Kreativität hängt davon ab, woher du kommst

26. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Kreativität - bunte Glühbirne

Mit dem Aufstieg der „Creative Class“ versuchen viele Unternehmen, aus Fantasie und Innovation Kapital zu schlagen. Aber wenn es um Kreativität geht, zeigen einige Gesellschaften eine schnellere Entwicklung als andere,  denn Kreativität steht mit Kultur in Verbindung. Zumindest ist es das, was neue Forschungen der University of Concordia in Montreal (Kanada) vermuten lassen.

Die jüngste Studie, die im Journal of Business Research  veröffentlicht wurde, verglich fast 300 Taiwanesen, Angehörige einer kollektivistischen Gesellschaft, mit Kanadiern, einem individualistischer geprägten Land. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die zu individualistischen Gesellschaften gehören, mehr Ideen entwickeln als ihre kollektivistischen Kollegen. Die Vergleiche hinsichtlich der Bewertung der Kreativität erfolgten dabei unter den gleichen Bedingungen.

Viele Menschen überqueren eine Straße

Die Forscher spekulieren, dass ein Land, das Individualismus fördert, ein Umfeld schafft, in dem kreative Gedanken eher erlaubt sind, eher als erwünscht gelten. „Brainstorming wird oft als Werkzeug verstanden, um Kreativität abzurufen, also haben wir die Studienteilnehmer ein solches Brainstorming durchführen lassen. Für diese Aufgabe wurden für die jeweilige Gesellschaft neutrale Reize als Themen gewählt“, erklärt Gad Saad. Saad ist Professor an der John Molson School of Business der University of Concordia. Er ist zudem Co-Autor der genannten Studie.

Über den Tellerrand schauen

Saad und seine Kollegen glauben, dass Mitglieder einer individualistischen Gesellschaft besonders Aufgaben, die das Denken über den Tellerrand hinaus erfordern, besser erledigen können. Andererseits wären die Mitglieder einer kollektivistischen Gruppe weniger bereit, solche Gedanken zu entwickeln. Sie würden eher zögern, aus der Gruppe hervorzustechen.

Die Forscher rekrutierten Studenten von zwei Universitäten, insbesondere aus Taipeh (Taiwan) und Montreal (Kanada). Sie sammelten die folgenden Daten:

  • Die Anzahl der generierten Ideen.
  • Die Qualität der Ideen, bewertet durch unabhängige Richter.
  • Die Anzahl der negativen Aussagen in wie „Das ist eine dumme Idee“  oder „Ich denke, es wäre ein Fehler“.
  • Dabei wurden negative Aussagen auch qualitativ bewertet: „Das ist eine dumme Idee“  ist weniger negativ als „Das ist die dümmste Idee, die ich je gehört habe“.
  • Das Vertrauen der Teilnehmer in die eigene Gruppe, das sich zeigte, als sie gebeten werden, ihre Leistung im Vergleich zu anderen Teams zu bewerten.

„Die Studienergebnisse sind weitgehend im Einklang mit unseren Hypothesen“, sagt Saad. Der Forscher erklärte, dass die Individualisten mehr Ideen generiert und mehr negative Aussagen gemacht haben. Die kanadische Gruppe zeigte sich auch zuversichtlicher als ihre taiwanesischen Kollegen.

„Wenn es um die Qualität der produzierten Ideen geht, waren die Ideen der Kollektivisten besser als die der Individualisten.“

Saad erklärt, dass diese Resultate ein weiteres wichtiges kulturelles Merkmal kollektivistischer Gesellschaften aufzeigen: Reflexion wird hochgeschätzt. Individualisten sind handlungsorientiert und denken nicht lange nach, bevor sie handeln.

Kind als Pilot

Studien wie diese sind grundlegend für das Verständnis kultureller Unterschiede. Das wird immer wichtiger, da die Welt immer weiter zusammenwächst, auch wenn einzelne Personen das mit aller Gewalt zu verhindern suchen. „Um die Produktivität internationaler Teams zu maximieren, müssen globale Unternehmen auf kulturelle Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Denkweisen eingehen“,  sagt Saad dazu.

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