Wenn wir zu nett sind, schaden wir uns damit selbst

· 26. November 2018

Es gibt alle möglichen Arten von Menschen. Es gibt Menschen, die uns mit ihrer Hilfe unseren Weg erleichtern, und dann gibt es wiederum andere, die wie Stolpersteine auf unserem Weg sind. Jeder von uns bestimmt darüber, welche Menschen an seiner Seite bleiben dürfen und welchen Grenzen gesetzt werden müssen, um eben nicht über jene Hindernisse zu stolpern.

Hast du dich jemals gefragt, warum es Menschen gibt, die immer bereit sind, zu helfen? Sie sind herzensgute Menschen, die sich nie zu schade dafür sind, uns eine helfende Hand zu reichen.Aber was motiviert sie dazu, uns unter die Arme zu greifen, auch wenn wir nicht um ihre Unterstützung bitten?

Wir glauben vielleicht, dass es immer gut sei, nett zu sein, weil es uns helfe, unser Wohlbefinden aufrechtzuerhalten. Aber das ist nicht der Fall, wenn Grenzen überschritten werden und wir immer auf eine nette Weise handeln. Denn dann handelt es sich um eine toxische Freundlichkeit. Dabei vergessen wir uns tatsächlich selbst, weil wir uns ausschließlich um andere kümmern.

Manchmal sind wir so freundlich, dass wir uns selbst vergessen und zulassen, dass andere noch vor uns auf unserer Prioritätenliste stehen. Wir glauben, dass wir immer nett sein müssten, und werden dadurch langsam unsichtbar.

Wenn wir zu nett sind, werden wir unsichtbar

Hin und wieder geben wir so viel für andere, dass wir aufhören, an uns selbst zu denken. Denken wir doch nur an diese typische Situation, bei der eine Mutter alles für ihre Kinder tut und sich so sehr um sie kümmert, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigt.

Das bedeutet nicht, dass es falsch wäre, etwas für andere zu tun. Aber der alleinige Fokus darauf ist ein Fehler. Wir erleben Situationen, in denen wir anderen gefallen wollen, entweder weil sie uns um Hilfe bitten oder weil wir glauben, dass uns unsere Mitmenschen brauchen, und dann tun wir alles dafür, dass sie sich gut fühlen.

Frau schaut traurig aus einem Fenster

Auch wenn wir es nicht glauben können, kann dieses Übermaß an Freundlichkeit auch unserem Gegenüber Unbehagen bereiten, denn manchmal lassen wir die andere Person nicht das tun, was sie will, kommen ihr zuvor. Wir konzentrieren uns dann so sehr darauf, was wir glauben, was sie braucht, dass wir vergessen, dass wir ihre Gedanken nicht lesen können. Ganz davon abgesehen, dass selbst der Versuch so anstrengend ist, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse übergehen.

So verlieren wir selbst an Wichtigkeit und werden durch unser eigenes Handeln unsichtbar. Da wir uns unentwegt auf unsere Mitmenschen konzentrieren, rücken wir nach und nach an die letzte Stelle. Wir übergehen uns und spielen unsere eigene Bedeutung herunter.

Wenn wir nicht nein sagen können, weil wir zu nett sind

Es kann auch vorkommen, dass wir dem Nettsein einen zu hohen Wert beimessen. Weil wir glauben, dass wir freundlich sein sollten, setzen wir keine Grenzen und sagen immer zu allem Ja und Amen. Wir sind bereit, alles zu tun, was man von uns verlangt, weil wir gute Menschen sind.

Was ist denn bloß falsch daran? Wenn wir Probleme lösen, die uns stören, ist natürlich nichts falsch daran. Aber stellen wir uns doch mal vor, dass wir in eine unangenehme Situation geraten, nur weil wir nett sein wollen … Wärst du dazu bereit, dich unbehaglich zu fühlen, nur weil du nett sein möchtest? Wir tappen oft in diese Falle, weil wir glauben, dass wir den Bitten anderer nachkommen müssten, um gute Menschen zu sein. Dann kommen wir bei anderen gut an und besser mit ihnen gut aus.

Aber was ist mit uns? Extreme sind nie gut. Wir können nett sein und Grenzen setzen, um uns selbst nicht in den Schatten zu stellen oder zuzulassen, dass andere das tun.

