Psychohygiene: 5 Gewohnheiten für mehr Lebensqualität

· 22. April 2018

Was würde passieren, wenn wir uns um unseren Geist genauso kümmerten wie um unseren Körper? Die Psychohygiene definiert eine Lebensstrategie, durch die wir ausgeglichener mit unserem Umfeld zusammenleben. Das bedeutet, den Muskel unseres Selbstwertgefühls zu trainieren, den Widerstand der Teilnahmslosigkeit zu überwinden, mehr im Einklang mit unseren Emotionen zu sein und zu lernen, unserem sozialen Umfeld angemessene Filter anzuwenden.

Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass diese Ansätze, die darauf abzielen, unsere geistige Gesundheit zu pflegen, immer beliebter werden. Die Rede ist hierbei von Strategien wie Mindfulness oder sogar Wellness. Alle Techniken haben, gemäß ihrem Ursprung und ihres Konzepts, ein und dasselbe Ziel: Zwischen Geist und Körper soll ein Gleichgewicht geschaffen werden, um nicht nur unser Wohlbefinden, sondern auch die Kontrolle über das eigene Leben zu gewährleisten.

„Ohne Wohlbefinden ist das Leben kein Leben, sondern nur ein Zustand der Niedergeschlagenheit und des Leides.“

Francois Rabelais

Unabhängig davon, ob wir bereits einige dieser Techniken ausprobiert haben, lohnt es sich, ein paar einfache Aspekte zu bedenken. Unser psychisches Wohlbefinden hängt vor allem von unseren Gewohnheiten und den Strategien ab, die jedes Individuum auf Grundlage seiner Eigenschaften entwickelt. Dazu braucht es insbesondere Willenskraft und Durchhaltevermögen, aber auch ein bisschen Kreativität.

Aus diesem Grund ist Psychohygiene eine individuelle Aufgabe, bei der jeder von uns lernen sollte, seinen Verstand zu lüften, seinen Geist zu heilen und sie mit neuem Sauerstoff zu versorgen. Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass wir Teil eines physischen und sozialen Umfeldes sind und auch die von uns erlebten Situationen Einfluss auf unser inneres Gleichgewicht nehmen. Deshalb bedarf die Psychohygiene eines ganzheitlichen Ansatzes, bei dem wir Prioritäten und einen Fokus setzen und jeden Reiz, den wir wahrnehmen, filtern müssen, um ein ausgeglicheneres Leben zu führen.

Nachfolgend möchten wir uns ein paar dieser Strategien ansehen.

Frau mit Schmetterling in ihrem Herzen

1. Psychohygiene: Lerne, den Funken zu erkennen, bevor eine Flamme entsteht

Ein Großteil unserer emotionalen Erlebnisse beruhen auf „Funken“, auf kleinen Entladungen negativer Empfindungen, die in unserem Gehirn zünden. Diese winzigen Entladungen entstehen aufgrund der Ungleichgewichte in unserem Umfeld – ein Kommentar, den wir nicht hören wollten, über den wir aber trotzdem Stillschweigen bewahren; ein Vorschlag, den wir nicht gutheißen, dem wir aber zustimmen; eine Situation, die wir lösen müssen, die wir allerdings aufschieben usw.

Aus diesen Funken wird mit der Zeit eine Flamme. Unser Verstand hat keine Kraft mehr und am Ende sind wir ausgebrannt, in jeder Hinsicht einfach erschöpft. Daher sollten wir in die erste Strategie Zeit und Mühe investieren, um die Ursachen zu erkennen für diese Reize, die uns Unbehagen bringen und die wir so schnell wie möglich bewältigen müssen. Dabei gilt das Sprichwort: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

2. Setze klare Prioritäten und triff bessere Entscheidungen

Jeder gute Sportler kennt seinen Körper, weiß, wo seine Grenzen liegen und trainiert jeden Tag, um sich in Form zu halten und seine Leistung zu verbessern. Diese Leistung entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis einer sorgfältigen Planung, während der Prioritäten gesetzt und Tagesziele klar definiert werden.

