Zu schätzen, was wir haben, ist die beste Form der Dankbarkeit

17. Januar 2019

Jeden Tag wachen wir auf und unser Leben fließt in einer mehr oder weniger organisierten Routine. In vielen Fällen vergeht unser Alltag jedoch in Trägheit, oder voller Stress, Probleme und nur kurzfristigen Zielen. Es bleibt nur wenig Zeit, um über unsere Träume nachzudenken, die wir in der Vergangenheit vielleicht einmal verfolgten, denn die gegenwärtigen Verpflichtungen drängen uns. So entwickeln sich Frustration und schließlich Resignation hinsichtlich dieser Ziele, die wir einst erreichen wollten. Ebenso hinsichtlich der Horizonte, die wir gern überschreiten möchten. Der Wunsch, unser Leben und das Leben der Menschen in unserem Umfeld zu verbessern, keimt in jedem von uns. Dennoch neigen wir normalerweise dazu, uns kaum auf das zu konzentrieren, was wir bereits erreicht haben.

Wir möchten den Tag in den wenigen Stunden, die wir haben, so gut ausnutzen wie möglich; wir möchten Sport treiben, Freunde treffen und einen Moment lang genießen, was uns gut fühlen lässt. Doch wir widmen dieser gesunden Übung nur wenig Zeit, gönnen uns keine Pause um wertzuschätzen, was wir haben.

Kurz gesagt, ist unsere Realität weit von einer fairen Wertschätzung dessen, was wir haben, und einer aufrichtigen Dankbarkeit entfernt. Nun, verschiedene Studien haben gezeigt, dass dieser Zustand der Dankbarkeit viele Vorteile für unsere physische und psychische Gesundheit mit sich bringe, sodass es sich schon sehr lohnen würde, pro Tag ein paar Minuten zu investieren, um unsere Routine zu durchbrechen und darüber nachzudenken.

Schätzen, was wir haben

Wir sollten dankbar gegenüber denen sein, die uns geholfen haben, ebenso wie denen, die unser Leben verkompliziert haben, weil sie Hindernisse erzeugt haben, in deren Angesicht wir etwas Neues lernen durften. Dankbar sein für die Gaben, die wir erhalten, aber auch für die Mängel, die wir erleben. Dankbar sein für alles, was wir haben, und für all das, was wir einst hatten, weil wir so die Möglichkeit erhalten haben, uns in einer besseren Version unserer selbst wieder aufzubauen.

In unserer Kultur ist Dankbarkeit ein Begriff, der mit Verpflichtungen verbunden wird, die wiederum mit anderen Personen zusammenhängen und dem, was wir ihnen „schulden“. Doch Dankbarkeit ist viel mehr als das. Dankbarkeit ist eine mentaler Zustand, den man trainieren kann. 

Lasst uns sehen, welchen Nutzen die Kultivierung der Dankbarkeit hat und wie wir diese Haltung entwickeln können, die von der positiven Psychologie sehr eingehend untersucht wurde. Denn zum Glück ist dies eine Qualität, die man erwerben kann.

Frau, die ihre Hände in Dankbarkeit aneinander gelegt hat

Die Dankbarkeit und die Wissenschaft

In einer US-amerikanischen Studie wurden erstaunliche Ergebnisse in Bezug auf das Konzept der Dankbarkeit erzielt. Die Tatsache, dass dieser Bewusstseinszustand entwickelt und so vermehrt Dankbarkeit empfunden wird, verändert buchstäblich die molekulare Struktur des Gehirns.

Wenn wir dankbar sind, aktivieren wir jene Bereiche in unserem Gehirn, die für moralische Erkenntnis und Gefühle verantwortlich sind, und das Belohnungssystem. Der präfrontrale Kortex wird aktiviert, der an der Planung komplexer Verhaltensweisen, an Entscheidungsprozessen, an Sozialität und Ausdruck der Persönlichkeit beteiligt ist. Ebenso wird der für Emotionen und Empathie verantwortliche anteriore cinguläre Kortex aktiviert. Dabei erhöht sich die Aktivität in der grauen Substanz.

Diese Studie, die an einer Gruppe von Menschen durchgeführt wurde, die mehrere Wochen lang verschiedenen Tests zur Dankbarkeit unterzogen wurden, zeigte Folgendes: Die Aktivierung der spezifischen Bereiche im Gehirn, die von der Dankbarkeit betroffen sind, schlug sich in einer Steigerung des Wohlbefindens der Teilnehmer auf verschiedenen Ebenen nieder.

Die Probanden berichteten, dass im Allgemeinen weniger gesundheitliche Probleme auftraten und es wurden niedrigere Level von Ängsten und Depressionen beschrieben. Es zeigte sich auch eine deutliche Steigerung ihrer Produktivität, da sie dank einer besseren Schlafqualität frischer in ihren Tag starteten.

In anderen Worten, es scheint, dass das Ausüben von Dankbarkeit eine Übung ist, die uns hilft, uns gesünder und glücklicher zu fühlen.

Glückliche Frau, die im Hier und Jetzt lebt, hält Ballons in der Hand

Einige Möglichkeiten, die Dankbarkeit zu kultivieren

Wache jeden Tag auf und schätze, was du hast. Anerkennung ist der Ausgangspunkt für die Dankbarkeit. Sehr häufig normalisieren wir, was wir haben, und überzeugen uns, dass wir ein Recht darauf hätten. Das geschieht auch dann, wenn das Erreichte das Ergebnis unserer eigenen Bemühungen war.

In diesem Sinne kann uns das, was uns fehlt, motivieren; es sollte jedoch nicht unsere Perspektive auf das Leben beeinflussen. Wir sprechen hier von dieser Basis, die eng mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit zusammenhängt, aus der viele der Gefühle, die wir erleben, geboren werden. So ist die Dankbarkeit eine der fruchtbarsten Nährboden in Bezug auf unsere positiven Emotionen. Daher ist es wichtig, sich gut um sie zu kümmern.

Eine gute Übung, um Dankbarkeit anzuregen, kann darin bestehen, einen Brief oder eine Nachricht an eine Person zu schreiben, die uns eines Tages geholfen hat, auch wenn seitdem schon viel Zeit vergangen ist. Uns einen Moment Zeit zu nehmen, um darüber nachzudenken, worauf wir heute unsere Dankbarkeit konzentrieren möchten, oder in einem Tagebuch drei Dinge aufzuschreiben, für die wir jetzt besonders dankbar sind, kann uns schon sehr dabei helfen, mehr zu schätzen, was wir haben. Es handelt sich dabei um einfache Routinen, die uns bewusst machen können, was wir haben, wenn uns das, was wir nicht haben, überfordert.