Wie die Montessoripädagogik unser Verständnis von Erziehung veränderte

· 29. Mai 2019

Maria Montessori war eine italienische Pädagogin, Philosophin, Philanthropin und Psychologin. Ihre Überzeugungen waren stark von Katholizismus und Feminismus geprägt und 1896 promovierte sie an der Universität Rom in Medizin. Sie lebte zur gleichen Zeit wie Sigmund Freud, entwickelte aber ihre eigene Klassifikation von psychischen Erkrankungen – und natürlich das Konzept der Montessoripädagogik.

Zwischen 1898 und 1900 arbeitete sie mit Kindern, die damals als „geistig gestört“ galten. Montessori erkannte, dass einige der Kinder aber nur noch nicht die Gelegenheit hatten, ihr ganzes Potenzial zu entfalten. Dies veranlasste Montessori, das kontemporäre Bildungskonzept zu reformieren. Tatsächlich sollte sich Montessori 50 Jahre lang mit dem Thema der Kindererziehung auseinandersetzen.

Montessori stellte die kontroverse Theorie auf, dass Lernen in den ersten drei Lebensjahren ein müheloser, natürlicher Prozess sei. Ihre darauf aufbauende Methode entsprach daher nicht der klassischen preußischen Unterrichtsmethode, die stark durch die Einflüsse der industriellen Revolution geprägt war, und bis heute noch ihre Anhänger in der westlichen Pädagogik hat.

Bei dem preußischen Modell steht die Idee im Vordergrund, dass Kinder für den Arbeitsmarkt bestmöglich ausgebildet werden müssen. Montessori aber legte aber einen anderen Fokus in Sachen Kindererziehung und etablierte ihre berühmte Montessoripädagogik. In diesem Artikel wollen wir einige ihrer wichtigsten Ideen beleuchten.

„Die wichtigste Lebens- und Lernphase ist nicht die Zeit des Studiums, sondern die Zeit von der Geburt bis zum Alter von sechs Jahren.“

Maria Montessori

Maria Montessori von Kindern umgeben

Die Montessoripädagogik

In der Montessoripädagogik sollen die einzelnen Entwicklungsphasen des Kindes optimal gefördert werden. Dazu ist es notwendig, die Lernumgebung sorgfältig vorzubereiten und an die körperlichen und geistigen Gegebenheiten der Kinder anzupassen.

Dieser pädagogische Ansatz verpflichtet sich, den persönlichen Rhythmus und den individuellen Stil jeden einzelnen Kindes zu respektieren. Einige der Schlüsselelemente dieser Form der Pädagogik sind das Interesse an den einzelnen Wachstumsphasen des Kindes seitens des Pädagogen und die Tatsache, dass Kinder von sich aus einen Wissensdurst haben, den sie stillen wollen.

Die Methode von Maria Montessori besteht aus Elementen, die Erkundungs- und Entdeckungsprozesse seitens der Kinder fördern. Diese helfen ihnen, sich auf natürliche Weise zu entwickeln und fördern gleichzeitig ihre Autonomie. Hier sind einige der wichtigsten Komponenten der Montessoripädagogik.

„Frühkindliche Bildung ist der Schlüssel zur Verbesserung der Gesellschaft.“

Maria Montessori

Wachstumsperioden

Dieser Punkt bezieht sich darauf, dass die Psyche des Kindes in verschiedenen Lebensstadien unterschiedlich weit entwickelt ist. Einzelne Lebensstadien zeichnen sich deshalb durch verschiedene Eigenschaften und Fähigkeiten aus. Tatsächlich haben sich Entwicklungspsychologen mit diesen Stadien intensiv auseinandergesetzt.

Lehrerin zeigt ihren Schülern, wie sie eine Aufgabe erledigen können

Sensible Perioden

In bestimmten Phasen fällt es dem Kind leicht, Neues zu lernen. Wenn das Kind die Gelegenheit zum Lernen nicht nutzt, kommt diese so nicht wieder. Später wird es dann viel schwieriger für das Kind (den Jugendlichen oder Erwachsenen), sich später bestimmte Kenntnisse oder Fähigkeiten anzueignen.