Wenn es darum geht, unseren Körper und unsere Psychohygiene zu pflegen, sollten auch wir einen Plan mit unseren Prioritäten und Zielen erstellen. Aus diesem Grund sollte niemand das Haus verlassen, ohne sich wegen eines bestimmten Grundes angezogen, sich Ziele gesetzt und von seiner Motivation angetrieben gefrühstückt zu haben. So wandeln wir auf unseren komplizierten Wegen mit mehr Selbstsicherheit, um zu entscheiden, was uns gut tut und was uns schadet, wovon wir uns verabschieden sollten, um unser eigenes Wohlbefinden zu sichern.

3. Konzentriere dich auf Beziehungen, die auf Gegenseitigkeit beruhen

Ein wesentlicher Punkt, um uns um unsere Psychohygiene zu kümmern und sie zu fördern, ist, auf das Gleichgewicht unserer Beziehungen zu achten. Jede unausgeglichene Verbindung bedeutet einen enormen emotionalen Kraftakt. Sie bedeutet, Zeit, Hoffnungen, Kräfte und Liebe in Menschen zu investieren, die nicht dazu beitragen, dass wir Energie aus der Gegenseitigkeit zurückerhalten.

Frau formt mit ihren Händen ein Herz über ihrem Kopf

Natürlich sind nicht alle unsere Beziehungen ausgeglichen, was das Geben und Nehmen anbelangt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Dennoch ist es notwendig, dass unsere wichtigsten Bindungen, wie die zum Partner, innerhalb der Familie oder zu Freunden, ausgeglichen sind und wir eine Gleichgewicht in ihnen finden.

4. Lerne, mit unglücklichen Situationen zu leben

Wer sich gegen das Unglück, Niederlagen, Verluste oder Fehler sträubt, blockiert sich selbst mit Unlust, Wut und Unbehagen. Eine gesunde Psychohygiene bedarf hingegen der Fähigkeit, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Das passiert nur, wenn man dazu in der Lage ist, seine eigenen Mauern einzureißen, und lernt, das Unglück, die schwierige sowie heikelste Seite des Lebens anzunehmen.

Aus diesem Grund sollten wir Licht und Schatten unserer Realität akzeptieren. Denn zur Psychohygiene gehört die Fähigkeit, heilen zu können. Und um zu heilen, müssen wir zuerst die Existenz einer Wunde akzeptieren, ohne sie zu verneinen, ohne sie jeden Tag wieder aufzureißen oder sich täglich über sie zu ärgern.

5. Ein ausgeglichener Geist ist ein fokussierter Geist

Clifford Saron ist Neurowissenschaftler am Zentrums für Geist und Gehirn der University of California (Kalifornien, USA). Seine interessanten Arbeiten zeigen, wie das Training unserer Aufmerksamkeit sich auf unsere Gefühle auswirkt. Ein fokussierter und ausgewogener Geist bedeutet Wohlbefinden und ein gesünderes Gehirn. Seinen Erklärungen zufolge seien sich die meisten von uns der großen Plastizität ihrer neurologischen Schaltkreise nicht bewusst. Wenn wir lernen, uns jeden Tag auf die Gegenwart zu konzentrieren, auf das, was um uns herum geschehe, und nicht so sehr auf die Vergangenheit oder Zukunft, die noch nicht existiere, werden wir mehr Möglichkeiten sehen, werden optimistischer und weniger Angst empfinden.

Meditierende Frau vor Sternenhimmel

Um unsere Aufmerksamkeit zu trainieren, kann es sehr hilfreich sein, das Meditieren zu lernen. Aber es gibt noch einen anderen Aspekt, den wir nicht unterschlagen sollten: Für einen fokussierten Geist muss der Körper ebenfalls entspannt sein. Deshalb sollten wir auch auf so grundlegende Aspekte achten, wie einen gesunden Schlaf zu finden, einen kleinen Mittagsschlaf von 15 oder 20 Minuten zu machen, spazieren zu gehen, uns zu dehnen, um unsere Muskeln zu entspannen, uns ausgewogen zu ernähren usw.

Zusammengefasst können wir sagen, dass die Psychohygiene eine ausgezeichnete Lebensstrategie ist, die sich aus verschiedenen Aktivitäten zusammensetzt. Das sind Dynamiken und tägliche Gewohnheiten, die sich darauf konzentrieren, unser physisches und psychisches Wohlbefinden zu sichern. Wir sollten für uns die Gewohnheiten auswählen, die am besten zu unseren Bedürfnissen passen, und sollten gleich heute damit beginnen, in uns selbst zu investieren.