Von der wunderbaren Aufgabe, unsere Eigenliebe aufzubauen

· 14. Oktober 2017

Bestimmt hast du schon mehrmals etwas darüber gelesen oder Menschen sagen hören, dass die Eigenliebe ein Grundpfeiler sei, um Projekt in Angriff zu nehmen oder an ihnen festzuhalten. Und tatsächlich ist das so. Dieses Konzept gleicht einem magischen Schlüssel, der viele Türen öffnet. Die Eigenliebe hilft dir, einer Depression vorzubeugen oder sie zu überwinden, dich unabhängig zu machen, Probleme mit dem Partner, Konflikte mit der Familie, am Arbeitsplatz und in anderen Bereichen des sozialen Lebens zu lösen.

Die Eigenliebe ist der König im Reich der menschlichen Gefühle. Daran gibt es keinen Zweifel. Aber wenn du einer dieser Menschen bist, der sehr schwierige Erfahrungen durchmachen musste, wie mangelnde Liebe in der Kindheit, Misshandlung, Mobbing und ähnliche Situationen, wirst du glauben, nie verstehen zu können, wie es einem gelingen kann, Eigenliebe aufzubauen, damit sie nicht nur ein schöner Ausdruck bleibt.

„Ein Mensch kann sich ohne Bestätigung durch sich selbst nicht wohlfühlen.“

Mark Twain

Ein große Portion Eigenliebe wurde dir wohl mit auf den Weg gegeben, wenn du als Erfüllung eines Wunsches auf die Welt gekommen bist. Darüber hinaus solltest du eine emotional gesunde Mutter und einen ebenfalls mental gesunden Vater, die Liebe verband, gehabt haben, die deine Eigenliebe nährten. War das bei dir der Fall?

Sicherlich müssen viele unserer Leser diese Frage mit Nein beantworten. Sie wissen nicht, wieso sie geboren wurden. Über ihre Eltern kann man vieles sagen, außer dass sie emotional gesund gewesen seien. Sie sind der Meinung, dass ihre Kindheit glückliche Tage umfasste, aber es auch an gewissen Dingen mangelte, sie vielleicht Misshandlung und Traumata verarbeiten mussten. Deshalb erscheint ihnen die Eigenliebe wie eine Utopie: schön, aber unerreichbar.

Die Eigenliebe ist weder jemandes „Schuld“ noch ein „Geschenk“

Dieser Satz sagt uns nicht wirklich zu, weil er uns daran erinnert, dass wir wieder selbst die Verantwortung für uns übernehmen müssen, die wir eines Tages an eine andere Person übergeben haben. Es ist sehr verlockend, andere für das zu beschuldigen, was uns passiert ist, und die Liste der möglichen Schuldigen wird von unseren Eltern angeführt… Wir wären so viel glücklicher, wenn sie gute Eltern gewesen wären! Aber hast du dich schon einmal gefragt, wie ihre eigene Geschichte war? Wie ihre Eltern mit ihnen umgegangen sind? Ist es das wirklich wert, sämtliche Generationen, die uns vorausgehen, zu beschuldigen?

Aus Traumata lernen: Negative Erlebnisse bringen uns etwas bei

Für gewöhnlich ist es so, dass Eltern mit einer geringen Eigenliebe diese Eigenschaft auf ihre Kinder übertragen. Das tun sie nicht, weil sie ihren Kindern keine Eigenliebe gönnen, aber sie können nicht geben, was sie selbst nicht haben. Vielleicht erging es ihren Eltern genauso. Diese Ereigniskette ist endlos, bis jemand in irgendeiner Generation sich dazu entschließt, sie zu beenden und die Wunde zu verschließen. Ratsam ist es, das mithilfe einer Therapie zu tun, doch es gibt auch andere Wege, um das zu erreichen. Jeder dieser Wege ist gültig, wenn er dazu führt, dass wir zerstörte Eigenliebe aufbauen lernen.

Diese Aufgabe beginnen wir am besten damit, nicht länger anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Das verlangt Mut und Größe von uns und es löst ein gewisses Unbehagen aus. Jedoch ist es auch eine Möglichkeit, das stärkste Glied der Kette zu durchbrechen, die uns am Fortschreiten hindert.

Schreibe den kleinen Erfolgen, den Details einen Wert zu

Vielleicht hast du dir schon einmal vorgestellt, dass man dir für die Bewältigung der Aufgabe, deine Eigenliebe aufzubauen, den Nobelpreis verleihen müsste, und es das sei, was du bräuchtest, um sie zu weiter zu nähren. Wenn jemand feststellen würde, dass du ein unverstandenes Genie bist, wenn man dich über alle Maßen lieben würde oder wenn dir jeder seine Wertschätzung zeigen und die Welt anhalten würde, wenn du ein Problem hättest…

Wer wenig Eigenliebe besitzt, hat häufig Gedanken, in denen eine große Begeisterung für die eigene Person eine zentrale Rolle spielt. In gewisser Weise wollen sie auch genau das und nicht weniger, und manchmal sind sie der Meinung, dass ein kleiner Erfolg nichts wert sei. Was sie allerdings nicht sehen, ist, dass jede große Errungenschaft das Ergebnis harter Arbeit ist und aus kleinen Erfolgen besteht. Es sind genau diese kleinen Fortschritte, die einem die notwendige Kraft geben, um weiterzumachen.

Blumen im Gesicht einer Frau

Die großen Meisterwerke des Menschen sind im Grunde genommen durch Durchhaltevermögen entstanden. Beharrlichkeit ist eine Eigenschaft, die nur im Herzen derer einen Platz einnimmt, in dem auch Eigenliebe zu finden ist. Die Kraft für ein großes Vorhaben wird aus der Willenskraft geschöpft. Und wenn das Selbstwertgefühl gering ist, wird als erstes unser Wille darunter leiden. Wie du siehst, führt das in einen Teufelskreis.

Daher ist es so wichtig, zu lernen, auch den kleinen Erfolgen einen Wert zuzuschreiben. Du solltest auf keinen Fall das übergehen, was du jeden Tag gut machst. Du solltest deine großen und kleinen Bemühungen nicht unter den Teppich kehren. Manchmal verlangt es schon viel von dir ab, einfach mit deinem Tag weiterzumachen. Wenn du das schaffst, solltest du das auch anerkennen. Kämpfe gegen diese kleine Stimme an, die dir alles Mögliche vorwerfen und alles kritisieren will. Zuallererst bist du dafür verantwortlich, dir selbst und deinen Taten einen Wert zu geben. Ich möchte dich einladen, darüber nachzudenken.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Aykut Aydoğdu