Wisława Szymborska: Ihre Biografie und ihre Werke

6. September 2019
Wisława Szymborska‘s poetisches Werk, mit rund 350 veröffentlichten Gedichten, wurde von Kritikern und Lesern gleichermaßen geschätzt.

Wisława Szymborska war eine polnische Dichterin, Essayistin und Übersetzerin. Sie verfasste über 15 Gedichtbände, war darüber hinaus aber auch Herausgeberin und Illustratorin. In ihrer Arbeit kannst du die erstaunliche persönliche und intellektuelle Entwicklung schätzen, die sie durchgemacht hat. Sie war eine Frau, die von der deutschen Besetzung Polens während des Zweiten Weltkriegs geprägt war.

In ihren jüngeren Jahren musste Wisława heimlich im von Deutschland besetzten Polen studieren. Nach dem Krieg wurde die Dichterin zur Kommunistin. Während ihres Lebens verlor sie jedoch den Glauben an den Kommunismus und stimmte der Ideologie darauf hin nicht mehr zu. Nach ihren ersten beiden Büchern unterstützte Wisława Stalin nicht mehr.

Sie gewann den Nobelpreis für Literatur, aber ihr Leben drehte sich nicht nur um die literarische Produktion. Wisława Szymborska war auch berühmt für ihre polnischen Übersetzungen universeller Meisterwerke.

Wislawa Szymborska wurde in Prowent geboren

Wisława Szymborska’s Kindheit

Tatsächlich war Wisława eigentlich ihr zweiter Vorname. Ihr voller Name lautete María Wisława Anna Szymborska. Sie wurde am 2. Juli 1923 in Prowent geboren, das heute Teil von Kórnik ist und im Westen von Polen liegt.

Als sie geboren wurde, war ihr Vater Butler für Graf Wladyslaw Zamoyski, einem Tycoon und Landbesitzer. Dem Grafen gehörte Prowent.

Ihre Familie war sehr intellektuell. Alle Familienmitglieder lasen viel und diskutierten Bücher. Wisława zeigte ihrem Vater stets ihre Gedichte und wenn er ihr Werk mochte, gab er ihr als Belohnung eine Münze.

Nach einem zweiten Umzug im Jahre 1931 schrieb sich Wisława in einem Schulkloster in Krakau ein. Sie konnte dort aber ihr Studium nicht beenden. In ihrer Jugend litt die Dichterin unter dem frühen Tod ihres Vaters und der deutschen Besetzung Polens.

Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf Szymborska

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde Polen im Jahre 1940 von Nazideutschland besetzt. Dies hinderte polnische Bürger daran, öffentliche Schulen zu besuchen. Wisława setzte ihr Studium jedoch in einer unterirdischen Schule auf dem Wawel-Schloss fort.

Während des 20. Jahrhunderts war das Wawel-Schloss nach der Besetzung Polens die offizielle Residenz des Präsidenten. Krakau wurde die Zentrale des deutschen Kabinetts, während Schloss Wawel später der Wohnsitz von Hans Frank, dem Chefjuristen des nationalsozialistischen Deutschlands, wurde.

Nach ihrem jahrelangen Untergrundstudium schloss Wisława Szymborska 1941 ihr Abitur ab.

1943 begann sie in der Eisenbahnbranche zu arbeiten, um eine Abschiebung zur Zwangsarbeit nach Deutschland zu vermeiden. Während dieser Zeit gelang es ihr, englische Lehrbücher zu illustrieren und Geschichten und Gedichte zu schreiben.

Nach Kriegsende im Jahre 1945 schrieb sich Wisława an der Jagiellonen-Universität ein, um polnische Literatur zu studieren. Später wechselte sie ihre Karriere und studierte Soziologie. Allerdings musste sie ihr Studium 1948 aus finanziellen Gründen abbrechen.

Wislawa machte ihr Debüt in der Zeitung Dziennik Polski

Die literarischen Anfänge von Wisława Szymborska

Im März 1945 machte Wisława Szymborska ihr Debüt in der Zeitung Dziennik Polski, in der sie ihr Gedicht Szukam słowa (Auf der Suche nach dem Wort) veröffentlichte. Bald darauf wurden viele ihrer Gedichte in verschiedenen Zeitungen und lokalen Medien veröffentlicht.

Nach dem Abbruch ihres Studiums im Jahr 1948 nahm sie eine Stelle als Sekretärin in einem Lehrmagazin an, das alle zwei Wochen erschien. Etwa zur gleichen Zeit arbeitete sie auch als Illustratorin für diese Zeitschrift und schrieb darüber hinaus weiterhin Gedichte. 1949 stellte sie ihre erste Gedichtesammlung fertig.

Wie bei den meisten Intellektuellen dieser Zeit spiegelten auch die frühen Werke von Szymborska die sozialistische Philosophie wider, die Polen zu dieser Zeit kennzeichnete. Ihre erste Sammlung, Dlatego żyjemy (Deshalb leben wir, 1952), enthält viele der Gedichte, die ihre politischen Ansichten widerspiegeln.

In den 50er Jahren wurde Szymborska Mitglied der polnischen United Workers‘ Party. Ihre nächste Sammlung, Pytania zadawane sobie (Fragen die ich mir stelle), die 1954 veröffentlicht wurde, widmete sich ihren sozialistischen Idealen.

