Wie sieht Mobbing am Arbeitsplatz aus?

28 März, 2018
 

Menschen oder Personengruppen, die unter Mobbing leiden, erfahren ungerechtfertigte psychische Gewalt in Form feindseliger Taten am oder auch außerhalb des Arbeitsplatzes. Das Konzept von Mobbing am Arbeitsplatz, das ins Deutsche übersetzt psychischer Missbrauch am Arbeitsplatz heißt, beinhaltet vor allem eine ethische Komponente, die sich durch ein respektloses und menschenunwürdiges Verhalten gegenüber Arbeitskollegen auszeichnet. Wir können deshalb sagen, dass es sich dabei in jedem Fall um ein moralisch verwerfliches Verhalten handelt.

Mobbing kann von den nächsten Kollegen („horizontales Mobbing“, also unter Gleichrangigen), von Untergebenen (vertikal von unten nach oben) oder von Vorgesetzten („Bossing“, vertikal von oben nach unten) ausgehen.

Die Cisneros-Skala ist ein Werkzeug zur Erforschung von Mobbing und wurde von der Universität von Alcalá in Spanien erstellt. Cisneros-Umfragen zufolge waren mehr als 16 % der in Spanien befragten Arbeitskräfte, hochgerechnet sind das mehr als 2,3 Millionen Arbeitnehmer, in den letzten sechs Monaten psychischem Missbrauch oder Mobbing an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt. 12 % der befragten Arbeitnehmer stimmten der Aussage voll und ganz zu, dass das generalisierte Mobbing am Arbeitsplatz ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtige.

 

„Du darfst niemals zulassen, im Stillen misshandelt zu werden. Erlaube dir niemals, ein Opfer zu sein. Akzeptiere nicht, dass irgendjemand über dein Leben bestimmt, bestimme du selbst über dich.“

Tim Felder

Vorgehensweisen bei Mobbing am Arbeitsplatz

Wer Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz ist, dem wird glauben gemacht, dass er eine schlechte Arbeitskraft und sogar ein schlechter Mensch sei. Die Mobbing-Attacken enden nicht damit, dass seine Leistungsfähigkeit verringert wird, sondern greifen das Opfer auch auf persönlicher Ebene an, worunter das Selbstverständnis des Betroffenen leidet. So wird ein anfänglich geschätzter oder sogar brillanter Arbeitnehmer zu einem Schatten dessen, was er einst war.

Verzweifelter Mann mit Brille

Er wird zu einem Angestellten, der denkt, dass er alles falsch mache und ein Taugenichts sei, wodurch er denjenigen recht gibt, die ihn beschuldigen, zu nichts in der Lage zu sein. Aus diesem Grund entwickelt er nach und nach ein katastrophales Selbstbild – zunächst als Arbeitnehmer, später als Mensch, was ihn mittel- oder langfristig und angesichts neuer Anschuldigungen lähmt und psychische Schäden zur Folge hat.

 

Das herkömmliche Ziel bei Mobbing am Arbeitsplatz besteht darin, die Leistung des Arbeitnehmers zu vermindern, um dessen Kündigung, Ausscheiden oder Ausschluss aus dem Unternehmen zu bewirken oder zu erleichtern.

Unter anderem gibt es folgende Strategien zum Mobbing am Arbeitsplatz:

  • Das Opfer wird angeschrien, angefeindet oder beleidigt, wenn es allein oder in Gegenwart anderer ist.
  • Das Opfer wird ständig bedroht oder mit anderen verglichen.
  • Gleichzeitig wird er anders oder diskriminierend behandelt, man wendet gewisse Umgangsformenn nur gegen ihn an, er wird vor anderen Kollegen oder Vorgesetzten stigmatisiert, wird ausgeschlossen, diskriminiert und sein Fall wird anders behandelt.
  • Er wird ignoriert, übersehen oder ausgeschlossen, man redet nur in der dritten Person über ihn, tut so, als wäre er nicht da, als wäre er Luft und nicht anwesend.
  • Die vom Opfer geleistete Arbeit wird abgewertet oder erst gar nicht wertgeschätzt, und es wird abgelehnt, seine Arbeit turnusmäßig zu bewerten.
 
  • Ihm werden Ziele oder Projekte mit Fristen zugeordnet, von denen man weiß, dass sie unmöglich einzuhalten oder umzusetzen sind, sowie Aufgaben, die in dem vorgegebenen Zeitraum einfach nicht zu bewältigen sind.
  • Seine Aufgaben oder Verantwortlichkeiten werden geändert, ohne dem Arbeitnehmer etwas zu sagen.
  • Ihm werden wichtige Informationen bzgl. seiner Arbeit verschwiegen oder diese werden manipuliert, damit er bei seiner Arbeit Fehler macht und man ihn danach als fahrlässig oder unprofessionell bezeichnen kann.
  • Es wird sich über die Arbeit, die Ideen oder vom Opfer erhaltenen Ergebnisse vor anderen Angestellten lächerlich gemacht, sie werden karikiert oder parodiert.
  • Das Opfer wird in Verruf gebracht. Es werden innerhalb des Unternehmens oder Konzerns gemeine oder verleumderische Gerüchte verbreitet, die seinem Ruf, seinem Image oder seiner Professionalität schaden.
Beschuldigte Frau
 

„Wenn man dich wieder und wieder verletzt, solltest du diese Menschen wie Schleifpapier sehen. Sie können dich zwar ein bisschen kratzen oder verletzen, aber am Ende bist du poliert und sie sind abgenutzt.“

Chris Colfer

Was sind die Gründe dafür, dass es Mobbing am Arbeitsplatz oder in irgendeiner Art von Organisation gibt?

