Was ist die nützlichste Fähigkeit in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts?

16. September 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Ein Mädchen hat eine Idee

Als wir noch Kinder waren, gab es eine Frage, die uns ständig gestellt wurde. Und wir antworteten normalerweise mit Hoffnung und Optimismus, so wie ein Liebhaber von seiner Geliebten spricht. Wir sprechen über die Frage: Was willst du werden, wenn du groß bist?  Und sicherlich haben nur wenige von denen, die uns diese Frage stellten, die Antwort geglaubt, die wir ihnen gegeben haben. Immerhin haben sie ein paar Tage später wahrscheinlich schon eine ganz andere Antwort von uns bekommen.

Kinder wollen an einem Tag Schriftsteller und am nächsten Astronauten werden. Ihre Träume sind die von Radiosprechern und Filmregisseuren von Clowns und Trapezkünstlern. Viele von uns, sind im Vorschulalter als Anwälte ins Bett gegangen und als Ärzte aufgewacht. Uns war es egal, was andere dachten.

Glühbirne wird zu einem Zahnrad

Wann fangen wir an, uns zu fragen: Was will ich werden, was will ich sein?

Es kommt jedoch der Moment, in dem wir uns dieselbe Frage selbst stellen – und die Antwort ist nicht immer einfach. Das könnte daran liegen, dass das Ziel zwar klar ist, der Weg aber voller Hürden steht. Oder es könnte daran liegen, dass der Weg sehr unstrukturiert ist und wir nicht wissen, wie wir unser Ziel erreichen können. Vielleicht haben wir auch einfach keinen Beruf gefunden, den unsere Intuition als unsere wahre Berufung identifiziert, und wir zweifeln nicht nur am Weg, sondern auch am Ziel.

Natürlich gibt es einige Kinder und Jugendliche, die einen klaren Weg vor Augen haben, noch bevor sie sich für eine Karriere entscheiden. Aber sie sind nicht in der Mehrheit. Und dennoch, je älter sie werden, desto ernster werden ihre Gesichter beim Gedanken an diese einst so harmlose Frage. Der Druck wächst. Ihr Umfeld scheint ihnen zu suggerieren: „Du bist nicht mehr auf dem Schulhof, genug mit den Spielen! Du hast schon genug Erfahrung, um dich zu entscheiden, hättest es sogar schon längst tun sollen. Jetzt liegt es an dir, eine klare Entscheidung zu treffen und deine Fähigkeiten auf eine einzige Karriere auszurichten.“

Wenn diese „endgültige“ Entscheidung nicht getroffen wird, denken unsere Eltern (und andere) vielleicht, sie hätten das Unglück, ein Kind zu haben, dass seinen Weg nicht finden würde. Dieses Gefühl zu vermitteln kann sehr verletzend sein, besonders wenn es durch Menschen geschieht, die uns wichtig sind. Es ist nicht ungewöhnlich, dass unentschlossene Jugendliche diesen Gedanken früher oder später als ihren eigenen annehmen und aufhören, selbst nach einer Antwort zu streben, unabhängig von ihren Fähigkeiten.

Ähnliches mag geschehen, wenn sie von einem einst eingeschlagenen Weg abweichen. Wenn sie von den Absichten, die sie mit anderen geteilt haben, abkommen, müssen sie sich Fragen stellen wie: „Warum willst du Möbel restaurieren, wenn du doch so viel Arbeit in das Medizinstudium gesteckt hast?“

Darin liegt das Paradoxon: Wenn wir älter werden, schätzen und erwarten die Menschen um uns herum mehr Stabilität. Aber wenn der Tod uns daran erinnert, dass unser Leben ein Ende hat, sehnen wir uns nach dem abenteuerlustigen Menschen, der wir einmal waren.

Köpfe aus Zahnrädern

Skill-Hopper

Menschen, die von einem Projekt zum anderen springen, die sich wirklich auf das eine und das andere einlassen, werden oft missverstanden und von einem großen Teil der Gesellschaft schlecht geredet. Schließlich sehen viele den Fortschritt, der einer Spezialisierung innewohnt, als höchstes Gut an. Viele dieser Kritiker folgen deshalb einer klaren Berufung, die auf einer einzigen Fähigkeit beruht. Aber ein Teil dieser Menschen hat wahrscheinlich aufgegeben, wer sie wirklich sind.

