Wie beeinflussen uns die Farben des Lichtes?

Licht ist ein Symbol des Lebens und der Freude und hat deshalb mehr Aufmerksamkeit verdient. Erfahre heute, wie die Farben des Lichtes unsere psychische und physische Gesundheit beeinflussen.
Wie beeinflussen uns die Farben des Lichtes?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 07. November 2022

An sonnigen, lichterfüllten Tagen sind wir meist gut gelaunt, doch in der dunklen Jahreszeit macht sich oft Trübsinnigkeit breit und wir erleben den typischen Winterblues. Das Licht ist für unsere Gemütsstimmung entscheidend, wobei Aspekte wie Tageszeit, natürliches oder künstliches Licht sowie Helligkeit eine wesentliche Rolle spielen. Besonders wichtig sind jedoch auch die  Farben des Lichtes, die sich auf unsere psychische und physische Gesundheit auswirken. Es lohnt sich, etwas tiefer zu gehen und dieses Thema zu erforschen.

Die Farben des Lichtes

Im Laufe des Tages verändern sich die Farben des Sonnenlichtes: Am Morgen und am Abend, wenn die Sonne tief steht, überwiegt rötliches Licht, mittags jedoch genießen wir bläuliches Tageslicht. Rotes und blaues Licht befindet sich auf der entgegengesetzten Seite des Regenbogens und haben verschiedene Wirkungen. Während Rottöne wärmend sind und mit Gemütlichkeit und Entspannung assoziiert werden, erzielen die kalten Blautöne eine anregende Wirkung und fördern Konzentration und Produktivität.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse in diesem Bereich sowie technische Fortschritte ermöglichen es uns, mit gezieltem Lichtdesign, das psychische und physische Wohlbefinden spezifischer Personengruppen sowie auch im Allgemeinen zu verbessern. Das Human Centric Lighting hat sich dies zum Ziel gesetzt.

Frau blickt in die Sonne - die Farben des Lichtes beeinflussen uns

Human Centric Lighting (HCL): Was ist das?

Dieser Begriff beschreibt Beleuchtungen, die entwickelt werden, um eine positive psychologische oder physiologische Wirkung zu erzielen. Es geht also darum, die emotionalen und biologischen Wirkungen von Licht auf den Menschen gezielt zu nutzen. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns Licht nicht nur ermöglicht zu sehen, sondern auch emotionale Zustände, die Konzentrationsfähigkeit oder den zirkadianen Rhythmus und somit unser Wach- und Schlafverhalten beeinflusst.

Das Licht kann unter anderem so eingestellt werden, dass es die biologische Uhr unterstützt und gleichzeitig emotionale Bedürfnisse reguliert. Dabei spielen unter anderem die Farben des Lichtes eine bedeutende Rolle: Tageslichtweiß und Kaltweiß eignen sich unter anderem für ein aktives Arbeitsumfeld, Warmweiß hingegen wirkt entspannend und beruhigend. Human Centric Lighting ermöglicht es außerdem, die Helligkeit und Farbtemperatur an den natürlichen Tageslichtverlauf anzupassen: Moderne LED-Lampen lassen sich durch Tuning entsprechend anpassen.

Ansrpuchsvolle Sehaufgaben benötigen eine präzise, kühl-weiße Beleuchtung. Bei Besprechungen, in Ruheräumen oder abends vor dem Schlafengehen ist jedoch warm-weißes Licht vorteilhafter. Die moderne Lichtgestaltung ermöglicht die Anpassung an verschiedene Szenarien.

Weißes Licht

Die Lichtfarben werden in drei Gruppen eingeteilt. In diesem Zusammenhang sprechen Experten auch von Farbtemperatur, die in Kelvin gemessen wird. Je niedriger die Temperatur, desto warm-weißer die Lichtfarbe.

  • Warmweiß (<3.300 Kelvin): Der Rotanteil ist höher, was für Wärme, Gemütlichkeit und Behaglichkeit sorgt. Dieses Licht empfiehlt sich unter anderem in Wohn- und Schlafzimmern.
  • Neutralweiß (3.300 bis 5.300 Kelvin): Dieser Farbton eignet sich als sachliches Arbeitslicht am besten.
  • Tageslichtweiß (>5.300 Kelvin): In diesem Fall ist der Blauanteil höher. Das nüchterne Licht sorgt für eine kühlere Raumatmosphäre und kommt deshalb vielfach in Büros zum Einsatz.

