Affektive Vielfalt in der Schule und der richtige Umgang damit

12 März, 2021
Es gibt heterosexuelle, homosexuelle, bisexuelle und transsexuelle Kinder. Aus diesem Grund muss im Klassenzimmer grundsätzlich ein Klima der Akzeptanz herrschen, das alle affektiven und sexuellen Orientierungen einbezieht.

Infolge der sexuellen Befreiung und der Ablehnung fundamentalistischer Ideen sowie des Konservatismus leben wir heute in einer Gesellschaft, die mehr oder weniger große Fortschritte in Bezug auf die sexuelle und affektive Vielfalt gemacht hat. Auch wenn dies teilweise immer noch geleugnet wird, kann diese Realität in vielen Kontexten beobachtet werden: am Arbeitsplatz, auf der Straße oder in der Schule.

Um auf die Anforderungen dieser neuen Realität zu reagieren, stellen sich viele Lehrer und Erzieher die Frage, wie sie mit dieser veränderten Situation umgehen sollen. Sollte affektive Vielfalt im Unterricht thematisiert werden?

In dem didaktischen Leitfaden Die Liebe ist nicht einfarbig stellt die Federación de Enseñanza de CCOO alltägliche Situationen vor, die mit der Existenz von Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität und Heterosexualität in der Schule oder im Gymnasium zu tun haben. In diesem Kontext wird aufgezeigt, wie wichtig es ist, aufeinander zuzugehen. Darüber hinaus wird die Gleichheit von Mann und Frau betont, wobei auch auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten eingegangen wird. Außerdem geht es um die Bedeutung von Respekt, der unabhängig von sexueller Orientierung, Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht bestehen sollte.

affektive Vielfalt - Kinder im Unterricht

Versteht ein Kind seine Sexualität?

In den meisten Schulen wird sexuelle und affektive Vielfalt im Unterricht nach wie vor nicht thematisiert. Außerdem befürchten einige Eltern, die selber zu wenig Kenntnisse über diese Themen haben, dass das Sprechen über diese Vielfalt dazu führen könnte, dass ihre Kinder homosexuell, bisexuell oder transsexuell würden.

Obwohl einige Eltern sich dessen gar nicht bewusst sind, identifizieren Kinder ab dem zehnten Lebensjahr die Personen, zu denen sie sich hingezogen fühlen. Die Psychologin Asia Eaton enthüllt, dass eine Minderheit junger Erwachsener sich bereits im Alter von acht oder neun Jahren zum ersten Mal sexuell von anderen angezogen fühlt. Andere Studien deuten darauf hin, dass dies im Alter von 11 Jahren geschieht. Tatsächlich kann es bei Kindern im Alter von zwei Jahren zu Masturbation oder sexuellen Handlungen an sich selbst kommen.

Wenn sich Kinder fragen, was sie mögen und was nicht, ist es daher wichtig, auch im Unterricht auf sexuelle und affektive Vielfalt einzugehen. Dies wird nicht nur für Kinder einer sexuellen Minderheit hilfreich sein, sondern für alle. Aufklärung und Informationen sind mächtige Werkzeuge, um gegen Hass, Angst, Missbrauch und Ablehnung anzugehen.

Wie kann man affektive Vielfalt im Klassenzimmer einbeziehen?

In der Schule gibt es bereits affektive Vielfalt, allerdings häufig in negativer Form. Die Schule oder die Bildungseinrichtung sind oftmals das Spiegelbild einer populären Ideologie voller heterosexistischer Sprache. Dies zeigt sich beispielsweise in Witzen über eine homosexuelle historische Persönlichkeit oder wenn sich Kinder in der Pause gegenseitig als “Schwuchtel” bezeichnen, oftmals ohne die Bedeutung dessen überhaupt zu kennen. Oder, wenn sich Beispiele über Ehe und Partnerschaft ausschließlich auf heterosexuelle Paare beziehen.

Ein derartiges Verhalten, zu dem auch die allgemeine Unwissenheit vieler Lehrer und Eltern beiträgt, kann dazu führen, dass Kinder falsche Vorstellungen über affektive Vielfalt bekommen, was beispielsweise zu Problemen im Umgang mit LGTBIQ-Schülern führen kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche, die nicht der “heterosexuellen Norm” entsprechen, Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl und der Akzeptanz ihres eigenen Selbst bekommen.

