ACT bei Angststörungen: Wenn die Expositionstherapie nicht ausreicht

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie kann bei Angststörungen sehr effektiv sein. Erfahre mehr zum Thema.
ACT bei Angststörungen: Wenn die Expositionstherapie nicht ausreicht

Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2021

Die ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie) kommt bei Angststörungen vielfach zum Einsatz. Da es sich um eine Krankheit handelt, an der immer mehr Menschen leiden, ist es besonders wichtig, über effiziente Therapien zu verfügen, um Betroffenen zu helfen, ihre Ängste zu überwinden.

Wenn eine Expositionstherapie nicht ausreicht, ist ACT in vielen Fällen eine hilfreiche Option. Das Ziel dieser Therapie ist, Betroffene zu ermutigen, ihr Leben zu meistern und unangenehme Gefühle und Gedanken zu akzeptieren und zu beobachten, damit sie nicht ihren Alltag bestimmen.

Angst ist der Schwindel der Freiheit.

Søren Kierkegaard

ACT gegen Angst

Diese Therapie zielt darauf ab, Menschen zu helfen, ihre Einstellung zum Leben zu ändern. Sie erreichen dies, indem sie ihre Schmerzen reduzieren und gleichzeitig ihre Vitalität und ihren Wunsch sich weiterzuentwickeln stärken. Es geht darum, Betroffenen zu helfen, durch ihnen wichtige Ziele in die Zukunft zu blicken.

Patient und Therapeut besprechen, bewerten und arbeiten daran, welche Schritte wichtig sind. Sie analysieren, welche Umstände die leidende Person von ihren Zielen und Wünschen abhalten. Es darf jedoch keine Dissonanz mit ihren Werten vorhanden sein.

Eine schlafende Frau.

ACT, um Angst durch spezifische Ziele zu überwinden

  • Sich selbst und andere akzeptieren und negative Gedanken, Erinnerungen usw. verarbeiten. Die betroffene Person muss akzeptieren, was sie erlebt, wenn sie adaptiv handeln möchte. Sie muss beispielsweise einen Verlust verarbeiten, einen Trauerprozess durchlaufen oder spezifische Ängste überwinden. Wenn sie ihre Schwächen als Chancen und Herausforderungen erkennt, kann dies sehr hilfreich sein.
  • Des Weiteren ist es wichtig, die Prioritäten der Wünsche und Bedürfnisse festzulegen. Unabhängig von der Angststörung ist in der Therapie die Bearbeitung der jeweiligen Werte der Person nötig.
  • Die Patienten müssen sich dazu verpflichten, entsprechend der vereinbarten Ziele zu handeln. Nach der Identifizierung der Werte, müssen sie entsprechende Maßnahmen ergreifen (das Wohl des Kindes, das Erreichen eines beruflichen oder akademischen Ziels oder die Selbstbereicherung). Die Therapie muss auf die vorgegebenen Werte hinarbeiten – egal ob diese Teil der Störung sind oder nicht.

Das zentrale Problem kognitiver Verhaltenstherapien

Wenn andere Therapien nicht helfen können, kommt die Akzeptanz- und Commitment-Therapie häufig zum Einsatz. Die betroffene Person soll lernen, ihre Angstmomente zu bewältigen und erhält zu diesem Zweck verschiedene Werkzeuge.

In der Therapie kommen sokratische Diskussionen in Kombination mit der kognitiven Umstrukturierung zum Einsatz, um Automatismen zu verbessern, die auf dysfunktionalen oder irrationalen Gedanken aufbauen. Das ultimative Ziel ist nicht, die Angst zu stoppen, sondern sie zu verarbeiten und zu akzeptieren. Dadurch verändert sich die Beziehung zu bestimmten Ereignissen und schließlich können Ängste reduziert werden.

Expositions- und Reaktionsverhütungsprävention (ERP)

Es gibt eine Technik, die speziell zur Reduzierung von Angstzuständen und zur Einleitung von Gewöhnungsprozessen und Realitätstests zum Einsatz kommt. Es handelt sich um die Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP), die darauf abzielt, jene Verhaltensweisen zu eliminieren, die die Angst in erster Linie mental oder faktisch auslösen und sie im Laufe der Zeit verlängern.

