Mangelndes Leseverständnis: ein besorgniserregender Trend

Ein gutes Leseverständnis ist die Grundvoraussetzung für jede Lektüre, den Erwerb für Wissen und die persönliche Weiterentwicklung.
Mangelndes Leseverständnis: ein besorgniserregender Trend
Gema Sánchez Cuevas

Geprüft und freigegeben von der Psychologe Gema Sánchez Cuevas.

Geschrieben von Estefania Grijota Duran

Letzte Aktualisierung: 13. Dezember 2022

Das neue Jahr steht vor der Tür – ein besonders guter Zeitpunkt, um dein Selbst zu erforschen, dein Wissen zu erweitern und deine Überzeugungen und Ziele zu hinterfragen. Zweifellos gibt es sehr bereichernde Bücher, die dir dabei helfen. Es gibt keinen besseren Weg, als zu lesen, um nicht nur die Außenwelt, sondern auch die Innenwelt in einem neuen Licht zu sehen. Doch wie schaut es mit dem Leseverständnis aus? Dies ist natürlich die Grundvoraussetzung für jede Lektüre.

Die Lektüre macht nur Spaß, wenn man alle Nuancen des Buches versteht und auch fähig ist, zwischen den Zeilen zu lesen. 

Frau hat gutes Leseverständnis und genießt die Lektüre

Skim Reading: schnelles Lesen ohne etwas zu verstehen

In der Nacht zum 24. Dezember gibt es wieder Geschenke unter dem Christbaum: ipads, Tablets, Smartphones, Videospiele… elektronische Geräte verweisen das klassische Buch auf den zweiten Platz der beliebtesten Geschenke. Lesen liegt trotzdem immer im Trend, allerdings müssen wir uns Sorgen um das Leseverständnis junger Menschen machen.

Ziming Liu, Doktor der Philosophie und Professor an der San Jose State University (Kalifornien), hat mehrere Studien über eine Praxis durchgeführt, die in der englischsprachigen Welt als “skimming” bezeichnet wird, was mit “Blättern” übersetzt werden kann.

In einer seiner Forschungsstudien aus dem Jahr 2005 mit dem Titel “Reading Behavior in the Digital Environment: Changes in Reading Behavior Over the Past Ten Years” (Leseverhalten im digitalen Umfeld: Veränderungen des Leseverhaltens in den letzten zehn Jahren) kam Liu zu folgendem Schluss: Das digitale bildschirmbasierte Leseverhalten ist dadurch gekennzeichnet, dass mehr Zeit für das Scannen und Überfliegen, die Erkennung von Schlüsselwörtern, das einmalige, nicht-lineare und selektive Lesen verwendet wird, während weniger Zeit für das vertiefte und konzentrierte Lesen übrig bleibt.

Außerdem beobachteten Wissenschaftler einen erheblichen Rückgang der anhaltenden Aufmerksamkeit für den Text.

Diagonales Lesen, der häufigste Trend bei Jugendlichen

Das diagonale Lesen ist eine bewusst eingesetzte Methode, bei der man die erste Zeile eines Absatzes liest und, ohne sich auf ein bestimmtes Wort zu konzentrieren, von der linken Seite diagonal nach rechts schaut. Ähnlich wie “Skimming”: Der Verstand bleibt nur bei den Wörtern stehen, die am meisten auffallen.

Und das ist die häufigste Tendenz junger Menschen. Eine schnelle Art des Lesens, die es ihnen ermöglicht, bestimmte Konzepte, die sie auf einen Blick in einem Buch gesehen haben, zu assimilieren und sich zu eigen zu machen, als hätten sie den gesamten Kontext, dem sie entnommen sind, wirklich verstanden.

Eine Art des “Lesens”, die für Patricia Greenfield, Psychologin an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, der eigentlichen Natur des Lesens zuwiderläuft. Sie stellt in ihren Berichten klar, dass das Lesen ein Umfeld und bestimmte Phasen benötigt, die förderlich und grundlegend sind, damit es in Wissen gipfelt. Und wenn wir eine Phase davon auslassen, ist das Ergebnis unvollständig und in vielen Fällen sogar falsch.

Aber warum tun wir das, wenn wir doch wissen, dass wir manchmal lesen, ohne zu verstehen, und dass wir uns in unseren Schlussfolgerungen irren können?

Jugendliche haben ein schlechteres Leseverständnis, da sie Bildschirmgeräte nutzen

Mangelndes Leseverständnis, Angst und Unruhe

Die Kultur der Unmittelbarkeit, in die wir in den vergangenen Jahren eingetaucht sind, ist ein Konzept, das eng mit der Technologie verbunden ist. Wir wollen alles schnell und sofort. Das Problem ist jedoch, dass das Lesen Konzentration, Gelassenheit und Geduld erfordert, um bestimmte Konzepte oder Ausdrücke in einem Text und den Gesamtzusammenhang zu verstehen.

Eine Studie, die 2012 in der Zeitschrift Child Psychiatry Human Development veröffentlicht und von Fachpsychologen der Universität Houston (Texas) durchgeführt wurde, untersuchte den Einfluss von Angst auf die Lesegewohnheiten von Grundschulkindern in den Vereinigten Staaten und kam zu dem Schluss, dass die Leistung sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen erheblich nachgelassen hat. Die Studie weist darauf hin, dass Angst, vor allem im Zusammenhang mit Technologie, sich negativ auf das Leseverständnis und die schulischen Leistungen auswirkt.

Lesen ist ein Prozess, bei dem wir uns nicht nur der Herausforderung stellen, die Wörter oder Satzzeichen in einem Text zu verstehen. Wir müssen in der Lage sein, das Gelesene umfassend und perspektivisch zu erfassen: den historischen Kontext oder die Zeit, in der ein Buch geschrieben wurde, sowie die Verwendung der Sprache im wörtlichen oder übertragenen Sinne, die Botschaft, die der Text vermittelt und was zwischen den Zeilen steht.

“Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.”

Heinrich Heine

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  • Grills-Taquechel, A.E., Fletcher, J.M., Vaughn, S.R. et al. Anxiety and Reading Difficulties in Early Elementary School: Evidence for Unidirectional- or Bi-Directional Relations?. Child Psychiatry Hum Dev 43, 35–47 (2012).

  • Reading Behavior in the Digital Environment: Changes in Reading Behavior Over the Past Ten Years
    December 2005Journal of Documentation


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