Zwanghaftes Kaufen - Strategien, um dieses Verlangen zu kontrollieren

Was verursacht zwanghaftes Kaufen? Was kannst du tun, um dieses Problem zu lösen? In unserem heutigen Artikel sprechen wir darüber, warum das Einkaufen eine ungesunde Strategie zur Bewältigung von Angstzuständen ist.
Zwanghaftes Kaufen - Strategien, um dieses Verlangen zu kontrollieren

Letzte Aktualisierung: 15. April 2021

Die Kontrolle des Kaufzwangs stellt für manche Menschen eine große Herausforderung dar. Menschen, die leidenschaftlich gerne zum Einkaufen gehen, finden es manchmal schwierig, ihren Impuls zu kontrollieren, Dinge zu kaufen, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Sie kaufen ein, weil es ihnen dabei hilft, ihre Angst zu kontrollieren. Zwanghaftes Kaufen wird somit zu einem sehr ungesunden Bewältigungsmechanismus.

Fast unmittelbar nach der durch den Kauf ausgelösten Erleichterung leidet ein Mensch mit Kaufzwang normalerweise unter starken Schuldgefühlen und Unbehagen. Infolgedessen kehrt auch die Angst vollumfänglich zurück. Und manchmal ist sie sogar schlimmer als zuvor. Zwanghaftes Kaufen ist ein Teufelskreis, der den Betroffenen und ihren Angehörigen erheblich schaden kann. Deshalb möchten wir dir in unserem heutigen Artikel einige Strategien vorstellen, mit denen du diesen Drang bewältigen und kontrollieren kannst.

zwanghaftes Kaufen - verzweifelte Frau

Zwanghaftes Kaufen: Die Merkmale

Zwanghaftes Kaufen, auch Kaufzwang oder Oniomanie genannt, wird zu den nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten oder Zwangsstörungen, manchmal auch zu den Impulskontrollstörungen gerechnet. Oniomanie kann mit Stimmungsstörungen, Essstörungen und Persönlichkeitsstörungen in Zusammenhang stehen. Die Hauptmerkmale des zwanghaften Kaufens sind die folgenden:

  • Kauf überflüssiger und unnötiger Gegenstände
  • Große Ängstlichkeit und starkes Verlangen, einen Gegenstand besitzen zu wollen
  • Schlaflosigkeit, die durch obsessive Gedanken über den Kauf eines Artikels ausgelöst wird
  • Ein unkontrollierbarer Wunsch einzukaufen
  • Ein sich unmittelbar nach dem Kauf einstellendes Gefühl der Zufriedenheit sowie damit einhergehende Linderung unangenehmer Symptome
  • Schuldgefühle und Unzufriedenheit nach dem ersten Hochgefühl

Wenn der Betroffene die gewünschten Artikel in seinem Besitz hat, führt dies zu sofortiger Zufriedenheit. Wie wir oben bereits erwähnt haben, leidet ein Mensch mit Kaufzwang jedoch häufig unter Scham und Schuldgefühlen, weil er oder sie den Drang, etwas Unnützes zu kaufen, nicht kontrollieren konnte. Dieses Schuldgefühl wird verstärkt, wenn der Kauf nicht im Budget des Betroffenen lag oder nicht mit der Vorstellung übereinstimmt, die dieser Mensch von sich selber hat (Dissonanz des Selbstkonzeptes).

Das Gefühl, etwas Schlechtes zu tun, führt dazu, dass die Betroffenen ihr Verhalten verbergen. Sie lügen manchmal über die Herkunft und den Preis des betreffenden Gegenstandes. Die aus dieser Lüge resultierenden Schamgefühle können neue Ängste auslösen. Dies wiederum kann zu weiteren Käufen führen. Der Wunsch nach der durch das Kaufen empfundenen Erleichterung ist letztendlich so überwältigend, dass er die zwangsläufig entstehenden Schuld- und Schamgefühle überwiegt. Wie du siehst, ist dies ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Die mit dem Einkaufen verbundenen Emotionen und die langfristigen Konsequenzen

Menschen mit Oniomanie fühlen sich vor dem Kauf äußerst unwohl. Der Kauf von Gegenständen ist das einzige, was ihnen Erleichterung verschafft. Daher ist für sie der Akt des Einkaufens eine Art „magische“ Lösung für ihre Probleme.

Aber wie du bereits gesehen hast, hat dieses “Wundermittel” schwerwiegende Konsequenzen. Einerseits verursacht zwanghaftes Kaufen langfristig viel Schuldgefühle, was zu vermehrten Einkäufen führt. Dieser Teufelskreis existiert bei jedem Suchtverhalten. Darüber hinaus entwickeln zwanghafte Käufer im Laufe der Zeit eine Toleranz. Das bedeutet, dass sie jedes Mal mehr kaufen müssen, um das gleiche Gefühl der Erleichterung zu erhalten. Ein weiterer Faktor ist der, dass zwanghafte Käufer schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten können. Möglicherweise müssen sie Kredite aufnehmen oder einige ihrer Habseligkeiten verkaufen, um für ihre Einkaufstouren weiterhin genügend Geld zur Verfügung zu haben.