In dem oben genannten didaktischen Leitfaden werden bestimmte Maßnahmen dargestellt, die eine Bildungseinrichtung ergreifen kann, um die sexuelle und affektive Vielfalt im Unterricht zu fördern. Nachfolgend findest du einige dieser Maßnahmen:

  • Alle Mitarbeiter in der Schule müssen auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Kinder lernen durch Zuschauen und Imitieren und ihre Vorbilder können der Koch, der Gärtner, die Lehrer in der Schule oder eine Krankenschwester sein.
  • Des Weiteren muss die affektive Vielfalt in die Lehrpläne der Schulen aufgenommen werden.
  • Außerdem muss es didaktische Aktivitäten zu Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität und Phobien in Bezug auf diese sexuellen Orientierungen geben.
  • Darüber hinaus muss auch die Information, Bildung und Ausbildung der Lehrer und der Schulleitung diesbezüglich verbessert werden.
  • Auch in Bibliotheken müssen informative Inhalte und Werke aufgenommen werden, die verschiedene Arten von Beziehungen widerspiegeln, nicht nur heterosexuelle Beziehungen.
  • Erstellung eines Maßnahmenkataloges zum Vorgehen bei Fällen von Homophobie, Transphobie oder Biphobie. Die Lehrer, Schüler und Eltern müssen verstehen, dass derartiges Verhalten im Unterricht ebenso wenig erlaubt ist wie im sonstigen Leben.

Affektive Vielfalt: “Herr Lehrer, ich mag Mädchen und keine Jungs”

Oft werden Lehrer zu einer Bezugsperson der Kinder und dies nicht nur in der Schule, sondern auch bei persönlichen Themen. Daher könnten sie die ersten und einzigen sein, die die wahre sexuelle Identität eines Kindes kennen.

Manchmal haben Kinder das Gefühl, dass sie ihre Eltern enttäuschen würden und dass diese wütend werden könnten, wenn sie sich anders oder seltsam fühlen. Daher haben sie oft das Gefühl, dass ihr Lehrer der einzige ist, dem sie vertrauen können.

Was kann der Lehrer in diesem Fall tun?

Einige Tipps aus dem oben erwähnten didaktischen Leitfaden:

  • Zuerst einmal solltest du dem Kind aktiv zuhören und Verständnis für seine Angst und seinen Stress zeigen. Obwohl ein Lehrer viele Aufgaben hat, ist dies eine wichtige Angelegenheit für das betroffene Kind. Daher solltest du diesen Mut anerkennen und ihm deine Aufmerksamkeit schenken. Da dies für das Kind ein sehr wichtiges Thema ist, solltest du es ebenfalls ernst nehmen.
  • Wenn du auf ein derartiges Gespräch nicht vorbereitet bist oder nicht weißt, wie du dich verhalten sollst, solltest du das Kind an jemanden weitervermitteln, der dazu in der Lage ist, dieses Gespräch zu führen. Es handelt sich um ein wichtiges Thema und daher darfst du es keinesfalls ignorieren.
  • Werde zu einem Verbündeten für das Kind. Ein Lehrer ist eine Autoritätsperson, jemand, der bestrafen oder belohnen kann. Wenn das Kind die Erfahrung macht, dass es nicht bestraft wird und nicht verraten wird, ist dies sehr hilfreich. Außerdem ist dies eine gute Lernerfahrung für das Kind. So kann es verstehen, dass seine sexuelle Orientierung nicht schlecht ist, sondern einfach so, wie sie ist.
  • Beobachte auch die schulischen Leistungen und das Verhalten des Kindes. Denn all das gibt dir einen Hinweis darauf, wie es sich fühlt.
  • Du als Bezugsperson solltest die sexuelle und affektive Vielfalt befürworten und unterstützen. Denn du bist die erste Person, die bestätigt, wie sich das Kind fühlt und eine Reaktion zeigt, die den Erwartungen des Kindes (Wut, Enttäuschung, Traurigkeit) widerspricht, indem du verständnisvoll darauf reagierst.
affektive Vielfalt - verzweifelter Junge

Fazit: Es sind umfassende Veränderungen erforderlich

Der Einbezug der sexuell-affektiven Vielfalt im Unterricht sollte in jeder Schule erfolgen. Es reicht nicht aus, ein paar Workshops über affektive Vielfalt in den Lehrplan aufzunehmen. Schulen sollten ein Ort der Akzeptanz für alle Schüler sein.

Daher muss sich die Sprache ändern und Stereotypen über ein sexuelles Kollektiv müssen vermieden werden. Stattdessen ist ein natürlicher Umgang mit derartigen Themen erforderlich. Darüber hinaus empfehlen sich Aktivitäten, die nicht nur theoretisch, sondern auch lehrreich sind. Diese Aktivitäten bringen die Schüler dazu, sich zu beteiligen und erhöhen und erhalten ihre Motivation.