Warum kannst du nicht über deine Gefühle sprechen?

Findest du es schwierig oder gar unmöglich, über deine Gefühle zu sprechen? Möchtest du verstehen, warum das so ist? Dann solltest du diesen Artikel keinesfalls verpassen, denn hier erfährst du die potenziellen Ursachen dieses weit verbreiteten Problems!
Warum kannst du nicht über deine Gefühle sprechen?

Letzte Aktualisierung: 23. März 2021

“Warum kann ich nicht über meine Gefühle sprechen?” Hast du dir jemals diese Frage gestellt? Der Umgang mit Emotionen ist häufig schwer. Einigen Menschen fällt es leicht, darüber zu sprechen, wie sie sich fühlen und anderen Menschen spontan ihre Emotionen mitzuteilen. Aber es gibt auch sehr viele Menschen, die große Schwierigkeiten damit haben. Aber warum kannst du nicht über deine Gefühle sprechen?

In unserem heutigen Artikel werden wir dir einige der Gründe aufzeigen, warum es manchen Menschen so schwerfällt, sich selber auszudrücken. Außerdem werden wir verschiedene Konsequenzen aufzeigen, die ein derartiges Verhalten nach sich zieht. Wenn du dich fragst, warum es dir so schwerfällt, über deine Gefühle zu sprechen, solltest du unbedingt weiterlesen!

über deine Gefühle - Frau umarmt ein Kissen

Warum kannst du nicht über deine Gefühle sprechen?

Warum fällt es manchen Menschen so schwer, das auszudrücken, was sie fühlen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst den Begriff “Emotion” erläutern. Nach Fernandez, Zubieta, and Paez (2001) ist eine Emotion ein komplexes subjektives Phänomen, das sowohl primäre Aspekte als auch expressive, motorische und physiologische Komponenten hat.

Infolgedessen sind Emotionen komplexe Prozesse, die sich in deinen Gedanken, Bedürfnissen und Handlungen manifestieren. Emotionen sind nicht immer einfach zu bewältigen oder zu verstehen. Daher scheint die Annahme logisch, dass nicht jeder weiß, wie er oder sie das in Worten ausdrücken kann, was er oder sie fühlt.

Nachfolgend findest du einige der häufigsten Ursachen für dieses Verhalten:

Emotionale Unterdrückung

Fernandez, Zubieta und Paez (2001) argumentieren, dass emotionale Unterdrückung eine Nicht-Konfrontation mit oder Vermeidung von stressigen Fakten beinhaltet. Außerdem glauben Psychologen, dass es sich um eine Hemmung der emotionalen Reaktion des Gehirns handelt.

Des Weiteren ist erwähnenswert, dass es zahlreiche unterschiedliche Trigger für emotionale Unterdrückung gibt. Einer davon ist die Unfähigkeit, mit dem umzugehen, was sich im Inneren und der Außenwelt ereignet.

In gewisser Weise handelt es sich um einen Bewältigungsmechanismus, der entweder temporär oder permanent sein kann. Infolgedessen könnte emotionale Unterdrückung der Grund sein, warum es dir so schwer fällt, über deine Gefühle zu sprechen. Aber was verursacht diese emotionale Unterdrückung?

Mangelndes Durchsetzungsvermögen

Ein weiterer Faktor, der erklären könnte, warum du Probleme damit hast, über deine Gefühle zu sprechen, ist ein mangelndes Durchsetzungsvermögen. Autoren wie Matson et. al. (1980), Bornstein et. al. (1977) und Romano und Bellack (1980) zitiert von Caballo (1983), argumentieren, dass Durchsetzungsvermögen eine soziale Fähigkeit ist.

Andere wie Alberti und Emmons (1978) definierten das Konzept als Verhalten, das es einer Person erlaubt, auf Grundlage ihrer wichtigsten Interessen zu handeln, sich selber ohne unangebrachte Angst zu verteidigen, problemlos ehrliche Gefühle auszudrücken und ihre persönlichen Rechte einzufordern, ohne dabei die Rechte anderer zu verleugnen.

