6 Formen des Sexismus

24. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Eine Männerhand liegt auf der Schulter einer Frau, während sie an einem Schreibtisch sitzt.

Sie passiert jeden Tag. Sexistische oder geschlechtsspezifische Diskriminierung basiert auf einem Vorurteil, das manche Menschen über andere Personen aufgrund ihres Geschlechts haben. Dies nennt man auch Sexismus. Die bloße Tatsache, dass jemand ein Mann oder eine Frau ist, wird zum Anlass genommen, auf diese Person herabzuschauen.

Diese Formen der Diskriminierung sind in unserem täglichen Leben tief verwurzelt. Deswegen merken wir oft nicht, dass sie überhaupt existieren. Das ist natürlich ein Problem. Obwohl die Gesellschaft immer häufiger kleine Schritte unternimmt, um diese Formen der Diskriminierung zu beseitigen, ist noch ein weiter Weg zu gehen. Sehen wir uns doch die häufigsten Formen des Sexismus, denen wir begegnen können, an.

Ursprünge des Sexismus

Das Geschlecht ist auch ein soziales Konstrukt. Dieses basiert auf Überzeugungen, Behauptungen und Dogmen in Bezug auf Geschlechterrollen. Deswegen fördert es sexistische Einstellungen, die auf Stereotype basieren. Diese entwickelten sich im Laufe der Zeit in der Gesellschaft und sind sehr oft tief in ihr verankert.

Eine Frau tischt das Essen für einen Mann auf.

Denken wir zum Beispiel an das Stereotyp vom Mann als „Familienoberhaupt“. Er sichert die Familie finanziell mit seinem Einkommen ab. Die Frau hingegen ist ein „Heimchen am Herd“ und darf auf die Kinder aufpassen. Dies ist natürlich eine altmodische Idee darüber, wie die Rollen in einer Familie aufgeteilt sein sollten. 

Aber Vorsicht. Obwohl der Terminus „Sexismus“ zunächst in Bezug auf die Benachteiligung von Frauen gebraucht wurde, sollte dieses Wort nicht als Synonym für männlichen Chauvinismus verwendet werden. Sexismus bezeichnet nicht ausschließlich die Diskriminierung von Frauen, sondern beschreibt eine Form der Diskriminierung, die sich auf beide Geschlechter beziehen kann.

Und Diskriminierung betrifft nicht nur die persönliche Interaktion mit unseren Mitmenschen, sondern ist auch in unseren sozialen Institutionen eingeschrieben. Es gibt leider unzählige Studien, die zu dem Schluss kommen, dass Sexismus normalisiert wird und oftmals sogar unbemerkt bleibt. Für gewöhnlich ist uns auch nicht bewusst, dass wir sexistische Vorurteile indirekt unterstützen, weil wir sie nicht einmal erkennen, wenn wir sie in unserem direkten Umfeld erleben.

Was sind also Formen der Geschlechterdiskriminierung?

Sprache und ihre Zwischentöne

Es geht gar nicht darum, unseren Wortschatz zu ändern oder beliebte Wörter zu verwenden, die eher verwirren als helfen. Sexismus manifestiert sich oft in so banalen Dingen wie unserer Alltagssprache, die wir anderen gegenüber benutzen. Während eine Frau „mädchenhaft“ sein kann, ist ein kleiner Junge schon „ein kleiner aber starker Mann“. Warum ignorieren wir diese Zwischentöne in unserer Sprache?

Wohlwollender Sexismus

Stellen wir uns vor, eine Frau ist mit einem Mann zum Essen verabredet. Der Mann öffnet die Tür für die Frau, getreu dem Motto „Damen zuerst“, doch die Frau versucht, den Mann zuerst hineingehen zu lassen. Doch dieser lehnt ab, ganz im Zeichen von übertriebener Ritterlichkeit bzw. Kavaliertums. Das ist ein Problem. Nicht, weil es generell unhöflich wäre, Frauen die Tür aufzuhalten. Das Problem besteht darin, dass diese Verhaltensweise nur für ein Geschlecht gilt und es nicht erwünscht ist, dass die Frau sich anders verhält. Das ist wohlwollender Sexismus und leider ist diese Form oft reine Gewohnheitssache.