Moderne LED-Technologien ermöglichen es, natürliches Licht und den Sonnenverlauf nachzuahmen. In diesem Zusammenhang hören wir vermehrt von “biologisch wirksamer Beleuchtung” oder “Human Centric Lighting”. Die sonnenähnliche Beleuchtung soll sich wie Sonnenlicht positiv auf die psychische und physische Gesundheit auswirken.

Blaues Licht

Die Netzhaut ist mit verschiedenen Lichtrezeptoren ausgestattet: Neben Zapfen und Stäbchen verfügt das Auge auch über photosensitive Ganglienzellen (ipRGC), die das lichtempfindliche Protein Melanopsin enthalten und die Umgebungshelligkeit erkennen. Diese Photorezeptoren reagieren empfindlich auf blaues Licht mit einer Wellenlänge von etwa 490 nm. Sie sind in der Lage, die Produktion von Melatonin zu hemmen.

Zwei einfache Maßnahmen sind in diesem Zusammenhang hilfreich:

  • Blaulichtfilter: Brillengläser mit Blaulichtfilter können unter anderem Blendung und Lichtstress reduzieren. Sie filtern das schädliche kurzwellige Licht und können so den Sehkomfort verbessern und den schädlichen Auswirkungen von Blaulicht vorbeugen. Abends lohnt es sich außerdem, das Handy beiseitezulegen und sich entspannender Lektüre zu widmen.
  • Abdunkeln des Schlafzimmers: In vielen Ländern wird die Straßenbeleuchtung auf LEDs umgestellt, was die Emissionen im blauen Spektrumbereich erhöht, die den Schlaf beeinflussen können. Doch nicht nur Blaulicht, sondern jede Lichtquelle stört die Melatoninproduktion (Schlafhormon). Deshalb sollte das Schlafzimmer während der Ruhephase möglichst dunkel sein.

Das Hormon Melatonin reguliert nicht nur den Schlaf, sondern spielt auch bei nächtlichen Reparaturmechanismen eine wichtige Rolle und ist ein starkes Antioxidans.

Wir möchten darauf hinweisen, dass sich Wissenschaftler über die Auswirkungen von Blaulicht nicht einig sind, da die Studienresultate zum Teil sehr unterschiedlich sind. Weitere Forschungen in diesem Bereich sind deshalb unbedingt erforderlich.

Andere Farben des Lichtes: gelbe, rote oder grüne Beleuchtung?

Farbiges Licht kommt in der Architekturbeleuchtung zum Einsatz, kann jedoch auch zu Hause für ein angenehmes Ambiente sorgen und die Stimmung entsprechend beeinflussen.

  • Gelbes Licht hat positive Auswirkungen auf die Stimmung und fördert die Kreativität. Wir assoziieren diese warme Farbe mit dem Sonnenlicht.
  • Oranges Licht ist wärmend und sorgt für eine behagliche Atmosphäre. Es ist weniger aufdringlich als Rot, doch zu intensive Farbtöne können auch zu Nervosität führen.
  • Rotes Licht wirkt aktivierend und dynamisch, Dunkelrot ist besonders wärmend. Es handelt sich um eine Signalfarbe, die nicht nur die Leistungsfähigkeit steigern, sondern auch aggressiv machen kann.
  • Grünes Licht erinnert uns an die Pflanzenwelt und hat beruhigende und erfrischende Wirkungen. Es beeinflusst auch die Kommunikation und Kreativität positiv.

Lichttherapie

Abschließend erinnern wir daran, dass die verschiedenen Farben des Lichtes in der Lichttherapie schon lange genutzt werden. Lampen mit intensivem gelbem Licht kommen beispielsweise zum Einsatz, um Trübsinnigkeit und Winterdepressionen zu vertreiben. Die Rotlicht-Therapie wird verwendet, um das Hautbild zu verbessern oder Entzündungen zu reduzieren, wirkt jedoch auch Stress entgegen. In verschiedenen Studien wird untersucht, welche Auswirkungen Licht auf Demenzerkrankungen hat und ob damit eventuell Medikamente reduziert werden könnten.

Die Farben des Lichtes beeinflussen unser Wohlbefinden

Die bewusste Lichtgestaltung hat viele Vorteile. Sie kommt im klinischen Bereich zum Einsatz, um den Einschlafprozess zu unterstützen, eine positive Stimmung zu fördern oder im Rahmen der Lichttherapie spezifische Probleme zu behandeln. Wir können die therapeutische Wirkung von Licht jedoch auch im Alltag einfach nutzen, um unsere innere Uhr und biologische Prozesse zu begleiten. Licht ist ein Symbol des Lebens und der Freude und hat deshalb mehr Aufmerksamkeit verdient.

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