Was verbirgt sich hinter dem Phänomen des texanischen Scharfschützen?

Hast du schon einmal vom Phänomen des texanischen Scharfschützen gehört? In diesem Artikel untersuchen wir die Herkunft des Phänomens und erklären, wie unser Verstand zu Trugschlüssen kommt.
Was verbirgt sich hinter dem Phänomen des texanischen Scharfschützen?

Letzte Aktualisierung: 22. April 2021

Ehe wir versuchen, das Phänomen des texanischen Scharfschützen zu verstehen, müssen wir wissen, was ein Fehlschluss ist. In der Philosophie und insbesondere im Bereich des logischen Denkens sind Fehlschlüsse Argumente, die auf den ersten Blick vielleicht stichhaltig erscheinen, aber eine voreingenommene Haltung beherbergen, die den Inhalt der Argumente völlig zunichtemacht.

Wir diskutieren in diesem Artikel das Phänomen des texanischen Scharfschützen und gehen seinen Ursprüngen auf den Grund. Weiterhin erläutern wir, woraus sich das Phänomen ergibt und wie dabei die Art und Weise der Interpretation und Auswahl von Informationen verändert wird, um die eigenen Ideen oder Überzeugungen zu verifizieren. Außerdem führen wir auch ein paar Beispiele an, damit du ein besseres Verständnis für dieses Phänomen entwickeln kannst. Wir werden auch ein paar Vorschläge geben, damit man dem Phänomen des texanischen Scharfschützen nicht “auf den Leim geht.”

“Voreilige Schlussfolgerungen sind wie Luftballone. Leicht aufzublasen und leicht zum Platzen zu bringen.”

Charlie Chan (die von Earl D. Biggers erfundene Detektiv-Figur)

Mann denkt nach.

Das Phänomen des texanischen Scharfschützen

Dieser logische Trugschluss kommt häufig vor. Jemand interpretiert, erfindet oder manipuliert bestimmte Informationen, die zunächst bedeutungslos sind, bis sie eine Bedeutung zu haben scheinen. Zumindest tut die Person das so lange, bis ihre ursprüngliche Hypothese erfüllt ist.

Mithilfe dieses Phänomens führen Menschen eine Argumentation durch, die jeden suggestiven Hinweis darauf ausblendet, dass ihre Ideen falsch sind. Sie heben jede Information deutlich hervor, die die eigene Hypothese scheinbar unterstützt. So verzerren diese Leute die Realität auf eine Art und Weise, die ihnen ins Konzept passt. Sie verändern das Offensichtliche, um sich dem anzunähern, was sie durch diesen Trugschluss verteidigen wollen.

Woher stammt das Phänomen des texanischen Scharfschützen?

Um dieses Phänomen besser zu verstehen, muss man seinen Ursprung kennen, der in einem U.S.-amerikanischen Witz zu finden ist.

Ein texanischer Mann ballert wahllos auf ein Scheunentor, geht anschließend hin und zeichnet um die jeweils größte Ansammlung von Einschusslöchern eine Zielscheibe. So rühmt er sich bei seinen Freunden aufgrund seiner hervorragenden Schussleistungen als Scharfschütze.

Wie wir sehen, hat der Schütze die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um seine Aktion logisch erscheinen zu lassen und um seinen Selbstwert zu beweisen. Mit anderen Worten: Er veränderte die Daten (indem er die Zielscheibe malte), um die eigene Hypothese zu bestätigen (dass er ein Scharfschütze ist).

Diesem Trugschluss zufolge verändert also jemand eine Datenbasis und sucht darin nach Häufungen von bestimmten Aspekten. Wenn einige gefunden wurden, gibt man diese als echten Effekt aus, um die eigene Hypothese zu bestätigen. Genauso verfährt der texanische Mann in unserer Geschichte.

Das Phänomen des texanischen Scharfschützen.

Beispiele für das Phänomen des texanischen Scharfschützen

Damit du zu einem tieferen Verständnis dieses logischen Fehlschlusses kommen kannst, hier zwei Beispiele, die sich im Alltag leicht wiederfinden lassen:

Stell dir zum Beispiel vor, dass du von der Zahl 7 träumst, während du in einem Hotelzimmer mit der Nummer 362 übernachtest. Die Nummer deines Zimmers hast du vorher nicht bewusst mit der Zahl 7 in Verbindung gebracht. Der Trugschluss würde hier bezeichnen, dass du von der 7 geträumt hast und sie dir jetzt in der Nummer deines Zimmers begegnet, da die Summe von 3 und 6 weniger 2 die Zahl 7 ergibt. Man manipuliert also Daten, um die eigene Hypothese zu bestätigen.

