Woran erkenne ich eine Agoraphobie?

18 November, 2020
Hast du schon einmal von Agoraphobie gehört? Weißt du, welche Symptome dabei auftreten? Finde es in diesem Artikel heraus!

Agoraphobie ist die panische Angst vor öffentlichen Räumen oder Situationen. Vielleicht könnte es schwierig oder peinlich sein, beidem zu entkommen. Womöglich würde einem im Falle einer Panikattacke schlecht geholfen werden. Obwohl man gemeinhin glaubt, dass ein Mensch mit Agoraphobie Angst vor offenen Räumen hat, geht es bei dieser Phobie mehr um die Angst vor öffentlichen Plätzen. Welche Symptome werden bei Agoraphobie ausgelöst?

Wenn man die Studie der Pharmazeutin Dr. Adela-Emilia Gómez Ayala aus dem Jahr 2012 betrachtet, lag die 12-Monats-Prävalenz von Agoraphobie bei 0,3 %. Inzwischen könnte die Zahl noch höher sein. Agoraphobie tritt für gewöhnlich im jungen Erwachsenenalter auf und betrifft doppelt so viele Frauen wie Männer.

Merkmale einer Agoraphobie

Gemäß dem aktuellen DSM-5, dem Klassifikationssystem für psychische Störungen, das von der American Psychiatric Association (APA) herausgegeben wird, sind folgende Symptome bei Agoraphobie typisch:

Angst oder intensive Angespanntheit

Diese Angst oder Angespanntheit macht sich in zweien oder mehreren der folgenden Kontexte bemerkbar:

  • Öffentliche Transportmittel wie Züge, Busse, Boote etc.
  • Offene Räume wie Märkte, Brücken etc.
  • Geschlossene Räume wie Geschäfte, Kinos etc.
  • Beim Schlange stehen oder mitten in einer Menschenmenge
  • Alleine das Haus verlassen.

Vermeidung

Ein weiteres Kennzeichen für Agoraphobie ist die Vermeidung der gerade genannten Situationen. Die Betroffenen sind nämlich der Ansicht, dass man diesen nur schwer entkommen kann. Sie denken, sie würden bei einer Panikattacke keine Hilfe erhalten. Auch dann nicht, wenn bei ihnen starke Symptome auftreten würden. Darum gehen sie diesen Situationen nicht einfach nur aus dem Weg, sondern fürchten sich massiv davor.

Wenn eine Person mit Agoraphobie sich diesen Situationen ausgesetzt fühlt, nimmt sie immer einen Freund, ein Schutzamulett oder einen anderen Gegenstand mit sich, der Schutz vermittelt. Wenn dieser Mensch sich alleine stellen muss, bleibt ihm nur der Ausweg, mit seiner großen Angst selbst zurechtzukommen. Das kann sich ziemlich lähmend anfühlen.

Agoraphobie: Ständige Angstgefühle

Ein weiteres Kennzeichen für Agoraphobie ist, dass agoraphobe Situationen (also das Objekt, auf das die Angst des Individuums gerichtet ist), fast immer Ängste auslösen. Man könnte auch sagen, dass die Angstgefühle ständig und ohne Unterbrechung vorhanden sind und nicht nur gelegentlich auftreten.

“Die älteste und stärkste Emotion der Menschheit ist die Furcht, und die älteste und stärkste Art der Furcht ist die Angst vor dem Unbekannten.”

H.P. Lovecraft

Unverhältnismäßig starke Angstgefühle

Ein weiteres charakteristisches Symptom für Agoraphobie ist, dass die Angst in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr steht, die in der Situation gegeben ist. Sie steht auch in keinerlei Verhältnis zum soziokulturellen Kontext. Dieses Merkmal gehört nicht nur zur Agoraphobie, sondern zu jeder Art von Phobie.

Mann, der unter Agoraphobie leidet.

Agoraphobie: Die Angst hält mindestens ein halbes Jahr an

Wann können Experten eine Agoraphobie diagnostizieren? Laut DSM-5 ist es erforderlich, dass die Angst, Furcht oder das Vermeidungsverhalten des Patienten dauerhaft für sechs Monate vorhanden sein muss. Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt werden, liegt beim Patienten auch keine Agoraphobie vor.

Eine Auswirkung ist ausgeprägter Stress

Eine Agoraphobie führt zu einer klinisch signifikanten Belastung beim Patienten. Sie kann auch eine Beeinträchtigung der Lebensqualität auf persönlicher, beruflicher oder einer anderen Ebene darstellen. Sagen wir es so: Die Phobie wirkt auf den Patienten wie ein Störfeuer, im Alltag normal zu funktionieren.

“Unbehagen gehört sehr wohl zu meinem Masterplan.”

Jonathan Lethem

Massive Angst

Leiden Patienten unter anderen Krankheiten oder psychischen Störungen, müssen Ängste, Befürchtungen oder ein Vermeidungsverhalten massiv auftreten. Sie sollten auch klar erkennbar sein. Diese Symptome dürfen sich also durch keine andere Erkrankung als Agoraphobie erklären lassen.

Ein Mann mit Agoraphobie hat extreme Angst.

Welche wichtigen Informationen über Agoraphobie gibt es neben den Symptomen?

Wir haben bisher gesehen, welche Symptome das Leben eines Menschen einschränken können. Welche Informationen sind darüber hinaus noch wichtig? Wir hatten zu Beginn des Artikels bereits erwähnt, dass diese Angststörung bei Frauen häufiger auftritt als bei Männern. Sie ist auch für gewöhnlich bei Frauen stärker ausgeprägt. Laut der Studie von Dr. Gómez Ayala treten bei dieser Grunderkrankung zusätzliche psychiatrische Störungsbilder hinzu. Zudem spielt bei Frauen die Genetik eine wichtigere Rolle als Umweltfaktoren. Daraus ergibt sich: Je früher im Leben die Krankheit auftritt, desto ausgeprägter ist die genetische Veranlagung und desto schwerwiegender der Verlauf.

Handelt es sich um eine chronische Krankheit?

Die Agoraphobie ist im Allgemeinen chronisch. Im Verlauf des Lebens kann die Intensität der Krankheit unterschiedlich stark sein. Bloß weil diese Störung in der Regel als chronische Erkrankung gilt, bedeutet das nicht, dass es keine Behandlungsmöglichkeiten gäbe. Eine der besten Möglichkeiten, Agoraphobie zu behandeln, ist in der Tat die Psychotherapie. Fachleute für mentale Gesundheit empfehlen dazu manchmal zusätzlich die Einnahme von Medikamenten.

Wie hängt Agoraphobie mit einer Panikstörung zusammen?

Gemäß der Studie, die Dr. Gómez-Ayala 2012 durchführte, hängt die Agoraphobie oftmals mit einer Panikstörung zusammen. Genau genommen haben 75 % der Menschen, die daran leiden, auch eine Panikstörung. Bei einer Panikstörung treten zwei oder mehr Panikattacken plötzlich nacheinander auf. Dazu kommt die quälende Befürchtung, dass weitere Panikattacken in der Zukunft auftreten könnten.

  • American Psychiatric Association (2014), Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (5th ed.), Arlington: American Psychiatric Publishing.
  • Gómez Ayala, A.E. (2012). Agorafobia y crisis de pánico. Farmacia Profesional, 26(6): 32-39.
  • Jacobson, K. (2004). Agoraphobia and Hypochondria as Disorders of Dwelling. International Studies in Philosophy. 36 (2): 31–44.