Welche Nachteile es hat, übermäßig nett zu sein

Eine toxische Freundlichkeit birgt viele Nachteile für uns und unsere Umwelt. Werfen wir doch einen Blick auf die nachfolgenden Nachteile, damit du dich selbst nicht vergisst, nur weil du zu nett bist:

  • Nur wenige authentische Beziehungen
  • Das Bedürfnis, jederzeit von anderen Bestätigung zu erhalten, kann noch größer werden
  • Die Wahrscheinlichkeit, in Beziehungen abhängig zu sein, nimmt zu
  • Unsicherheit
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Geringe Selbstkenntnis
  • Schuldgefühle
  • Angst
Frau steht verlassen in einem Wald

Das sind nur ein paar der Nachteile, die mit einer toxischen Freundlichkeit einhergehen. Es ist wie ein Teufelskreis, in dem wir uns langsam selbst vergessen. Unser Wert nimmt nach und nach ab und wir erschaffen Beziehungen, die uns Leid zufügen können, weil wir allein darauf achten, was der andere braucht.

Wenn diese andere Person nicht da ist, wissen wir deshalb nicht, was wir tun sollen. Wir sind es nicht gewohnt, an uns selbst zu denken, und wenn der andere nicht verfügbar ist, fangen wir an, zu erkennen, wie schwer es uns fällt, bei uns zu sein.

Je mehr ich dich zu einer Priorität mache, desto weiter entferne ich mich von mir.

Strategien, um nicht länger zu nett zu sein

Auch wenn eine übermäßige Freundlichkeit vielleicht zu einem Teil von uns geworden ist, gibt es trotzdem Wege, um auf eine gesündere Weise nett zu sein. Somit geben wir uns selbst den Wert, den wir verdienen, und haben authentischere und fließendere Beziehungen.

  • Setze Grenzen: Lasse deine Mitmenschen wissen, wie weit sie bei dir gehen können. Das heißt, teile ihnen mit, was dich stört, was du nicht tun würdest, was dir unangenehm ist und so weiter. Auf diese Weise werden die Menschen wissen, was sie von dir verlangen können und was nicht.
  • Verabschiede dich von Schuldgefühlen: Manchmal muss man Nein sagen. Höre auf, dich schuldig zu fühlen, weil du jemanden einen Gefallen ausgeschlagen hast oder nicht immer für ihn da sein kannst. Das musst du auch nicht, und das bedeutet nicht, dass du nicht länger nett seist; es bedeutet schlichtweg, dass du dich selbst ebenfalls für wichtig hältst.
  • Erstelle eine Liste mit deinen Prioritäten: Du kannst immer noch für andere da sein, aber du darfst dich nicht vernachlässigen. Bringe Ordnung in deine Prioritätenliste und entscheide, was das Wichtigste in deinem Leben ist. Auf diese Weise wirst du deine Zeit besser verwalten und einteilen können.
  • Lerne dich selbst kennen: So findest du heraus, was du willst. Dadurch wird es auch einfacher, Prioritäten und Grenzen für andere festzulegen. Darüber hinaus wirst du deine Gefühle und Gedanken besser verstehen und auch, warum es für dich so schwierig ist, dir selbst Aufmerksamkeit zu schenken.

Wie du sehen kannst, geht es darum, dich um dich selbst zu sorgen. Das sollte keine schwierige Aufgabe sein, denn du weißt ja schon, wie man andere gut behandelt, deshalb kannst du dich sicherlich auch sehr gut um dich selbst kümmern. Vergiss nicht, dass Freundlichkeit wichtig ist, aber im richtigen Maß eingesetzt werden muss.

Der Preis, den wir dafür zahlen, dass wir zu anderen zu nett sind, ist, dass wir uns selbst hintanstellen. Um in einem angemessenen Maße freundlich zu sein, musst du dir selbst vertrauen und dich selbst schätzen. Denn nur wenn du dich selbst schätzt und weißt, wie wichtig du bist, wirst du verstehen, dass niemand über dir steht.

Denke bitte auch daran, dass es Menschen gibt, die eine übermäßige Freundlichkeit ausnutzen, auch wenn deine Absichten noch so gut gemeint sind. Denn sie wissen, dass sie bekommen, was sie wollen, weil du immer Ja sagst. Konzentriere dich auf dich selbst, setze Prioritäten und Grenzen. Die Kraft dafür findest du in deinem Inneren.