Szymborska wurde jedoch von der kommunistischen Ideologie enttäuscht und in ihrer dritten Gedichtesammlung, Wołanie do Yet (Rufe an Yeti), die 1957 veröffentlicht wurde, erklärt sie ihre Ernüchterung und wie sich ihre Gedanken verändert hatten. Die Gedichte in dieser Sammlung drücken ihre Unzufriedenheit mit dem Kommunismus und insbesondere mit dem Stalinismus aus.

In diesen Gedichten kümmert sie sich um die Menschlichkeit und vergleicht Stalin sogar mit den Yeti. Mit diesen Aktionen trennte sie sich von der polnischen United Workers‘ Party.

„Zu Beginn meines kreativen Lebens liebte ich die Menschheit. Ich wollte etwas Gutes für die Menschheit tun.“

-Wisława Szymborska-

Die Dichterin lehnte schließlich ihre ersten beiden Sammlungen ab. Sie dachte, dass sie Teil dieses sozialistischen Realismus wären, dem sie für den Rest ihres Lebens sehr kritisch gegenüberstehen würde.

Während ihres Lebens hat Wisława Szymborska 15 Gedichtbände geschrieben

Wisława Szymborska: Ihr Werk

Während ihres Lebens hat Wisława Szymborska 15 Gedichtbände geschrieben. Sie war jedoch nicht nur eine berühmte Dichterin, sondern galt dank ihrer Rezensionen über Bücher und ihrer Übersetzungen französischer Gedichte auch als Kritikerin und Übersetzerin.

Ab 1968 begann sie ihre eigene Kolumne. Unter dem Titel  „Lektury Nadobowiązkowe“ (Feuilletons) rezensierte sie dort Bücher. Die meisten dieser Essays wurden später als Buch zusammengestellt und veröffentlicht.

Neben ihrem Nobelpreis für Literatur im Jahr 1996 erhielt Szymborska viele Auszeichnungen, darunter folgende:

  • Polnischer Kulturministeriumspreis (1963)
  • Goethe-Preis (1991)
  • Herder-Preis (1995)
  • Polnischer PEN-Übersetzungspreis (1996)

1995 wurde ihr der Titel Ehrendoktor der Künste von der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen verliehen. Wisława Szymborska wurde 2011 außerdem mit dem Orden des Weißen Adlers ausgezeichnet. Dies ist die höchste Ehre, die die polnische Regierung jedem Einzelnen zuteilen kann.

Ihr persönliches Leben und ihr Vermächtnis

Wisława Szymborska heiratete 1948 den Dichter Adam Włodek. Ihr Haus in der Krupnicza-Straße 22 in Krakau wurde zum Treffpunkt vieler Schriftsteller dieser Zeit. Unter den Besuchern sticht vor allem der Schriftsteller Czeslaw Milosz hervor. Das Ehepaar ließ sich 1954 scheiden, aber Wislawa und Adam blieben enge Freunde. Sie hatten keine Kinder.

15 Jahre später begann Szymborska eine Beziehung mit dem Schriftsteller Kornel Filipowicz. Die beiden waren nie verheiratet und lebten immer getrennt.

„Lass die Menschen, die nie die wahre Liebe finden, sagen, dass es so etwas nicht gibt. Ihr Glaube wird es ihnen leichter machen, zu leben und zu sterben.“

Wisława Szymborska starb am 1. Februar 2012 friedlich im Schlaf in ihrem Haus in Krakau. Sie war 88 Jahre alt und arbeitete an einem neuen Gedicht.

Heutzutage sind Szymborska’s Gedichte in einigen Schulprogrammen enthalten. Sie ist eine international bekannte Dichterin und ihre Werke wurde in folgende Sprachen übersetzt:

  • Englisch
  • Französisch
  • Deutsch
  • Arabisch
  • Hebräisch
  • Japanisch
  • Chinesisch
Die Dichterin gewann den Nobelpreis für Literatur

Ihre Gedichte sind aufgrunddessen beachtenswert, da sie präzise und schön formuliert sind. Gleichzeitig vermittelt ihre poetische Arbeit das Gefühl ironischer Distanziertheit.

„Jeder Anfang ist schließlich nur eine Fortsetzung und das Buch der Ereignisse ist immer zur Hälfte geöffnet.“

-Wisława Szymborska-

Während die polnische Geschichte zu Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Stalinismus ihre Dichtung eindeutig beeinflussten, war Wisława Szymborska eine zutiefst tiefgründige Dichterin. Sie erkundete viele große Wahrheiten in alltäglichen und banalen Dingen. Ihre Gedichte spiegeln die vielen Dinge wider, die ihr Leben geprägt haben, und wie dies sich, genau wie ihre Gedichte, mit jedem Tag weiterentwickelte und viele Wege nahm.

  • Szymborska, W., Poniatowska, E., Beltrán, G., & Murcia, A. A. (2008). Poesía no completa. Fondo de Cultura Económica.
  • Piotrowski, B. (1998). La gran dama de la lírica: Wislawa Szymborska. Instituto Caro y Cuervo.
  • Szymborska, W., ed Filipowicz-Rudek, M., Carlos, J., & intr Baranowska, M. (1998). El gran número. Fin y principio y otros poemas.
  • Szymborska, W. (2002). Miracle Fair: Selected Poems of Wislawa Szymborska. WW Norton & Company.