Welche sind die Phasen des Schmerzes nach einer Trennung?

Bevor du nach einer Trennung hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kannst, durchläufst du in der Regel verschiedene Phasen, die wir heute näher betrachten.
Welche sind die Phasen des Schmerzes nach einer Trennung?
Julia Marquez Arrico

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Julia Marquez Arrico.

Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2024

Wann wird es mir wieder gutgehen? Warum wechseln Traurigkeit und Wut einander so schnell ab? Das sind einige der Fragen, die sich Menschen stellen, wenn sie die Phasen des Schmerzes nach einer Trennung durchlaufen. Eine Trennung und der Schmerz, die sie mit sich bringt, zählen zu den häufigsten Gründen, weshalb Erwachsene um eine psychologische Beratung bitten.

Nach einer Trennung durchlaufen Menschen verschiedene Phasen des Schmerzes. In diesem Beitrag erklären wir, welche die Phasen des Schmerzes nach einer Trennung sind und wie sie sich gestalten.

1. Phase: Schockzustand

Dies ist der Anfang des Schmerzes. In dieser Phase kann die Person noch immer nicht glauben, dass es vorbei ist. Es ist noch immer schwer für sie, sich der Trennung bewusst zu werden und zu erkennen, wie ihre neue Situation aussieht. Während des Schockzustandes mangelt es an emotionaler Reaktion. Die betroffene Person verhält sich so, als wäre nichts passiert.

Sobald Betroffene ihre Augen öffnen und die Trennung visualisieren können, erreichen sie die nächste Phase: die, in der der Verlust geleugnet wird.

Trauriger Mann schaut aus dem Fenster

2. Phase: Den Verlust leugnen

Zu den Phasen des Schmerzes nach einer Trennung ist auch die, in der wir uns mit allen Fasern unseres Seins dagegen werden, sie als wirklich anzuerkennen. In dieser Phase ist sich die Person zwar dessen bewusst, was sie verloren hat, aber sie will es nicht akzeptieren. Sie weigert sich, zu akzeptieren, dass die Beziehung vorbei ist und fantasiert darüber, zum Ex-Partner zurückzukehren. Typische Gedanken kreisen dann darum, dass die Trennung vielleicht ein Fehler oder eine vorschnelle Entscheidung des anderen gewesen sei.

In dieser Phase konzentriert sich der Verstand Betroffener darauf, Wege zu finden, um bestehende Probleme zu lösen und die Beziehung wieder aufzugreifen. Wir lernen in dieser Phase. Sie gibt uns Zeit, um den Verlust zu verdauen. Außerdem hilft sie uns dabei, unsere Arbeit und Verpflichtungen nicht zu vernachlässigen. Stück für Stück werden wir uns der Veränderungen bewusst, die bereits stattgefunden haben und noch stattfinden werden.

Die Phase des Leugnens ist bei denjenigen am auffälligsten, die verlassen wurden. Bei den Menschen, die ihren Partner verlassen haben, ist sie weniger stark ausgeprägt. Denn wer sich dazu entschlossen hat, die Beziehung zu beenden, durchlief bereits im Voraus eine Phase der Negierung. Demnach hat die Person, die den Schritt zum Aufbruch wagt, die Situation bereits verarbeitet. Deshalb verschließt sie ihre Augen nicht länger vor der Wahrheit.

3. Phase: Tiefe Traurigkeit

Während dieser Phase fangen wir an, die Trennung zu akzeptieren und darüber zu reflektieren, was die Beziehung für uns bedeutete. Wir beginnen uns darüber bewusst zu werden, wie sich unser Leben verändert hat und noch verändern wird. Genau das ist es, was solch eine tiefe Traurigkeit in uns auslöst. Sie wird begleitet von einer negativen Sichtweise auf die Welt, auf die Zukunft und uns selbst. Die Traurigkeit ist aber eine notwendige Emotion, um zu lernen, den Verlust zu akzeptieren. Sie wird uns dabei helfen, uns mit dem auseinanderzusetzen, was passiert ist. Und sie hilft uns auch dabei, den Schmerz nach und nach zu überwinden.

