7 Mythen über Polyamorie

11. September 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Zeichnung von drei Figuren, die sich umarmen.

Es gibt viele Mythen über Polyamorie. Und leider glauben auch viele Menschen, dass diese wahr wären. Studien zeigen jedoch, dass 5 % der Menschen in Nordamerika in nicht monogamen Beziehungen sind. Daher ist es wichtig, sich ein wenig Mühe zu geben, klare Antworten auf bestimmte Fragen zu diesem Thema zu finden.

Oscar Wilde sagte bekanntlich, dass „sich selbst zu lieben der Beginn einer lebenslangen Romanze“  sei. Ist es also möglich, diese Liebe mit mehr als einer Person zu teilen? Und kann diese geteilte Liebe romantische Liebe sein und damit anders als die Liebe, die man für Geschwister oder Eltern empfindet? Oder ist Polyamorie selbst tatsächlich der größte Mythos? Werfen wir doch einen Blick darauf.

„Ich habe alles durchgemacht und nichts funktioniert besser, als jemanden zu haben, den du liebst.“

John Lennon

Mythen über Polyamorie

Wie bereits am Anfang erwähnt, gibt es viele Vorstellungen von Polyamorie, die im kollektiven Bewusstsein und in unserem Unbewussten verankert sind. Die meisten dieser Ideen sind Mythen. Tatsächlich haben wir in den letzten Jahren immer mehr angezweifelt, dass der Mensch von Natur aus monogam leben könnte.  Zum Beispiel glaubt Dr. Eric Anderson, dass Monogamie beim Menschen nichts anderes als eine kulturelle Norm sei.

Eine Gruppe von jungen Menschen liegt auf dem Fußboden.

Lasst uns also einige dieser Mythen entzaubern. Da ist zum Beispiel jene Annahme, dass jemand, der polyamor ist, immer noch einen primären Liebhaber habe. Er führe eine „normale“ Beziehung, sehe aber zusätzlich andere Menschen. Der Psychologe Bjarne Holmes glaubt, dass dies ein Mythos sei. Denn laut seiner Forschung gelte dies nur für weniger als ein Drittel der Beziehungen zwischen drei oder mehr Menschen. In der Tat folgen die meisten polyamoren Beziehungen keiner auffälligen Hierarchie. Es gibt keine primären oder sekundären Liebhaber.

Menschen seien von Natur aus monogam

Hier handelt es sich um einen weiteren Mythos, so Judit Eve Lipton und David P. Barash. In mehreren Büchern zu diesem Thema argumentieren sie, dass die menschliche Natur entgegen der landläufigen Meinung nicht der Monogamie entspreche.

Die beiden Wissenschaftler glauben, dass Menschen damit gegen ihre Natur verstoßen. Es scheint, dass wir, wie die meisten anderen Tiere, polygam seien. Wir versuchen jedoch, eine exklusive Beziehung aufrechtzuerhalten, auch wenn dies nicht unserer wahren evolutionären Neigung entspreche.

Nur unzufriedene Menschen führen polyamore Beziehungen

Dies ist eine weitere falsche Annahme, die Psychologen wie Melissa Mitchell gern demontieren. In der Tat glaubt die Psychologin, dass dies ein völlig unbegründetes Vorurteil wäre. Zumindest leitet sie das von ihren Forschungsergebnissen ab.

Die Suche nach einem zweitem oder drittem Partner habe nichts mit der Unzufriedenheit mit dem ersten zu tun. In der Tat werden Teilbeziehungen der Polyamorie in der Regel ziemlich unabhängig voneinander geführt.

Menschen, die polyamore Beziehungen führen, haben psychische Probleme

Lasst uns einem anderen Mythos über Polyamorie auf den Grund gehen. Wenn wir im Sinne von Tristan Taormino argumentieren, dann sehen wir, dass polygame Beziehungen nicht mehr oder weniger dysfunktional sind als monogame. Taormino zieht diese Schlussfolgerung aus einer Reihe von Studien, die standardisierte psychologische Tests beinhalten.

Tatsächlich zeigen Studien, dass Menschen, die zu offenen Beziehungen neigen, kreativer und weniger konformistisch sind. Mit anderen Worten, diese Menschen werden von Komplexität, Erfindungen, unkonventionellen Ideen und Chaos angezogen. Aber sie zeigen keine Anzeichen von psychologischen Problemen.

Zwei Paare sitzen entspannt auf einer Couch.

Polyamorie sei schlecht für Kinder

Dies ist ein weitere Vorstellung, die leicht zu entlarven ist. Viele Menschen denken, dass diese Beziehungen besonders schädlich für Kinder seien. Sie glauben, dass die Kleinen sich in einem von Polyamorie geprägten Umfeld sich nicht richtig entwickeln könnten.

Um diese Frage zu beantworten, interviewte Professor Elizabeth Sheff Kinder in polyamoren Familien. Die Kinder waren zwischen 5 und 17 Jahre alt. Das Ergebnis? Für Kinder ist Polyamorie nicht schädlich, sondern hat Vorteile. Die Erwachsenen haben mehr Hilfe, um auf die Kinder aufzupassen, und die Kinder haben immer einen Bezugsperson, um mit dieser zu spielen und sich ihr anzuvertrauen.

Nur verwirrte Menschen seien polyamor

Schauen wir uns eine weitere These von Tristan Taormino an. Sie kommt zu dem Schluss, dass nicht-monogame Menschen nicht verwirrt seien und keine Angst vor Bindungen haben. Tatsächlich sei das Gegenteil der Fall. Leute, die Polyamorie praktizieren, haben meistens sehr genaue Vorstellungen von dem, was sie wollen und wie sie es wollen.

Polyamorie sei nur eine Entschuldigung, um promiskuitiv zu sein

Dies ist ein weiterer Mythos, den Taormino in ihrem Buch entlarvt. Diesmal geht es ihr um die Idee der Promiskuität. Taormino sagt, dass an einem aktiven Sexleben zwischen zwei oder mehr Menschen nichts wirklich falsch sei.

Glauben wir jetzt, was andere Leute über Polyamorie sagen? Die Wissenschaft hat schon viele dieser lang gehegten Vorurteile zerlegt und öffnet die Tür für Diskussionen. Die Wahrheit ist, dass viele Wissenschaftler glauben, dass es Grund zu der Annahme gebe, dass Menschen problemlos in der Lage seien, mehr als eine Person zu lieben – und dass das eher der Fall wäre, als Jahrzehnte bei einem einzigen Partner zu bleiben.

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