Mobbing am Arbeitsplatz findet durch einen oder mehrere Angreifer statt, die unter dem Schutz organisatorischer Merkmale arbeiten, die ihnen eine gewisse Straffreiheit oder einen bestimmten Handlungsspielraum gewähren. Deswegen muss betont werden, dass es für gewöhnliche nicht die Organisationen, sondern mit ihr verbundene Individuen sind, die Mobbing praktizieren. Das trifft allerdings nicht auf Fälle zu, in denen eine Organisation existiert, die perverse Zwecke verfolgt, was mehr ein Merkmal von zerstörerischen Organisationen oder Sekten als von Firmen ist.

Die Aggressoren haben verschiedene Gründe, um anzufangen, jemanden zu mobben. In den meisten Fällen ist die Erklärung dafür, dass der Arbeitnehmer, der Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz ist, aus irgendeinem Grund für die ihn anfeindende Personengruppe eine Bedrohung darstellt oder sich zu einer Bedrohung für sie zu entwickeln scheint. Das Opfer wird dann wegen der Akzeptanz oder der Wertschätzung, die es durch seine Kollegen, Untergeordneten, Vorgesetzten, Patienten oder Klienten erfährt, wegen seiner Gabe, mit Menschen umzugehen, aufgrund positiver Bewertungen oder erhaltenem Lob beneidet.

 

In Studien fand man heraus, dass der Hauptfaktor, warum Mobbingopfer psychischen Missbrauch am Arbeitsplatz erleiden, die Eifersucht auf einen Wettstreiter oder seine außergewöhnlichen beruflichen Fähigkeiten ist.

 

Mann wird am Arbeitsplatz von allen gemobbt

 

Mobbing am Arbeitsplatz kann auch dadurch ausgelöst werden, dass sich der Angestellte nicht von anderen manipulieren lässt oder dass er „nicht aus demselben Holz geschnitzt ist“ wie diejenigen, die den Status quo im Unternehmen oder der Organisation definieren. Wenn es am Arbeitsplatz Personengruppen gibt, die ihre Interessen verfolgen und befehlshaberisch sind, besteht das Mobbing normalerweise darin, diejenigen auf beruflicher Ebene zu zerstören, die nicht ihrer Meinung sind, die nicht über sich bestimmen oder sich kaufen lassen und die daher für sie eine Bedrohung darstellen. Wenn es sich bei dem Opfer um eine Frau handelt, entsteht Mobbing manchmal auch dadurch, dass sie sich nicht durch sexuelle Anspielungen einschüchtern lässt.

 

In anderen Fällen wird der Arbeitnehmer zum Ziel von Anfeindungen, weil er familiäre oder anderweitige Erfolge erfährt, wegen derer er von anderen beneidet wird, die solche Situationen eventuell nicht erleben. Häufig ist ein Grund für Mobbing auch, dass jemand anders ist. Damit beziehen wir uns auf Arbeitnehmer, die Eigenschaften aufweisen, die sie von den restlichen Angestellten unterscheiden. Das können Altersunterschiede, unterschiedliche Qualifikationen, bessere Sprachkenntnisse, mehr Berufserfahrung, ein anderes Geschlecht, andere Gewohnheiten etc. sein. Für gewöhnlich bedeutet das, dass sie von einer großen Gruppe von Kollegen angefeindet werden.

Missbrauch besteht darin, dass ein weniger kompetenter und aggressiver Mensch seine Unfähigkeit auf eine kompetentere und weniger aggressive Person projiziert.

Psychische Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz

Verschiedene Ergebnisse von empirischen Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen Missbrauch am Arbeitsplatz und den Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Man fand heraus, dass Menschen, die Opfer von psychischem Missbrauch bei der Arbeit sind, langfristig zu Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung neigen, wie Vermeidungsverhalten, anhaltende Erinnerungen an das traumatische Erlebnis und heftige Emotionen.

 
Ängstliche Frau umarmt sich selbst

Als Vermeidungssymptome gelten jene Verhaltensweisen, die darauf abzielen, bedrohlichen Situationen aus dem Weg zu gehen, aber auch Angst vor allem, was mit der Arbeit zu tun hat. Wer am Arbeitsplatz gemobbt wurde, vermeidet es, über seine Arbeit zu reden, den Kontakt zu Kollegen zu pflegen, an Aktivitäten teilzunehmen oder Orte aufzusuchen, die im Zusammenhang mit dem gefürchteten Erlebnis stehen. Flashbacks kommen im Form von Albträumen oder Träumen, die mit den Erlebnissen und Interaktionen auf der Arbeit zu tun haben. Oder es kommt das Gefühl auf, dass sich das Erlebte wieder ereignen könne.

Symptome der physiologischen Aktivierung, die die Arbeitnehmer, die Mobbing bei der Arbeit ausgesetzt sind, erfahren, sind Herzrasen, Schweißausbrüche, erhöhte Anspannung, Hypervigilanz, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.

 

„Der häufigste Fehler der Täter ist, dass sie davon ausgehen, dass jemand schwach sei, nur weil er ein netter oder guter Mensch ist. Diese Eigenschaften haben absolut nichts miteinander gemein. In der Tat ist es so, dass man viel Kraft und Charakterstärke braucht, um ein guter Mensch zu sein.“

Mary Elizabeth Williams

Wie wir sehen, ist Mobbing am Arbeitsplatz eine besorgniserregende Situation, die uns in Alarmbereitschaft versetzen sollte, um ihr vorzubeugen oder notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um ihr ein Ende zu bereiten.