
Amitriptylin - Kopfschmerzen

Wenn die Einnahme in hohen Dosen erfolgt, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass du Herzrhythmusstörungen und einen extrem niedrigen Blutdruck bekommst.

Allerdings können diese Nebenwirkungen auch bei schwächerer Dosierung auftreten, wenn du bereits unter Herzproblemen wie Herzblock, Herzrhythmusstörungen oder Erkrankungen der Herzkranzgefäße leidest. In diesem Fall wird dir dein Arzt vermutlich ein anderes Medikament verschreiben.

Außerdem solltest du Amitriptylin nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern (Monoaminooxidase-Hemmer) einnehmen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass du ein Serotonin-Syndrom erleidest. Es gibt zahlreiche Medikamente, die die Absorption und die Wirkungsweise von Amitriptylin beeinträchtigen oder stören können, daher solltest du unbedingt deinen Arzt darüber informieren, wenn du andere Medikamente einnimmst.

Wie bei der Einnahme jedes Medikamentes, ist es auch bei Amitriptylin wichtig, dass du sehr vorsichtig bist und die Anweisungen deines Arztes genau befolgst. Jeder Patient reagiert individuell auf dieses Medikament und jeder Mensch hat eine eigene Toleranzschwelle. Daher sind diese zwei Aspekte entscheidend dafür, in welcher Dosierung du diesen Wirkstoff einnimmst.

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