5 Angewohnheiten von ängstlichen Menschen

· 18. Januar 2018

Es gibt Teile unserer Persönlichkeit, die eigentlich nicht Bestandteile, sondern vielmehr eine Einstellungssache oder Angewohnheiten sind, die auftauchen und als Folge der Ängstlichkeit beibehalten werden und sich mit unserer wahren Persönlichkeit mischen. Diese Mischung kann gefährlich sein und dir sogar seltsam oder unhöflich vorkommen, was dir das Leben erschwert, weil dich andere Menschen auf der Grundlage deiner Verhaltensweisen verurteilen, ohne zu verstehen, was in deinem Kopf vor sich geht.

In diesem Artikel möchte ich dir eine Analyse dieser Gewohnheiten vorschlagen. Ich tue das, weil eine solche Analyse uns helfen kann, besser mit unserer Ängstlichkeit und unseren Gefühlen umzugehen. Darüber hinaus können wir dadurch das Beste aus uns herausholen und unsere wahre Persönlichkeit entdecken.

„Die Furcht bringt uns um den Verstand, die Ängstlichkeit setzt ihn außer Kraft.“

Kurt Goldstein

1. Sich für alles entschuldigen

Wer ängstlich ist, hat das Gefühl, dass er anderen immer auf den Schlips trete, oder im Gegenteil, dass er es seinen Mitmenschen ständig recht machen müsse, und deshalb wird er sich für alles entschuldigen. Es wird sich für alles und nichts entschuldigt, am laufenden Band, und das scheint eine Angewohnheit zu sein, die unkontrollierbar ist.

Wirklich unwohl fühlen sich aber auch die anderen, wegen dieser Angewohnheit, die wie viele andere ungesund und verstörend ist. Es ist unschön, nicht zu wissen, was man einer Person entgegentreten soll, die sich für etwas Unwichtiges entschuldigt, sogar für alltägliche Situationen, die sie nicht kontrollieren kann.

Frau mit Wald im Inneren

2. Alles sehr persönlich nehmen

Diese Angewohnheit steht in engem Zusammenhang mit der zuvor genannten. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. An das Gesagte wird den ganzen Tag über und zu jeder Stunde gedacht. Das geht soweit, dass schon das kleinste Wort als intrusiv und störend empfunden wird, obwohl es nichts weiter als ein harmloser Kommentar war.

Häufig führt diese Angewohnheit in einen Teufelskreis: Die betroffene Person ist wegen eines Kommentars ängstlich und nervös, und immer wieder über das Gesagte nachzudenken, führt dazu, dass die Ängstlichkeit kein Ende nimmt. Um diese Gedanken zu verjagen, entscheiden sich Betroffene für Verhaltensweisen, wie sich dankbar zu zeigen oder zu entschuldigen, was ihnen allerdings gleichzeitig das Gefühl geben kann, sich lächerlich zu machen – sodass sie noch ängstlicher werden.

„Sorgen vertreiben nicht den Schmerz von Morgen, sondern die Stärke von Heute.“

Corrie ten Boom

3. Orte verlassen oder Unterhaltungen nicht zu Ende führen

Die Ängstlichkeit kann das Beste eines Menschen „befallen“ und lässt bei ihm die Angewohnheit entstehen, eine Situation zu meiden oder zu flüchten, wenn er das Gefühl hat, dass diese ihn überfordert. Eine weitere Folge der Angst ist, dass sich die betroffene Person auf sie und ihre Auslöser konzentriert, was bewirkt, dass alle anderen Reize aus ihrer Umgebung, wie die eines Gesprächs, ausgeblendet werden.

Es ist nicht so, dass Betroffene die Gesellschaft anderer nicht schätzen. Es ist schlichtweg die Angst, die sie überfordert, und die erstbeste Lösung, die sie finden, ist es, den Ort des Geschehens zu verlassen oder an etwas anderes zu denken, auch wenn das auf andere so wirkt, als wären sie unhöflich.

