Weißt du, was emotionale Katharsis ist und wie sie uns hilft?

· 4. Juli 2017

Bestimmt hast du schon mal angefangen zu weinen, weil dich plötzlich starke Gefühle überkamen und du sie nicht unterdrücken konntest, und du konntest gar nicht mehr aufhören. Oder du warst so genervt oder wütend, dass du explodiert bist und die Kontrolle verloren hast. Beides sind Varianten des Phänomens, das emotionale Katharsis genannt wird.

Die emotionale Katharsis ist ein Prozess, während dessen sich unsere Emotionen in ihrer reinsten Form zeigen. Dieses Phänomen tritt vor allem in Situationen auf, in denen wir uns besonders schlecht fühlen. Da unsere Gefühle in solch einem Moment so intensiv zum Ausdruck gebracht werden, beunruhigt die Katharsis viele Menschen, und manche halten sie sogar für gefährlich.

So beunruhigend es uns auch erscheinen mag, eine emotionale Katharsis ist nicht gefährlich, sondern kann sehr befreiend sein. Sie hilft uns dabei, uns unserer Gefühle bewusst zu werden und sie zum Ausdruck zu bringen. Das ermöglicht uns die Verarbeitung schwieriger Situationen, die über die schlichte Intellektualisierung hinausgeht. Das heißt, wir hören auf, unsere Emotionen zu unterdrücken und lassen alle Gefühle, die sich in unserem Inneren angestaut haben, zu und heraus.

Seine Gefühle zu zeigen ist nicht gefährlich. Gefährlich ist es, sie zu unterdrücken und zu verleugnen, denn so nehmen sie uns gefangen, anstatt uns zu befreien und uns zu ermöglichen, die Welt in ihrer vollen Intensität wahrzunehmen.

Die emotionale Katharsis in der Therapie

Eine der schlimmsten Befürchtungen, die wir haben, wenn wir uns zum ersten Mal in Therapie begeben, ist, dass die emotionale Kaharsis von uns Besitz ergreift und das, was wir sagen, keinen Sinn ergibt. Häufig ist es allerdings das Ziel der Therapie, unsere Gefühle zu erkennen und sie einzuschätzen, um die Erfahrungen, die für unser Unwohlsein verantwortlich sind, zu identifizieren.

Sigmund Freud verwendete die Katharsis in der Psychoanalyse. Freud nutzte die Technik der Hypnose, um eine emotionale Katharsis auszulösen, die das Trauma, das der Hysterie zugrunde lag, zum Vorschein brachte, indem sie die unterdrückten Gefühle, die die Symptome verursachten, entlarvte.

Aber nicht nur in der Psychoanalyse kann die Katharsis eine nützliche Therapiemethode sein. Die Katharsis mag auch ein Ziel der Gruppentherapie sein. In diesem Fall ist das Ziel die Identifizierung des Konfliktes, der die Beteiligten in die Therapie gebracht hat.

Die Katharsis ist eine von vielen Therapietechniken und ermöglicht es uns, das Problem, das uns dazu bewegt hat, in Therapie zu gehen, zu identifizieren und zu verarbeiten.

Der Ausdruck von Gefühlen ist ein essenzieller Teil unserer selbst

Jede Art von emotionalem Ausdruck sollte wertgeschätzt und nicht unterdrückt werden. Denke immer daran, dass Gefühle ein Teil von uns sind, ein Teil, der ausmacht, was wir sind. Eine emotionale Katharsis macht uns nicht zu Schwächlingen, sondern zu Menschen. Sie zeigt uns auf, dass der Ausdruck von Gefühlen in ihrer reinsten Form ein erster Schritt in Richtung Verarbeitung und Verständnis des Schmerzes ist.

Emotionale Prozesse wie die Katharsis helfen uns zudem, mit der Welt in Verbindung zu treten. Sie sind ein Teil der Erfahrungen, die wir mit unserer Umgebung und Menschen in unserem Umfeld machen. Sie sind notwendig, um sowohl schmerzliche als auch wunderschöne Erfahrungen zu verarbeiten.

Häufig kommt es zu einer emotionalen Katharsis, wenn wir lange Zeit versucht haben, stark zu bleiben, aber schließlich zusammenbrechen. Dann ist sie ein notwendiger und unaufhaltsamer Prozess, der uns die Realität aufzeigt, der uns darauf hinweist, wie zerbrechlich wir sind, und uns klarmacht, dass wir manchmal in Tränen ausbrechen müssen, um schließlich wieder aufzustehen und von vorn anfangen zu können.

Auch heute arbeiten Psychologen noch mit der Katharsis, weshalb wir Folgendes empfehlen: Wenn dich deine Gefühle blockieren oder bewegungsunfähig machen, oder wenn du in schwierigen Situation versucht hast, stark und standhaft zu bleiben, kann es passieren, dass dir plötzlich alles zu viel wird. Suche dir dann professionelle Hilfe, um diese Erfahrungen und Gefühle mithilfe der Katharsis und ihrer Analyse zu verarbeiten.

Egal ob ich lache oder weine, ich bin immer ich selbst, denn es sind diese Erfahrungen, die mich zu einem Menschen machen.