Was geben sie auf? Ein Verlangen, eine Hoffnung, einen Traum. Dann werden sie kritisch gegenüber denen, die diesen Prozess nicht durchlaufen. Zum Beispiel sind diejenigen, die jemanden dafür kritisieren, dass er bei einer Prüfung betrogen habe, normalerweise nicht diejenigen, die keine Chance hatten, zu betrügen, sondern eher die, die Möglichkeit dazu hatten, aber nicht betrügen wollten. Das ist auch der Grund, warum Menschen, die es schaffen, der Armut zu entfliehen, diejenigen, die das nicht schaffen, am stärksten kritisieren. Während das in einigen Fällen einen hohen ethischen Standard begründen mag (wie ihn die Entscheidung zur Ehrlichkeit zeigt), weist es unter Umständen auch auf die Unfähigkeit hin, das eigene Glück zumindest teilweise äußeren Umständen zuzuschreiben.

Daher hassen Menschen mit einer Vielzahl von Fähigkeiten und Möglichkeiten, jene „unruhigen“ oder „verlorenen“ Menschen, schließlich ihre Art, zu sein. Sie fühlen sich wie Versager, weil sie nicht den sozialen Normen entsprechen. Das kann zu niedrigem Selbstwertgefühl und Traurigkeit führen.

Aber warum? Warum ist es nicht in Ordnung, ein Projekt abzubrechen, wenn du das Gefühl hast, dass du alles erreicht hast, was du brauchst? Warum eine Biene bitten, an derselben Blume zu bleiben, wenn sie schon genug Nektar getrunken hat?

Schmetterling und Biene an Doldenblütler

Doch glücklicherweise ändert sich dieses Szenario allmählich. Immer mehr schätzt die Gesellschaft Menschen, die an vielen verschiedenen Projekten teilgenommen, den Arbeitsplatz mehrfach gewechselt oder eine große Vielfalt an Hobbys haben. Das ist klug, denn sie haben drei Eigenschaften:

  • Sie nutzen Kreuzungen aus. Ihr Wissen in vielen Bereichen hilft ihnen, Projekte zu entwickeln und Beiträge zu leisten, die Spezialisten nie leisten könnten. Wir sprechen von Menschen, die sich für Mathematik und Fußball begeistern und innovative Statistiken darüber erstellen, was auf dem Spielfeld passiert. Oder Menschen, die Biologie und Literatur lieben und einen Weg finden, Wissenschaft durch Bücher in die Welt zu bringen. Wir sprechen von Menschen, die sich auf Robotik spezialisieren, aber auch Liebe für andere haben, und dank dieser Synergie die Technologie in den Dienst derer stellen, die sie am meisten brauchen.
  • Sie können sehr schnell lernen. Sie haben ihre Karriere viele Male gewechselt und auch viele Neuanfänge gemacht. Deshalb haben sie viel Erfahrung darin, in Unbekanntes einzutauchen und die Oberflächenspannung zu brechen, die existiert, wenn wir eine größere Veränderung vornehmen.
  • Sie sind in der Lage, sich sehr schnell anzupassen. Das Fast Company Magazin  definiert Anpassungsfähigkeit als die wichtigste Fähigkeit für das Überleben und Gedeihen im 21. Jahrhundert. Nun, Menschen mit einer Vielzahl von Fähigkeiten haben eine große Anpassungsfähigkeit, weil sie wiederholt neue Felder betreten und nach der besten Lösung gesucht haben. Viele Veränderungen haben sie gelehrt, wie man die Auswirkungen der Unsicherheit minimiert. Tatsächlich sind Situationen, die andere belasten können, für sie ganz natürlich.

Unabhängig davon, ob die Anpassungsfähigkeit wirklich die wichtigste Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist, ist es klar, dass sie sehr wertvoll ist. Unternehmen suchen Menschen, die sich anpassen können und bereit sind, zu lernen. Denn Menschen mit vielfältigen Erfahrungen haben viel zu bieten.

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