In diesem Sinne kann dich ein Mangel an Durchsetzungsvermögen daran hindern, deine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Durchsetzungsvermögen ist etwas, das du praktizieren und verbessern kannst, wie viele andere psychische Fähigkeiten auch. Infolgedessen stellt eine Psychotherapie eine großartige Möglichkeit dar, die dir dabei helfen kann, deine sozialen Fähigkeiten zu verbessern.

“Wenn du zu anderen “Ja” sagst, solltest du sicherstellen, dass du nicht “Nein” zu dir selber sagst.”

-Paulo Coelho-

Extreme Schüchternheit

Auch Schüchternheit hat zahlreiche Definitionen. Auf dem Gebiet der Psychologie hat Pilkonis (1977) sie definiert als “die Neigung, soziale Interaktionen zu vermeiden und eine Unfähigkeit, auf angemessene Weise an sozialen Situationen teilzunehmen”.

Obwohl das eine recht nützliche Definition ist, beeinträchtigt Schüchternheit nicht nur soziale Interaktionen. Darüber hinaus wirkt sie sich auch auf deine Fähigkeit aus, über deine Gefühle zu sprechen.

Dennoch ist Schüchternheit etwas, woran du ebenfalls arbeiten kannst. Wenn du dich selber darauf trainierst, aus deinem Kokon herauszukommen, wirst du besser dazu in der Lage sein, dich selber zum Ausdruck zu bringen. Wenn du lernst, wie du mit deiner Schüchternheit umgehen kannst, wird es dir wesentlich einfacher fallen, damit zu leben.

“Ich war der schüchternste Mensch, den es jemals gab, aber ich hatte eine Löwin in mir, die einfach nicht still sein wollte!”

-Ingrid Bergman-

über deine Gefühle - unsichere Frau

Die Konsequenzen, wenn du nicht über deine Gefühle sprichst und sie stattdessen in dir aufstaust

Laut der Psychologin Angela Corona führt das Unterdrücken oder Verbergen deiner Emotionen häufig zu sozialer Isolation. Wenn du all deine Gefühle in dir aufstaust, können deine Gefühle nicht frei fließen. Und das wiederum führt zu emotionalen Blockaden.

Die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit

Darüber hinaus ergab eine Studie, die im Jahr 2019 von der North American Menopause Society mit 304 Frauen durchgeführt wurde, dass das Schweigen über dich selbst und über deine Gefühle negative Auswirkungen auf deine physische und psychische Gesundheit haben kann. Bei Frauen kann dies außerdem das Risiko erhöhen, einen Schlaganfall zu erleiden.

Natürlich ist jeder Einzelfall verschieden. Daher ist es wichtig, keine Verallgemeinerungen vorzunehmen. Dennoch glauben wir, dass folgender Hinweis wichtig und angebracht ist: Das Gesündeste, was jeder Mensch tun kann, ist es, einen Weg zu finden, um die eigenen Emotionen auszudrücken, zu bewältigen und sie zu kanalisieren. Idealerweise findet jeder Mensch seinen ganz persönlichen Weg, sei es durch Kunst, Literatur, gesprochene Worte, den Körper usw.

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  • Caballo, V. (1983). Asertividad: definiciones y dimensiones. Estudios de Psicología, 13: 53-62.
  • Fernández, I., Zubieta, E. y Páez, D. (2001). Emocionarse en Latioamérica. Sociotam, XI, 1.
  • Matson, J.L., Kazdin, A.E. y Esveldt-Dawson, K. (1980). Training interpersonal skills among mentally retarded and socially dysfuncional children. Behavior Research and Therapy, 18: 419-427.
  • Pilkonis, P.A. (1977a). Shyness, public and private, and its relationship to other measures of social behaviour. Journal of Personality, 45: 585-595.