Ein weiteres Beispiel für den Trugschluss ist die Interpretation von Sternenkonstellationen. Unsere Kultur hat uns beigebracht, eine Reihe von imaginären Linien zu zeichnen, um die Sterne miteinander zu verbinden und daraus Figuren zu bilden. In Wirklichkeit wird die Position der Sterne zufällig bestimmt. In diesem Beispiel würde man also diejenigen Himmelskörper ignorieren, die die Figur, nach der wir suchen, verzerren könnten.

Selektive Information

Wie wir sehen, können Menschen Informationen, die nicht mit ihren Vorstellungen übereinstimmen, mithilfe der Denkfalle des texanischen Scharfschützen abwerten. Wir können die Informationen auch manipulieren oder verfälschen, um eine andere Person oder sich selbst von etwas zu überzeugen. In ähnlicher Weise vergrößern wir mit diesem Phänomen die Bedeutung dessen, was wir verteidigen wollen.

Eine weitere Möglichkeit, diesen Trugschluss zu interpretieren, sieht folgendermaßen aus: Wenn man bei der Betrachtung der Daten die Unterschiede ignoriert, die anscheinend in der Datenmenge bestehen, gewichtet man dadurch indirekt die Ähnlichkeiten stärker. Nachdem man die fragliche Argumentation durchgeführt hat, leitet man wahrscheinlich eine Schlussfolgerung ab, die falsch ist.

Das Phänomen des texanischen Scharfschützen

Die Illusion der Gruppierung und der Apophänie

Den Trugschluss, den wir behandeln, hängt mit dem Prinzip der Gruppierung zusammen, das aus der kognitiven Psychologie stammt. Damit bezeichnet man die Tendenz, Muster oder Gruppierungen zu sehen, die nicht wirklich vorhanden sind.

Das Phänomen des texanischen Scharfschützen ist auch mit dem Begriff der Apophänie verwandt. Dieser Begriff bezieht sich auf die Erfahrung, Muster und Verbindungen in zufälligen oder bedeutungslosen Ereignissen zu sehen. Daran lehnt sich an, was wir bisher in diesem Artikel behandelt haben.

Wir sollten jedoch darauf achten, dass man diese beiden eingeführten Konzepte interpretieren kann – sowohl aus der Perspektive der kognitiven Psychologie als auch der Statistik. Tatsächlich bekommen sie aus der Sicht einer jeden Disziplin unterschiedliche Nuancen verliehen.

In der kognitiven Psychologie werden diese zum Beispiel mit dem Phänomen des texanischen Scharfschützen in Verbindung gebracht. Das liegt daran, dass man damit Muster etablieren kann, die nicht wirklich existieren. Und alles dient dazu, die eigenen Ideen zu demonstrieren oder sie zu rechtfertigen. Oder es dient auch dazu, andere von etwas zu überzeugen.

Zielscheiben, die das Phänomen des texanischen Scharfschützen verdeutlichen.

Wie kann ich es vermeiden, dem Phänomen des texanischen Scharfschützen aufzusitzen?

In diese Denkfalle – wie in viele andere auch – tappt man nicht immer bewusst. Hier zwei wichtige Hinweise, mit denen wir vermeiden können, zur Zielscheibe des Phänomens des texanischen Scharfschützen zu werden.

  • Suchen wir nach Argumenten gegen das Phänomen. Es ist wichtig, gute Argumente für, aber auch gegen eine Hypothese zu haben.
  • Wir müssen nicht immer recht haben. Denn das kann uns tatsächlich dabei helfen, unsere Ideen logisch und objektiv zu präsentieren.

Jetzt haben wir ein Bewusstsein für das Phänomen des texanischen Scharfschützen gewonnen. Wenn wir jetzt zudem  diese beiden Punkte beachten, können wir dazu beitragen, dass dieser Fehlschluss weniger häufiger auftritt. Darüber hinaus können wir unsere Ideen auf eine sehr viel bessere Weise darlegen.

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  • Comesaña, Juan Manuel (2001). Lógica informal, falacias y argumentos filosóficos. Buenos Aires: Eudeba.
  • D. H. Fischer. (1970). Historians’ Fallacies: Toward a Logic of Historical Thought, Harper Torchbooks.
  • Ortiz Frida, García María del Pilar (2005): Metodología de la investigación. México: Limosa.