Frau, die traurig im Bett liegt

4. Phase: Schuld

Zu den Phasen des Schmerzes nach einer Trennung zählt auch die der Schuld. Sie ist nach außen hin weniger deutlich, aber sicher ein der kompliziertesten Phasen, der wir uns stellen müssen: Die Schuld lässt uns zwanghaft damit beschäftigen, was wir hätten tun oder sagen können, um die Beziehung zu retten, und das ewige Grübeln darüber, was die Trennung verursacht hat, kann Betroffene psychisch auslaugen und Angst verursachen.

Alle Schuld an einer Trennung auf sich zu nehmen ist kontraproduktiv. Und vor allem ist es ungerecht. Paare sind ein Team, das aus zwei Personen besteht, und die Verantwortung für eine Trennung lastet immer auf vier Schultern. Versuche deshalb die Schuld, die du fühlst, zu verteilen. Verstehe das Prinzip der geteilten Verantwortung und richte deinen Fokus auf die Zukunft.

5. Phase: Wut

Sobald du aufhörst, dich schuldig zu fühlen oder die Schuld zumindest verteilen kannst, brodelt Wut an die Oberfläche. Die Wutphase ist sehr heilsam und damit positiv. Denn wenn uns jemand oder etwas wütend macht, meiden wir es und versuchen, es aus unserem Leben zu verbannen. Und nach einer Trennung ist das genau das, was wir tun sollten!

Während der Phasen des Schmerzes mit dem Ex-Partner in Kontakt zu bleiben, lässt die Betroffenen die Phasen der Schuld und Traurigkeit nicht überwinden. Das macht es schwer, vorwärtszukommen. Warum ist Wut also die beste Sache, die uns passieren kann, wenn wir nach einer Trennung unter Schmerzen leiden? Weil gezielte Wut eine sehr mächtige Kraft ist. In erster Linie hält sie uns weit von der Person weg, die wir verloren haben. Dies ist grundlegend, um uns zu erholen.

Zerstörtes Foto eines glücklichen Paares

In Zukunft könntet ihr vielleicht Freunde sein. Aber das gilt zumindest solange nicht, wie du noch immer unter Schmerzen leidest. Nutze deine Wut, um deinen Zustand zu verbessern, um mehr an dich zu denken und dich um dich selbst zu kümmern. Doch sei vorsichtig! Bleibe nicht in dieser Phase stecken. Wenn du das tust, wird sich dieselbe Wut, die dich anfänglich schützt, gegen dich wenden.

6. Phase: Akzeptanz

Wenn wir die Wut erfahren und angemessen genutzt haben, können wir die Phase der Akzeptanz einleiten. In dieser Phase sind unsere Gedanken zur Beziehung noch nicht ganz und gar positiv oder befriedigend. Wir verspüren Emotionen, die uns dabei helfen, die Ereignisse als einen Teil unserer Lebensgeschichte zu sehen. Und die kennt viele Höhen und Tiefen.

In der Phase der Akzeptanz beginnen die Betroffenen damit, sich mit den Geschehnissen abzufinden. Sie beginnen, an sich selbst zu denken und sich auf die Zukunft zu konzentrieren, statt auf die Vergangenheit oder den Verlust. Die Akzeptanz ist der entscheidende Weg, um sich nach einer Trennung zu erholen. Sie hilft uns dabei, über das Erschaffen einer Zukunft von und für uns nachzudenken.

Schließlich ist es wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass die Phasen des Schmerzes nach einer Trennung kein mathematischer Algorithmus sind. Betroffene können länger oder kürzer in bestimmten Phasen verweilen, einzelne Phasen überspringen oder in geänderter Reihenfolge durchlaufen. Aber wenn sie den Verlust verarbeiten und den Schmerz überwinden, werden sie alle sehen, wie sie wenige Schritte rückwärts und viele Schritte vorwärtsgehen.

Wir fühlen uns nach der Überwindung des Schmerzes nach einer Trennung nicht mehr so unsicher und beginnen, wieder hoffnungsvoll auf die Zukunft zu blicken.


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  • García, F. & Ilabaca, D. (2013). Puptura de pareja, afrontamiento y bienestar psicológico en adultos jóvenes. Ajayu Órgano de Difusión Científica del Departamento de Psicología UCBSP, 11(2), 42-60. http://www.scielo.org.bo/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S2077-21612013000200003&lng=es&tlng=es

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