4. Fantasieren und an das Schlimmste denken

Das ist eine weitere Angewohnheit ängstlicher Menschen. Obwohl wir alle in bestimmten Momenten in unserem Leben oder in bestimmten Situationen schon einmal an das schlimmste Szenario gedacht haben, haben ängstliche Personen die Angewohnheit, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens der schlimmstmöglichen Szenarien zu überschätzen. Ständig an den schlimmsten Fall der Fälle zu denken, kann körperliche und psychische Folgen haben und chronische Müdigkeit hervorrufen. Und auf zwischenmenschlicher Ebene kann es Beziehungen verkomplizieren.

Sie glauben, dass das Vorhersagen der Zukunft sie schützt, aber es ist genau anders herum, es erzeugt nur noch mehr Angst, Unsicherheit und steigert die Ängstlichkeit. Und weil sie sich ausschließlich auf das Schlechte konzentrieren, genießen sie nichts und aus dem gefürchteten Szenario wird dann oftmals Wirklichkeit.

Eingeschüchterte Frau

Wir können Situationen vorsichtig betrachten und sie so detailliert wie möglich bewerten. Aber uns muss klar sein, dass wir nicht die Zukunft vorhersagen oder wissen können, was passieren wird, und dass Situationen zu vermeiden, uns nicht vor ihnen schützt, sondern uns Dinge, Menschen und das Leben nur bedingt genießen lässt.

„Jeder Morgen hat zwei Tore; wir können den Tag durch das Tor der Angst oder durch das Tor des Glaubens betreten.“

Henry Ward Beecher

5. Lange für die Entscheidungsfindung brauchen

Ängstliche Menschen neigen dazu, Situationen bis ins kleinste Detail zu analysieren, was es ihnen fast unmöglich macht, eine Entscheidung zu treffen. Das ist sogar der Fall, wenn es sich um eine einfache Entscheidung handelt, bei der es weder eine gute noch eine schlechte Wahl gibt, zum Beispiel wie man sich heute anzieht oder was man essen soll. Diese Angewohnheit kann nicht nur zum Problem für die betroffene Person an sich werden, sondern kann auch an ihrem Arbeitsplatz, in ihrer Partnerschaft oder Beziehung zu ihren Kindern problematisch werden.

Entscheidungen zu treffen, kann uns allen Angst machen, weil wir uns alle davor fürchten, uns zu irren. Aber die Angewohnheit, alles haargenau zu analysieren und zu vermeiden, einen Entschluss zu fällen, löst für gewöhnlich noch mehr Angst aus, als die Angst davor, sich zu entscheiden, vielleicht falsch zu liegen und sich korrigieren zu müssen.

Wir können weder fliehen noch sämtliche Entscheidungen, die wir treffen müssen, an andere abschieben. Es ist also eine alltägliche Aufgabe, deren Resultat durch verschiedene Variablen gemessen wird. Einige davon können wir nicht kontrollieren, wie das Glück. Doch es gibt andere, wie unsere Einstellung, über die wir sehr wohl die Kontrolle haben, und genau darauf müssen wir uns konzentrieren.

 Schlechte Angewohnheiten lassen Ängstlichkeit entstehen und nähren sie

Was ich mit diesem Artikel versucht habe zu zeigen, ist, dass die schlechten Angewohnheiten ängstlicher Menschen nur noch mehr Angst auslösen können. So wie wir auch die Situationen, in denen sie aufkommt, kennen müssen, ist das ebenfalls der erste Schritt, um sie zu vermeiden. Es kann auch helfen, ganz offen über diese Ängstlichkeit zu sprechen, sobald sie uns überkommt, sodass uns andere helfen können.

Nervöse Hände

So ist es ein weiteres wichtiges Element angesichts dieser Situationen und Angewohnheiten, dass es unnötig ist, sich ihnen allein zu stellen. Ängstliche Menschen glauben, so wie viele andere auch, dass niemand ihnen mit ihren Problemen helfen könne, oder es ist ihnen peinlich, um Hilfe zu bitten. Doch das ist keinesfalls so. Wenn wir anderen mitteilen, wie wir uns fühlen, vermeiden wir, dass unsere Mitmenschen falsche Vermutungen darüber anstellen, was uns widerfährt, und wir machen es ihnen einfacher, Verständnis für uns zu entwickeln.