Ein Mann bezahlt die Rechnung nach einem Dinner mit einer Frau.

Catcalling – unerwünschtes Hinterherpfeifen

Sollten wir uns geschmeichelt fühlen, wenn Fremde unseren Körper angaffen? Müssen wir hören, was andere Menschen auf der Straße über uns denken oder sie uns hinterherpfeifen? Dieses unerwünschte Verhalten wird im Englischen als Catcalling bezeichnet.

Frauen leiden am meisten unter dieser Form der Geschlechterdiskriminierung. Frauen hören oft Komplimente oder beleidigende Kommentare von Bauarbeitern oder anderen Männern. Obwohl es schmeichelhaft erscheinen mag, ist es für die meisten Frauen unangenehm und sie empfinden diese Komplimente als übergriffig. Manche Frauen haben sogar Angst und meiden wegen Catcallings bestimmte Straßen ganz.

Sexismus auf der Arbeit

Im Jahr 2017 veröffentlichte das Statistische Bundesamt neue Zahlen zum Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen. Die Zahlen zeigten, dass Frauen im Jahr 2016 durchschnittlich 21 %weniger Lohn erhielten als ihre männlichen Kollegen. Für jeden Euro also, den ein Mann verdiente, nahm eine Frau nur 79 Cent ein.

Der sogenannte Gender Pay Gap ist ein weltweites Problem. Es gibt aber auch noch andere Formen des Sexismus auf der Arbeit. Der Fall Harvey Weinstein, einer der größten Unternehmer in den Vereinigten Staaten, ist ein weiteres, bekanntes Beispiel für Sexismus. Unzählige Frauen beschuldigten den Produzenten von Filmen wie Pulp Fiction  und The English Patient,  sie sexuell belästigt zu haben. Experten in der Filmbranche sehen den Fall Harvey Weinstein als einen, der zu einem kulturellen Wandel in der Branche beitragen könnte, da er in größerem Umfang auf das Problem des Sexismus in der Filmindustrie aufmerksam machte.

Eine Frau mit einem Pflaster auf dem Mund

Wo sind die Wissenschaftlerinnen?

Die Zahl der Studentinnen in naturwissenschaftlichen Fächern ist immer noch viel geringer als die von Studenten. Rhetorisch gefragt, glauben wir, dass das genetisch oder kulturell bedingt ist? Müssen Mädchen mit Puppen spielen und Jungs müssen mit Legos? Pink oder Blau? Tief verwurzelte Überzeugungen, die wir oben bereits erwähnten, sind die Ursachen für diese Polarität.

Hier sei noch ein eindrucksvolles Beispiel genannt, das als Matilda-Effekt bekannt ist. Dieser Effekt beschreibt die systematische Verdrängung als auch Leugnung der wissenschaftlichen Arbeit bzw. Leistung von Frauen. Seit 1901 haben Männer 97 % der Nobelpreise erhalten. Und das, obwohl es an Kandidatinnen keinen Mangel ab.

Minimierung der Leistung im Sport

Im Sportteil der Nachrichten belegen Frauen kaum ein Drittel der gesamten Sendezeit. Manche Kritiker schreiben es einem Mangel an Budget zu. Aber wahrscheinlicher ist, dass hier geschlechtsspezifische Diskriminierung erfolgt. Nehmen wir noch andere Beispiele, um zu verdeutlichen, dass Sexismus auch im Sport vorhanden ist.

Zum Beispiel bei Motorradwettbewerben fungieren Frauen als „Dekoration“. Neben dieser Objektivierung bezweifeln viele Menschen auch die Fähigkeit von Frauen, Männer zu führen. Da ist zum Beispiel Gala León, die zur Mannschaftsführerin der spanischen Davis-Cup-Mannschaft ernannt wurde. Es wurden mehr Kommentare über ihren Körper, ihr Alter oder ihren Familienstand gemacht als über ihre Verdienste. Tatsächlich löste ihre Ernennung als Mannschaftsführerin so eine Kontroverse aus, dass sie noch vor ihrem ersten Einsatz entlassen wurde. Ohne Zweifel muss für Geschlechtergleichheit immer noch gekämpft werden. 

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