Ein aufnahmefähiger Geist

Von der Geburt bis zum dritten Lebensjahr kann ein Kind kaum Erinnerungen abrufen oder Vernunft einsetzen. Aber in dieser Lebensphase kann das Kind viel Wissen erwerben, da sein Gehirn äußerst aufnahmebereit ist. Wie bereits erwähnt, war Maria Montessori fest davon überzeugt, dass das Lernen ein natürlicher Prozess sei, der dem Kind Freude bereitet.

Umgebung

Alle Objekte in der Lernumgebung sollen nützlich sein, was heißt, dass der Erzieher sie sorgfältig auswählen muss. Die Schüler müssen in der Lage sein, alle möglichen Werkzeuge und Stimuli auszuwählen, um ihre positive Entwicklung zu fördern.

„Wenn Kinder mit der Natur in Kontakt kommen, zeigen sie, was in ihnen steckt.“

Maria Montessori

Freiheit, Struktur und Ordnung

Kinder sollen im Unterricht maximale Freiheit haben. Diese regt ihre Autonomie und Lust am Lernen an. Es ist dennoch wichtig, dass Materialien in der Lernumgebung geordnet aufbewahrt werden. Dies ermöglicht es jedem Kind, seine eigene Intelligenz und geistige Ordnung zu entwickeln.

Umwelt und Natur

Montessori war überzeugt, dass Kinder zu Kontakt mit der Natur ermutigt werden sollten. Sie glaubte, dies würde ihnen helfen, die Ordnung, Harmonie und Schönheit der Natur zu verstehen und zu schätzen. Das ultimative Ziel dabei ist, die Naturgesetze zu verstehen, die die Grundlage aller Wissenschaften sind.

Erzieher

Gemäß Montessoris Philosophie spielen Pädagogen die Rolle des Vermittlers während des Lernprozesses. Aber in der Montessoripädagogik besteht ihre Funktion nicht darin, Wissen zu vermitteln, das Kinder auswendig lernen müssen. Sondern im Gegenteil, die Lehrer sollen die Kinder unterstützen, ihre eigenen Interessen frei zu erkunden.

Mit anderen Worten: Pädagogen sollen den Wunsch der Kinder nach Lernen fördern, ohne ihre individuellen Prozesse zu behindern oder in diese einzugreifen.

Eine Lehrerin liest vor.

Die Bedeutung von Ecken in der Montessoripädagogik

Bei der räumlichen Gestaltung spielen Ecken eine wichtige Rolle in der Montessoripädagogik. Das Ziel ist es, eine anregende Atmosphäre in den Räumen zu schaffen, in denen Kinder ihre motorischen und psychischen Fähigkeiten entwickeln sollen.

Die Ecke des Hauses

Diese bezieht sich auf Räume, in denen sich die persönlichen Objekte des Kindes befinden. Sie sollen die Organisation fördern sowie Stabilität und Ordnung schaffen. Darüber hinaus fühlen sich Kinder in Gegenwart ihrer eigenen Sachen sicherer.

Sprachecken

Diese Ecken voller Matten und Kissen sollen die Sprachfähigkeit der Schüler fördern. Für diesen Bereich ist es wichtig, Bücherregale zu haben, aus denen die Kinder Lesematerial auswählen können.

Sinnesecken

Dies ist der Bereich, der die Sinneswahrnehmung der Schüler schärfen soll. Dazu werden Farben und Töne genutzt. Deshalb kann eine Sinnesecke mit Musikinstrumenten, bunten Karten, Materialien mit verschiedenen Texturen und unterschiedlichen Spielsachen dekoriert werden. Alle diese Reize fördern Aufmerksamkeit und Sensibilität.

„Sage ihnen nicht, wie es geht. Zeigen ihnen, wie es geht, und sage kein Wort. Wenn du es ihnen sagst, werden sie beobachten, wie sich deine Lippen bewegen. Wenn du es ihnen aber zeigst, werden sie es selbst tun wollen.“

Maria Montessori