Strategien zur Kontrolle des Kaufzwangs

Der Schlüssel, um den Betroffenen bei der Kontrolle dieser schädlichen und zwanghaften Gewohnheit zu helfen, liegt in einer Psychotherapie. Ein Experte kann insbesondere in Phasen, in denen ein erhöhtes Risiko besteht, besonders aufmerksam und wachsam sein und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Wenn beispielsweise ein Patient mit Kaufzwang viel Zeit zu Hause und im Internet verbringt. Allerdings ist die Kontrolle des zwanghaften Kaufens über Online-Kanäle aufgrund der Verfügbarkeit und der Vielfalt des Warenangebots wesentlich schwieriger. Darüber hinaus ist auch die Möglichkeit, die Objekte direkt online zu bezahlen, ein weiterer kritischer Faktor. Denn die Betroffenen vergessen dabei sehr häufig, dass sie tatsächlich Geld ausgeben.

Auch für die Familienmitglieder ist es unbedingt erforderlich, die Symptome dieser Störung zu verstehen. Sie können eine sehr wichtige Rolle dabei spielen, ihren Angehörigen bei der Überwindung der Sucht zu helfen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Familie selbst zu einer Quelle unangenehmer Emotionen und Empfindungen für den Betroffenen wird.

Wenn du beispielsweise feststellst, dass die Ausgaben deines Partners weit über das verfügbare Budget hinausgehen, wird es dir schwerfallen, ihn nicht für die finanziellen Probleme der Familie verantwortlich zu machen. Allerdings solltest du dir bewusst machen, dass es überhaupt nicht hilfreich ist, einem Süchtigen Schuldgefühle zu vermitteln. Denn diese könnten wiederum Auslöser für weitere Kompensationskäufe sein.

Nachfolgend findest du einige Strategien, um einen Kaufzwang unter Kontrolle zu bringen:

Zwanghaftes Kaufen: Vermeide Kredit- und Debitkarten

Wenn du mit Bargeld bezahlst, kannst du wesentlich leichter erfassen, wie viel Geld du tatsächlich ausgibst. Einen Stapel Rechnungen zu bezahlen, ist wesentlich schwieriger, als lediglich eine Kreditkarte zu überreichen. Eine sofortige Lösung gegen zwanghaftes Kaufen besteht daher darin, dass der Betroffene nur Zugang zu Geschenkkarten oder Einkaufskarten mit einem festen finanziellen Limit hat. Auf diese Weise kannst du nur das ausgeben, was du tatsächlich geplant hast. Und gleichzeitig kannst du dennoch den Komfort genießen, kein Bargeld mit dir führen zu müssen.

Setze dir ein monatliches Ausgabenlimit

Setze dir ein monatliches Limit oder definiere ein festes Budget für optionale Käufe. Allerdings solltest du es unbedingt vermeiden, dieses Budget zu erhöhen, um dich für deine Erfolge anschließend zu “belohnen”. Wenn du deine Ziele erreicht hast, ist das tatsächlich ein Grund zur Freude! Aber wenn du an einem Kaufzwang leidest, solltest du keinesfalls dein Budget überschreiten. Eine hilfreiche Strategie kann darin bestehen, dass du deine Ziele mit einem anderen Menschen teilst und dich über die Anerkennung freust, die du für die Erreichung deiner Ziele erhältst.

Eine weitere Strategie gegen zwanghaftes Kaufen: Wenn du in ein Einkaufszentrum gehst, nutze den öffentlichen Verkehr

Auch diese Strategie kann sehr hilfreich sein. Wenn du den öffentlichen Verkehr nutzt, wirst du dir zweimal überlegen, ob du tatsächlich übermäßig viel einkaufen willst. Wenn du den Impuls verspürst, wahllos zu kaufen, musst du zudem mehr Zeit dafür aufwenden und der ganze Einkauf ist weniger bequem. Auch die Vorstellung, dass du Schlange stehen und dich durch Menschenmassen drängen musst, kann ausreichen, um dich davon abzuhalten, unnötige Einkäufe zu tätigen.

Führe Buch über deine Ausgaben

Führe genau Buch über deine Ausgaben und mache einmal in der Woche (oder einmal im Monat) eine Abrechnung. Auf diese Weise kannst du besser erkennen, wie viel Geld du für unnötige Artikel ausgibst. Darüber hinaus wirst du feststellen können, welche Art von Dingen du kaufst, wenn du dich schlecht fühlst.

zwanghaftes Kaufen - Frau mit Taschenrechner

Nimm dir nur so viel Geld mit, damit du das kaufen kannst, was du wirklich benötigst

Wenn du aus dem Haus gehst, solltest du nur soviel Geld mitnehmen, wie du für deine notwendigen Einkäufe benötigst. Auf diese Weise verhinderst du zusätzliche Ausgaben. Darüber hinaus kann auch eine Einkaufsliste sehr hilfreich sein, denn auf diese Weise denkst du vorher genau darüber nach, was du tatsächlich benötigst und was nicht. Allerdings solltest du bedenken, dass du in Zeiten, in denen es dir nicht gut geht, durchaus das Gefühl bekommen kannst, dass einige Dinge, die du unbedingt kaufen möchtest, sehr wichtig sind, obwohl du sie letztendlich überhaupt nicht benötigst.

Wie du siehst, ist es nicht einfach, einen Kaufzwang zu kontrollieren. Aber wenn du nicht versuchst, dieses Problem anzugehen, wird es früher oder später dein Leben kontrollieren. Außerdem kann es sich auch auf deine Beziehungen zu deinen Mitmenschen auswirken. Eine Psychotherapie ist sehr hilfreich und ein wichtiger Schritt, um dich aus diesem Teufelskreis zu befreien.


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