Wenn Frauen keine Lust auf Sex haben

· 21. Juli 2018

Wenn Frauen keine Lust auf Sex haben, bedeutet das nicht, dass sie emotional kalt wären. Es gibt viele gute Gründe, warum frau vielleicht gerade keine Lust auf Sex hat. Eventuell ist sie gerade einfach nicht in der Stimmung für romantische Stunden zu zweit. Hinzu kommt, dass die weibliche Libido tendenziell stärker schwankt als ihr männliches Gegenstück. Es gibt mehrere Studien, die dieses Problem untersucht haben. Eine Studie der Universität von Turku in Finnland zeigte, dass diese Schwankungen der weiblichen Libido in erster Linie von Faktoren abhängen, die mit dem eigenen Partner in Verbindung stehen. Allerdings könnte auch eine sexuelle Dysfunktion vorliegen.

Wenn Frauen die Lust auf Sex verlieren, ist das gleich eine psychische Störung?

Frauen, die in ihrer sexuellen Erregung wesentlich gestört sind, erfahren einen (nahezu) vollständigen Mangel an sexuellem Verlangen. Doch bevor wir diesem Phänomen eine Ursache zuordnen können, müssen wir den zwischenmenschlichen Kontext berücksichtigen, in dem die einzelne Frau lebt.

Ein bloßer Unterschied im Verlangen, wenn die Frau also weniger Sex als ihr Partner will, reicht nicht aus, um eine Störung zu diagnostizieren. Nicht alle Menschen ticken gleich und das bedeutet nicht automatisch, dass jemand an einer sexuellen Dysfunktion litte. Die Ursache für vermindertes Interesse an Sex könnte beispielsweise auch bei bestimmten Medikamenten zu suchen sein. Antibabypillen und Antidepressiva sind zwei häufig verschriebene Pharmaka, die das sexuelle Verlangen beeinträchtigen können. Verschiedene körperliche und geistige Leiden kommen ebenfalls als Auslöser infrage.

Wenn bei Frauen die Lust am Sex schwindet, ist mag das auch mit der Schwierigkeit verbunden sein, einen Orgasmus zu bekommen. Andere Faktoren können seltener Sex, Schmerzen beim Sex und ein Ungleichgewicht der sexuellen Bedürfnisse zwischen den Partnern sein.

Eine weitere Ursachen für das verringerte sexuelle Verlangen bei Frauen kann die sexuelle Erregungsstörung sein. Alle zuvor genannten Punkte müssen jedoch untersucht werden, bevor eine Erregungsstörung nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-5) diagnostiziert werden kann.

Eine Frau weist einen Mann im Bett zurück.

Das DSM-5 schlägt eine Reihe von Kriterien zur Beurteilung und Diagnose der Erregungsstörung vor. Wenn eine Frau keine Lust auf Sex hat und diese Kriterien nicht erfüllt sind, hat sie keine psychische Störung. Werfen wir nun einen Blick auf die Kriterien.

A. Abwesenheit oder signifikante Verringerung des sexuellen Interesses oder der Erregung. Dies äußert sich in mindestens einem der folgenden Symptome:

  • Kein Interesse oder nur sehr geringes Interesse an sexueller Aktivität.
  • Fehlen bzw. Abnahme von sexuellen oder erotischen Fantasien und Gedanken.
  • Reduzierte oder fehlende Initiative zu sexueller Aktivität. Lehnt regelmäßig die Versuche des Partners ab, Sex zu haben.
  • Mangel an oder verminderte Erregung bzw. sexuelle Lust bei (fast) allen sexuellen Aktivitäten.
  • Abwesende oder verminderte sexuelle Erregung bzw. Freude als Antwort auf eine sexuelle oder erotische Einladung, sei diese schriftlich, verbal oder visuell.
  • Keine oder verminderte genitale bzw. nicht-genitale Erregung bei allen oder fast allen sexuellen Aktivitäten.

B. Die Symptome, die in A genannt wurden, zeigen sich länger als sechs Monate. 

C. Die Symptome in A verursachen bei dem Individuum eine erhebliche Belastung.

D. Die sexuelle Dysfunktion ist nicht auf eine andere psychische Störung zurückzuführen, noch ist sie das Ergebnis einer ernsthaften Einschränkung der Beziehung (z. B. durch geschlechtsspezifische Gewalt) oder anderer signifikanter Stressfaktoren. Die Störung kann auch nicht auf die Nebenwirkungen eines Medikaments, einer chemischen Substanz oder auf einen anderen medizinischen Auslöser zurückgeführt werden.

Ein Paar scheint sich gerade zu streiten. Der Mann schmollt im Bett und die Frau sitzt nachdenklich auf der Bettkante.

Frauen können unterschiedliche Symptome zeigen, genauso wie verschiedene Frauen ihre Sexualität und Erregung auf jeweils eigene Weise ausdrücken bzw. wahrnehmen. Keine zwei Frauen sind gleich. Zum Beispiel könnte eine sexuelle Erregungsstörung für eine Frau ein mangelndes Interesse an sexueller Aktivität bedeuten. Addieren wir dazu noch die Abwesenheit von erotischen oder sexuellen Gedanken. Vielleicht manifestiert sich die Störung in Zurückhaltung, wenn es darum geht, Sex zu initiieren oder auf sexuelle Einladungen zu antworten. Bei einer anderen Frau in der gleichen Lebensphase könnten die Hauptsymptome die Unfähigkeit sein, sexuell erregt zu werden, und eine mangelnde Reaktion auf sexuelle Reize. Das bedeutet, dass bei dieser Frau kaum körperliche Anzeichen von sexueller Erregung vorhanden sind.

Zu hohe Erwartungen können eine Ursache für sexuelle Erregungsstörungen sein

Experten assoziieren mit dieser Störung auch andere Probleme, wie Beziehungsprobleme und psychische Störungen, die die Stimmungslage beeinflussen. Erwartungen über die eigene sexuelle Leistung helfen in so einer Situation auch nicht. Die heutige Gesellschaft hat unrealistische Vorstellungen, wenn es um sexuelles Interesse oder Erregung geht. Die Visualisierung absurder Praktiken und fehlende Informationen über Sexualität sind ebenfalls problematisch. Diese Faktoren, zusammen mit eher konservativen Ideen über Geschlechterrollen, sind wesentliche Aspekte, die den Diskurs über Sex in unserer Gesellschaft beeinflussen.

Wenn wir selbst in dieser Situation sein sollten und uns Sorgen machen, ist es ratsam, einen Psychologen zu konsultieren, der auf sexuelle Dysfunktionen spezialisiert ist. Nur ein Experte wird uns die richtige Hilfestellung geben können. Fachleute können uns helfen, unsere Lebensqualität zu verbessern und unser sexuelles Verlangen wieder auf ein für uns angenehmen Level zu bringen.