7 Zitate von Piaget über die Kindheit und das Lernen

· 18. Februar 2019

Jean Piaget war ein bekannter konstruktivistischer Psychologe, der in den Bereichen der Kinderpsychologie und des Lernens tätig war. Seine Studien und Forschungen waren sowohl für die Evolutionspsychologie als auch für die moderne Pädagogik von großer Bedeutung. Und Zitate von Piaget sind ein klares Beispiel für seine Leidenschaft für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Piaget hatte selbst Kinder, von denen er viel lernte. Er hatte ihr Wachstum beobachtet. Basierend auf seinen Beobachtungen erstellte er eine Theorie über Intelligenz und die Stadien der kognitiven Entwicklung bei Kindern. Wir haben sieben Zitate von Piaget ausgewählt, die sich auf jene beiden Themen beziehen, für die er sich besonders interessierte: Kindheit und Lernen. Lass uns einen Blick auf sie werfen!

1. Die Wichtigkeit, nicht immer dasselbe zu tun

„Das Hauptziel der schulischen Bildung sollte darin bestehen, Männer und Frauen zu schaffen, die in der Lage sind, Neues zu tun, und nicht einfach nur zu wiederholen, was andere Generationen bereits getan haben.“

Was nützt es, zu wiederholen, was andere bereits getan haben? Piaget kritisierte das zeitgenössische Bildungssystem, ohne eine Hand vor den Mund zu nehmen. Und er würde es wohl weiterhin tun, würde er noch unter uns weilen.

In welchen Schulen fördern Schulleitung und Lehrer das kritische Denken? Die Antwort ist wahrscheinlich sehr ernüchternd. Die meisten Lehrkräfte konzentrieren sich auf den vorgegebenen Lehrplan und unterrichten so, dass die Schüler am Ende lediglich standardisierte Tests bestehen können.

Junge Menschen verbringen viele Stunden damit, ihren Lehrern zuzuhören. Sie machen Übungen und lernen die langweiligen Inhalte des Lehrplans auswendig. Alles wird nur ins Gedächtnis eingehämmert, damit es während der Prüfung wieder abgerufen werden kann. Es findet kein „richtiges“ Lernen statt, kein kritisches Denken, keine Argumentationen, niemand fragt irgendetwas. Wollen wir das wirklich?

Ein Mädchen mit Wissensdurst hält Bücher vor einer Tafel.

2. Die wahre Bedeutung von Bildung

Bildung bedeutet für die meisten Menschen, dass sie versuchen, das Kind wie einen für seine Gesellschaft typischen Erwachsenen aussehen zu lassen. Aber für mich sollten Bildungseinrichtungen kleine Schöpfer hervorbringen. Sie müssen die Kinder zu Erfindern, Innovatoren und Nonkonformisten machen.“

In unserer Kindheit hören wir ständig Dinge wie „Höre auf, herumzuspringen!“  oder „Benimm dich wie ein großer Junge!“Wir sollen nicht wie Kinder sein. Man zwingt uns, vorzeitig erwachsen zu werden. Man möchte, dass wir unser Leben entsprechend gültiger Normen im Automatismus leben.

All dies begrenzt uns und verhindert, dass wir individuell hervorstechen, uns entwickeln können. Wie Piaget sagte, sollte Bildung nonkonformistische und kreative Erwachsene mit neuen Ideen hervorbringen. In der Realität jedoch beobachten wir das Gegenteil.

3. Kinder können Neues entdecken

Wie können wir mit unseren erwachsenen Köpfen wissen, was für ein Kind interessant sein könnte? Wenn du diesem Gedanken folgst, kannst du etwas Neues entdecken.“

Dieses Zitat spiegelt das Interesse von Piaget an der Welt der Kinder wider. Und vor allem seine große Bewunderung für sie. Piaget wusste, dass wir dank Kindern Neues lernen können.

Kinder sind noch nicht von der Gesellschaft ruiniert worden. Sie sind frei, kreativ, einfallsreich und neugierig. Mit zunehmendem Alter verlieren sie – wie wir – jedoch das Interesse, die Welt zu entdecken. Wir versinken dann in einer Reihe von Paradigmen, die uns einschränken und ersticken. Vielleicht sollten wir etwas von den Kleinen lernen.

4. Der Lehrer ist kein Redner

Wir möchten, dass der Lehrer aufhört, als Redner zu agieren, der mit der Weitergabe von vorgefertigten Lösungen zufrieden ist. Seine Rolle sollte eher die eines Ideengebers sein, der Initiative in den Köpfen junger Menschen stiftet.“

Viele Lehrer gehen in ihre Klassen, erklären den Schulstoff, ordnen Hausaufgaben an und fahren mit der nächsten Lektion fort. Dies ist nicht die wahre Aufgabe eines Lehrers. Seine Rolle sollte aktiver sein. Er sollte stärker in die Ideen seiner Schüler einbezogen werden bzw. sich einbeziehen lassen.

Piaget sagte auf eine sehr kluge Art und Weise, dass der Lehrer die Initiative der Schüler fördern sollte, um ihre Neugier zu stärken. So lernen Kinder wirklich.

Kinder lernen anders als wir gemeinhin annehmen

5. Spielen ist Arbeit für Kinder

„Spielen ist ein Kinderspiel.“

Dies ist ein weiteres der Zitate von Piaget, in denen es um die Kindheit geht und darum, wie wichtig das Spielen für die Entwicklung eines Kindes ist. Aus diesem Grund ist es essenziell, das Spiel junger Leute zu fördern, anstatt Einschränkungen aufzuerlegen und mit Verboten um sich zu werfen. Ja, das Spielen ist ein Kinderspiel. Es ermöglicht Kindern, zu lernen, wer sie als Individuen und in einer Gruppe sind.

6. Lass Kinder die Welt entdecken

„Wenn du einem Kind etwas beibringst, nimmst du ihm die Chance, es selbst zu entdecken.“

Erwachsene verfügen bereits über viele Informationen, Kinder jedoch nicht. Sie haben noch sehr viel zu lernen und es ist nicht immer die Aufgabe der Erwachsenen, den Kindern alles beizubringen und vorzusagen. Man muss ihnen erlauben, die Welt auf eigene Faust zu entdecken, Fragen zu stellen und auf ihre Art zu experimentieren.

7. Lass einen Teil von dir kindlich bleiben

Wenn du kreativ sein willst, lass dich selbst ein Kind sein. Sei ein Kind mit der Kreativität und dem Erfindungsreichtum, die Kinder auszeichnen, bevor die Gesellschaft sie verändert.“

Möchtest du deine Kreativität steigern? Möchtest du deine Erfindungsfähigkeit erhöhen? Wenn ja, lass einen Teil von dir noch etwas kindlich sein. Kinder sind frei, da die Gesellschaft ihre Sicht auf die Welt noch nicht verändert hat. Und auch du kannst diese Freiheit für dich beanspruchen.

Frau vor einer Wand voller Ideen

Diese Zitate von Piaget lassen uns darüber nachdenken, wie oft wir über uns selbst urteilen und uns selbst einschränken. Warum sind wir nicht kreativer und neugieriger? Vielleicht sollten wir uns unsere Kinder und Jugendlichen ansehen und anfangen, das zu verlernen, was wir gelernt haben, und was uns Tag für Tag beschränkt.

Alle Zitate von Piaget spiegeln seine Perspektive wider, seine Art, die Welt und speziell die Kinder wahrzunehmen. Er kritisierte viel in Bezug auf die Bildung und das Lernen, und wir hoffen, dass wir auch in dieser Hinsicht dazulernen und unser Bildungssystem nach und nach an die Realität anpassen können.