5 Schritte einen Verlust zu verarbeiten

27. September 2016 en Emotionen 0 Geteilt

Für gewöhnlich müssen alle Menschen auf ihrem Lebensweg Verluste hinnehmen. Somit muss jeder von uns früher oder später lernen, einen Verlust zu verarbeiten. Problematisch wird es, wenn wir uns weigern, zu akzeptieren, dass Verluste eine unvermeidliche Notwendigkeit für unser persönliches Wachstum darstellen.

Wenn wir große Verluste hinnehmen müssen, geben wir all unsere Energie hinein. Es fällt uns schwer, die andere Seite der Medaille zu betrachten. Sie hilft uns, zu erkennen, dass das, was für uns verloren ging, für eine bestimmte Zeit in unserem Leben sehr wertvoll gewesen ist.

Jeder Verlust, den wir erleiden, vermittelt uns eine Erfahrung, die uns stärker und weiser machen wird.

Die Erfahrung eines bedeutenden Verlustes, wie der Tod eines besonderen Menschen, einer vergangenen Liebe, das Ende einer Freundschaft, hinterlässt in uns ein Gefühl der Hilflosigkeit und großer Leere. Wir fühlen Traurigkeit, Wut, Angst und emotionale Höhen und Tiefen. Es ist eine Zeit der Trauer, die jede Person auf ihre Weise bewältigt.

Diese Trauerbewältigung ist ein komplexer Vorgang. Denn zur Ganzheit zurückzukehren bedeutet, wie in einer Achterbahn, durch viele Höhen und Tiefen zu gehen.

Wenn wir uns entscheiden, das Geschehene zu akzeptieren, geraten wir plötzlich in einen Strudel von Pein und Verzweiflung. Wir gehen einen Schritt voran und fallen wieder zurück. Indem wir den gesamten Prozess fühlen und wahrnehmen, können wir schließlich unser inneres Gleichgewicht  wiedererlangen.

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1. Den Prozess einer Verlustphase verstehen

Jede Person verarbeitet ihren Verlust in ihrem eigenen Rhythmus und auf unterschiedliche Weise. Ablehnung ist ein Teil dieses Prozesses. Er dient dazu, uns vor Gefühlen abzuschirmen, für die wir noch nicht bereit sind. In Zeiten von tiefen Verlusten fühlen sich Menschen wie betäubt. Sie verstehen nicht, weshalb sie keinen Kontakt zu ihren Gefühlen haben. Die verdrängten Emotionen und Gefühle liegen tief in ihnen verborgen, da sie eine Menge Schmerz enthalten. Wir lassen erst zu, diese verdrängten Empfindungen zu spüren, wenn wir ausreichend vorbereitet sind, sie zu verarbeiten. Dies kann sich über Jahre hinziehen. Es gilt besonders für Kinder und Jugendliche die, bis sie erwachsen sind, noch nicht auf die Verarbeitung dieser starken Gefühle vorbereitet sind. Dann kommt alles hoch.

„Wir können der Vergangenheit nicht entkommen. Das Leid zurückliegender Zeiten liegt im Ruhezustand verborgen, bis wir bereit sind es freizulegen. Manchmal dienen neue Verletzungen als Funke, um die alten Emotionen wieder hochzuholen. Oft fühlen wir den ursprünglichen Schmerz erst Jahre später, wenn ein neuer Schmerz hinzukommt.“

Elisabeth Kübler-Ross

2. Der Schmerz ist immer persönlich

Niemand kann uns erklären, wie wir einen Verlust, den wir erlitten haben, verarbeiten sollen. So sehr ich mich auch bemühe, Antworten zu finden, wird mir mehr und mehr klar, dass wir die Antworten nur in uns selbst finden können.

Und dieser Prozess hat seine eigene Geschwindigkeit. Es gibt dabei kein zu schnell oder zu langsam. Solange wir voranschreiten und nicht in uns selbst stecken bleiben, werden wir fähig sein, unsere Wunden zu heilen.

“Bei dem Versuch, unsere Verluste zu verarbeiten, erschaffen wir uns oftmals versehentlich neue. Wir verbessern uns, bis wir sie schließlich heilen können. Erzeugten die Verletzungen Wunden in uns, schaffen wir uns Möglichkeiten, uns vor ihnen zu schützen, um nicht erneut verletzt zu werden: Wir distanzieren uns, leugnen das Geschehene, helfen anderen, ihre Wunden zu heilen, um unsere eigenen Verletzungen nicht spüren zu müssen. Und wir werden so selbstbewusst, dass wir niemals irgendetwas von jemandem annehmen müssen.“
Elisabeth Kübler-Ross

3. Wir können uns nicht vor neuen Verlusten schützen

Wenn wir versuchen, uns vor neuen Verletzungen zu schützen, provozieren wir sie auf einer unterbewussten Ebene erneut. Haben wir Verluste erlitten und sind durch schwierige Prozesse gegangen, könnte es sein, dass wir uns vor ihnen schützen wollen. Wir schützen uns, indem wir versuchen, um uns herum einen Schutzschild errichten, der verhindert, das zuvor Durchlebte erneut zu erfahren. Dies ist jedoch nicht möglich, da der Versuch, das Erlittene zu verdrängen, einen neuen Verlust darstellt.

4. Der Weg aus dem Schmerz heißt, ihn zu durchleben

Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Schmerzbewältigung. Wir können die Emotionen und den Schmerz, welche unsere Verluste uns bereiten, nicht vermeiden. Wenn wir darauf vorbereitet sind, uns dem Verlust zu stellen, fühlen wir den Schmerz, der damit verbunden ist. Zu versuchen, diese Gefühle zu vermeiden, wird dazu führen, dass wir weiterhin leiden. Verlust bedeutet Schmerz. Er bringt uns als authentische und aufrechte Menschen dazu, die Dinge wahrzunehmen, die wirklich von Bedeutung sind.  

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5. Die Liebe, die wir gaben und fühlten, wird nie verloren sein

Was wirklich von Bedeutung ist, kann nicht verloren sein. Was wir erfahren und gefühlt haben, tragen wir mit uns. Es hat uns verändert und zu dem gemacht, was wir heute sind. Deswegen macht es keinen Sinn zu versuchen, die mit einem Verlust verbundenen Ängste zu vermeiden. Weil das Einzige, was wir mit uns bringen, dasjenige ist, das wir gefühlt haben.

“Es ist besser eine Liebe verloren zu haben, als niemals geliebt zu haben.”
Alfred Tennyson
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