3 Übungen, basierend auf der Compassion Focused Therapy

· 4. September 2018

Übungen, die auf der Compassion Focused Therapy (zu Deutsch etwa „auf Mitgefühl fokussierte Therapie“) basieren, können unsere Beziehungen vertiefen und stabilisieren. Eines der Ziele der Therapie ist es, unser Wohlbefinden und unsere Balance zu fördern. Entsprechende Übungen können sich wie eine riesige, wundervolle Welle anfühlen, die über uns hinwegzieht und uns von unserem Leiden befreit und im Gegenzug Rückhalt und Bewusstsein liefert.

Die Compassion Focused Therapy, die von Paul Gilbert entwickelte wurde, entstand aus einer Synthese von John Bowlbys Bindungstheorie, buddhistischem Denken, evolutionärer Psychologie des Gehirns und der Theorie des Geistes heraus. Die Kombination dieser Prinzipien betont den Wert und die Kraft des Mitgefühls. Sie erinnert uns an unser Wachstumspotenzial und ist ein nützliches Instrument, um unsere Beziehungen zu verbessern.

„Mitgefühl ist eine Möglichkeit, unsere Lebendigkeit zu teilen und eine menschlichere Welt aufzubauen.“

Martin Lowenthal

Viele Menschen sind mit dieser speziellen Art der Therapie nicht vertraut. Auf den ersten Blick scheint sie eher eine Anreihung philosophischer Prinzipien zu sein als ein wissenschaftlich belegter, therapeutischer Ansatz. Um sie zu verstehen, müssen wir sie im Kontext betrachten. Die Compassion Focused Therapy ist Teil der sogenannten „dritten Welle der Verhaltenstherapien„.

Diese Art der Therapie ist nützlich und stellt einen bedeutenden Fortschritt auf dem Gebiet der psychologischen Behandlung dar. So oft konzentrieren sich Therapien ausschließlich auf die Symptome der betreffenden Krankheit oder Störung. Aber die Compassion Focused Therapy geht darüber hinaus und betrachtet existenzielle Fragen, die grundlegend für uns Menschen sind. So sind Emotionen, Gefühle und persönliche Umstände des Patienten wesentliche Aspekte, die bei dieser Therapie berücksichtigt werden müssen.

Zeichnung eines Mannes und einer Frau, das Mitgefühl symbolisieren soll

3 Übungen basierend auf der Compassion Focused Therapy

Das Konzept des Mitgefühls geht weit über Philosophie oder Religion hinaus. Das Wort „Mitgefühl“ steht vor allem für eine Lebensweise, die uns ermöglicht, uns selbst zu helfen und eine respektvollere und harmonischere Welt aufzubauen.

Der Psychologe Paul Gilbert schlug eine Vielzahl von Techniken vor, um den Fokus auf diese Lebensweise zu setzen. Gilberts Ideen umfassen reine Verhaltensstrategien sowie kognitive, narrative Gestalttherapie- und Achtsamkeitsstrategien. Hier stellen wir nun drei Übungen vor, die auf der Compassion Focused Therapy gründen.

1. Einen sicheren Hafen schaffen

Diese Therapieform lehrt uns etwas sehr Wichtiges über Mitgefühl. Wir müssen mit uns selbst beginnen und erst dann können wir auf unserer Reise weiterkommen. Niemand von uns kann Mitgefühl für andere empfinden, wenn wir es für uns selbst nicht haben.

Folglich ist es nicht nur wichtig, zu lernen, uns selbst zu lieben, sondern auch, uns selbst gut zu lieben. Dies beinhaltet, bestimmte Stärken zu entwickeln, unsere Bedürfnisse und Ängste zu erkennen, mit unserem Leiden umzugehen und zwanghafte Gedankengänge zu stoppen.

  • Um dies zu tun, können wir mit einer Visualisierungsübung beginnen. Ziel ist es, einen sicheren Hafen für uns selbst zu schaffen. Erschaffen wir einen mentalen Raum, in dem wir Zuflucht suchen und Frieden finden können. Dort können wir auf uns selbst aufpassen und daher auch bessere Entscheidungen treffen.
  • Es könnte helfen, wenn wir uns vorstellen, dass wir in einem Glashaus wären. Umgeben von einer ruhigen See und sanftem Licht, das alles beleuchtet. Harmonie hallt in jedem Winkel wider. Alles ist friedlich. Das Innere dieses Glashauses ist ein warmer und einladender Ort, an dem wir uns sicher fühlen.
  • Wir können jeden Tag eine halbe Stunde in diesem mentalen Zufluchtsort verbringen oder so viel Zeit, wie wir brauchen. Hier können wir freundlich und ehrlich mit uns selbst reden. Lassen wir den ganzen Lärm und unsere Ängste draußen liegen.
Ein Hotelzimmer mit Ausblick auf das Meer und den Strand.

2. An unserem mitfühlenden Selbst arbeiten

Die Entwicklung unseres mitfühlenden Selbst ist eine der wichtigsten Übungen. Diese besondere Aufgabe erfordert die Konzentration auf bestimmte Schlüsselideen.

  • Zuerst müssen wir uns unserer Gefühle, Bedürfnisse und Schmerzen bewusst werden.
  • Freundlichkeit ist nicht etwas, was wir nur an anderen üben. In der Tat ist es äußerst wichtig, dass wir auch freundlich im Umgang mit uns selbst sind. Zum Beispiel indem wir einen positiven innernen Dialog führen. Haben wir keine Angst davor, unsere Wunden, Schwächen und tiefsten Bedürfnisse zu erkennen.
  • Ebenso müssen wir verstehen lernen, dass ein gewisses Maß an Leiden normal ist. Deshalb dürfen wir es nicht leugnen, verstecken oder vernachlässigen.
  • Das mitfühlende Selbst muss dem „ängstlichen Selbst“, dem „obsessiven Selbst“ und dem „negativen Selbst“ gegenübertreten. Dies kann schwierige Arbeit sein. Es bedeutet, sich unserem inneren Feind zu stellen, der alle Arten von Mauern und Barrieren aufbaut. Er versucht, den Heilungsprozess zu behindern.
Ein junger Mensch und ein älterer Mensch halten sich an den Händen.

3. Beleben des Flusses des Mitgefühls

Eine weitere wichtige Aufgabe der Compassion Focused Therapy ist es, den Fluss des Mitgefühls zu beleben. Was bedeutet das? Grundsätzlich bedeutet es, das Mitgefühl, das wir für uns selbst kultivieren, zu unseren Mitmenschen fließen zu lassen.

Wir können diese Übung auf viele verschiedene Arten ausführen. Aber das Wichtigste ist, dass wir aus dem echten Wunsch heraus handeln, das Wohlergehen anderer zu verbessern. Wir müssen die anderen mit unserer Freundlichkeit anerkennen. Denken wir also positiv und hoffnungsvoll an unsere Mitmenschen.

Wir können diesen Fluss mit drei sehr einfachen Mantras in Gang setzen:

  • Ich wünsche dir, dass es dir gut geht.
  • Ich möchte, dass du glücklich bist.
  • Schließlich hoffe ich, dass du frei von Leiden bist.

Abschließend sei gesagt, dass diese Art von Therapie nicht nur Wunschdenken ist. Tatsächlich basiert sie auf einer unbestreitbaren wissenschaftlichen Wahrheit: Mitgefühl heilt und schafft Veränderungen in uns selbst und in anderen. Mitgefühl ist eine Lebenskraft, die Angst und Furcht unterdrücken kann.

Lasst uns dies in die Praxis umsetzen. Machen wir Mitgefühl zu einem bewussten Teil unseres Lebens.