Welche Probleme verursachen Panikattacken?

· 17. Dezember 2017

Panikattacken kommen plötzlich. Du bekommst Herzrasen. Sämtliche Alarmglocken gehen an. „Oh mein Gott, was passiert mit mir? Sterbe ich jetzt?“  Dich überkommt die Panik und du atmest immer schneller. Du hast das Gefühl, als würdest du keine Luft mehr bekommen. „Werde ich ersticken? Ich kann nicht aufhören zu zittern!“

Der Druck, den du auf deinem Brustkorb verspürst, wird immer stärker und du hast das Gefühl, dass das, was gerade passiert, nicht real ist. Doch die Angst davor, zu sterben, ist real. Du hast das Gefühl, als würdest du gleich durchdrehen und fühlst dich absolut hilflos. In nicht einmal 10 Minuten hast du komplett die Kontrolle über deinen Körper verloren. Was ist mit dir geschehen? Du hast eine Panikattacke gehabt. Aber welche Folgen haben Panikattacken?

„Deine Hände sind nervös und zittern. Irgendwo ist ein Damm gebrochen und der kalte Schweiß überflutet dich und deinen Körper. Du willst schreien. Du würdest es tun, wenn du könntest. Aber um zu schreien, musst du atmen. Panik.“

Khaled Hosseini

Wie und warum fängt eine Panikattacke an?

Eine Panikattacke ist eine Attacke, die plötzlich beginnt. Als erstes merkt man das Aufkommen einer Reihe von körperlichen Anzeichen. Für gewöhnlich sind das Herzrasen oder eine erhöhte Herzfrequenz, Schwitzen, Zittern, das Gefühl zu ersticken und/oder würgen zu müssen, Druck auf dem Brustkorb, Übelkeit oder Bauchschmerzen, Verlust des Gleichgewichts oder Schwindel, Taubheit oder Kribbeln, und Schüttelfrost oder Gefühlstaumel.

Das Problem verschärft sich aufgrund der Gedanken, die die Person sich in Bezug auf diese körperlichen Symptome in ihrem Verstand zusammenspinnt. Eine Panikattacke tritt auf, weil die Person ihre körperlichen Empfindungen einer Art Drohung zuordnet. Darüber hinaus nimmt der Betroffene diese vermeintliche Bedrohung im Allgemeinen so wahr, als würde sie sein Leben gefährdet. So entwickelt er in diesem Sinn einen ganzen Gedankenstrudel, der die anfänglichen körperlichen Empfindungen noch intensiver werden lässt.

Diese Gedanken sind die Angst vor dem Tod, die Angst davor, die Kontrolle zu verlieren und/oder verrückt zu werden und das Gefühl der Unwirklichkeit oder von sich selbst getrennt zu sein. Tatsache ist, dass Betroffene diese körperlichen Symptome auf eine katastrophale Weise interpretieren. Das heißt, sie denken, dass sie diese körperlichen Empfindungen verspüren, weil ihnen etwas Schreckliches passiert. Wir möchten hierbei nicht vergessen, zu betonen, dass es keine wirkliche Todesgefahr gibt, sondern dass alles nur in den Gedanken der Person geschieht.

„Es war dieses Gefühl, bei dem der Wahnsinn seinen Anfang fand. In den kurzen Augenblicken, in denen ich es schaffte, die Panik abzuwehren und klar zu denken, versuchte ich, an allem festzuhalten, was zumindest so schien, als müsste es mit der Realität zu tun haben.“

Henning Mankell

Welche Folgen haben Panikattacken?

Panikattacken haben negative Folgen für die Betroffenen, aber in keinem Fall führen sie zu dessen Tod, zumindest nicht auf direkte Weise. Wenn wir einmal genauer darüber nachdenken, können wir uns die Frage stellen: Wenn wir schon einmal eine Panikattacke dieser Art hatten, ist uns dann wirklich physisch gesehen etwas Schlimmes passiert? Die Antwort ist sehr wahrscheinlich nein, oder? Wenn sie tatsächlich die gefürchteten Folgen hätten, dann würdest du diesen Artikel jetzt nicht lesen.

„Er wollte schreien, aber die Nagetiere der Panik nagten ihm die Zunge ab. Er wollte laufen, aber die dünnen fliegenden Schlangen wunden sich um seine Beine.“

Luis Sepúlveda

Die Worte des chilenischen Schriftstellers Luis Sepúlveda sind ein wenig von schwarzem Humor geprägt, dennoch beschreiben sie auf ziemlich genaue Weise die Gefühle des „Opfers“ der Panikattacke. Darüber hinaus erzeugen Panikattacken ein enormes emotionales und psychisches Unwohlsein. Davon betroffene Menschen werden jeden Tag von Angst begleitet.

Es kommt die Angst davor auf, dass sie wieder solch eine Attacke erleben werden, da die Panikattacken extrem unangenehm sind. In vielen Fällen werden die Reize, die durch die Attacke erzeugt werden, verallgemeinert. Hier ein Beispiel: Es bleibt nicht mehr nur bei der Angst vor einer konkreten Bushaltestelle, sondern alle Bushaltestellen werden gefürchtet. Und in den meisten Fällen löst die Vorstellung einer Panikattacke die Attacke selbst aus. Um auf unser Beispiel zurückzukommen, stellen wir uns bereits vor, dass wir durch eine Bushaltestelle gehen müssen, was schon ausreicht, um die Panikattacke hervorzurufen.

Vor allem wird befürchtet, dass die Attacken an öffentlichen Orten auftreten, wo es schwierig ist, dieser zu entkommen; oder in Situationen im sozialen Umfeld, in denen es peinlich wäre, sich so zu verhalten; oder in anderen Situationen, in denen es schwierig wäre, Hilfe zu bekommen. Was macht der Betroffene dann also normalerweise in diesen Fällen? Für gewöhnlich werden diese Situationen gemieden.

Der Betroffene meidet fortan diese Orte, damit somit seine Angst vor einer erneuten Attacke verringert wird. So vermeidet er immer mehr Situationen. Auf diese Weise werden seine täglichen Aufgaben zu einem wahrhaften Kraftakt und müssen gut geplant werden. Es wird extrem schwierig, an die Orte zu gehen, die derjenige sonst häufig aufsuchte. Somit wird nur noch sehr wenigen ausgewählten Aktivitäten nachgegangen.

An diesem Punkt angekommen leidet der Betroffene in diesem Fall an der sog. Agoraphobie. Es werden dann sogar folgende Situationen gefürchtet oder vermieden: Menschenansammlungen, öffentliche Plätze, allein reisen oder gar das Haus verlassen. Das setzt den Betroffenen regelrecht außer Gefecht, was seine Lebensqualität in allen Bereichen beeinträchtigt. Da das diese Person sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher und sozialer Ebene sehr einschränken kann, ist es wichtig, einen Psychologen aufzusuchen, um zu lernen, die Angst zu regulieren und die Panikattacken zu reduzieren.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Cristian Newman, Christopher Campbell und Isai Ramos.