Das Problem mit der Expositions- und Reaktionsverhütungsprävention ist, dass sie zwar eine klinisch signifikante Auswirkung auf diejenigen hat, die sich dieser Therapie unterziehen, aber es handelt sich auch um eine Technik mit hohen Ablehnungs- und Abbrecherquoten. Ungefähr 25 Prozent brechen ab und zwischen 5 und 22 Prozent verweigern die Exposition. Das liegt daran, dass diese Technik intensive und unangenehme Gefühle erzeugen kann, die anderen Säulen des Patienten, wie Motivation und soziale Unterstützung, viel Energie abverlangen.

So ist die ACT bei einer Angststörung, die als erfahrungsbedingte Vermeidungsstörung identifiziert wird, eine gute Option, wenn die Behandlungen mit anderen Methoden nicht erfolgreich ist.

ACT zur Behandlung von Angstzuständen

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie schlägt eine Intervention mit spezifischen Elementen vor. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Akzeptanz auch bedeutet, das zu akzeptieren, was nicht geändert werden kann – oder zumindest nicht in diesem Moment – und eine Verbesserung in jenen Facetten des Lebens zu erreichen, in denen es Handlungsspielraum gibt. Akzeptanz ist gleichbedeutend mit dem Erleben von Ereignissen, ohne sich zu wehren, ohne zu denken, ohne auszuweichen.

Eine träumende Frau.

Dies sind die Elemente, die Eifert und Forsyth (2014) in der ACT zur Behandlung von Angststörungen als nützlich skizzieren:

  • Reframing des klinischen Kontexts. Das große Problem der traditionellen Therapie ist, dass sie die Symptomreduktion von einem erfüllten Leben abhängig macht. Wenn es nicht möglich ist, die mit der Angst zusammenhängenden Symptome zuerst zu reduzieren, ist eine Verbesserung der Lebensqualität unwahrscheinlich. In der ACT ist die Dynamik nicht dieselbe, die Symptomunterdrückung ist irrelevant für das Erreichen der Ziele.
  • Flexiblere Behandlungsziele und Vorgaben. Das Ziel ist viel weiter gefasst, während es sich normalerweise um konkrete Ziele handelt, die Traurigkeit oder Ohnmacht hervorrufen können, wenn sie nicht erreicht werden. Das Ziel der ACT ist, jene Lebensweisen zu beenden, die die Person von ihren Werten entfremden.
  • Rekontextualisierung der Exposition. Die Exposition erfolgt mit Nuancen. Das unmittelbare Ziel der Exposition ist nicht die Reduktion der Angst, obwohl die verwendeten Mechanismen dazu führen. Möglicherweise hat sich die Angst nicht verringert, aber die Therapie war erfolgreich.
  • Mittel der Datenerhebung. Die Verwendung von unstrukturierten, nicht-diagnostischen klinischen Interviews ist zu befürworten. Die Etikettierung als die eine oder andere Störung ist ein zweischneidiges Schwert, das zu Vorurteilen und Stigmatisierung führen kann. Viele in der Therapie zu behandelnden Dinge sind keine Störung an sich, sondern ein Muster, das zu diesem Zeitpunkt dysfunktional ist. Darüber hinaus befasst sich die ACT mit den wesentlichen und allgemeinen Prozessen abnormaler Erfahrungen von Angst und Furcht und nicht mit spezifischen, ausgeprägten Störungen.

Ist ACT bei Angstzuständen sinnvoll?

ACT ist eine therapeutische Variante, die bei der Behandlung von Angststörungen sinnvoll sein kann. Gleichzeitig ist es eine komplizierte Methode, bei der Komponenten wie die kreative Hoffnungslosigkeit, Akzeptanz und Bereitschaft der Patienten sowie die Experimentierfreudigkeit im Verhältnis zum Kontrollbedürfnis berücksichtigt werden müssen. Es kommen oft Fragebögen wie der AAQ oder der WBSI zum Einsatz, um eine Bewertung zu realisieren.

Studien zur Akzeptanz- und Commitment-Therapie bei Angstzuständen scheinen vielversprechend. Wie dem auch sei, es handelt sich um eine Therapie, die versucht, die Probleme der Expositions- und Reaktionsverhütungsprävention zu lösen, ohne jedoch auf die Wirksamkeit dieser Methode zu verzichten. Es ist also ein Beispiel dafür, wie sich alle therapeutischen Ströme addieren können, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

In diesem Fall geht es um die Verbesserung der Lebensqualität der Person, ohne die Angst direkt anzugreifen. Sie wird durch die erzielten Veränderungen reduziert.

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  • Eifert, G.H. y Forsyth, J. (2014). El equilibrio entre aceptación y cambio (cap. 5). En: La terapia de aceptación y compromiso para trastornos de ansiedad. Bilbao: Ed. Mensajero.