Venustraphobie: Die Angst vor schönen Frauen

Es ist nichts Ungewöhnliches, nervös zu werden, wenn du dazu gezwungen bist, mit einem Menschen zu interagieren, den du attraktiv findest. Aber was würde passieren, wenn sich diese Nervosität in eine ausgewachsene Panikattacke verwandeln würde, die dazu führt, dass du dich nicht mehr von der Stelle bewegen kannst? Genau das passiert Menschen, die an Venustraphobie leiden.
Venustraphobie: Die Angst vor schönen Frauen

Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2021

Die Welt der Phobien ist immens, vielfältig und ausgesprochen faszinierend. Es gibt unzählige verschiedene Phobien, von der klassischen Arachnophobie bis zur komplexen Hippopotomonstrosesquippedaliophobie, der Angst vor langen Wörtern. Unter den seltensten Phobien findest du auch die Venustraphobie, die Angst vor schönen Frauen.

Menschen, die an Venustraphobie oder Caligynephobie leiden, haben Angst vor Frauen, die sie attraktiv finden. Alleine die Anwesenheit einer attraktiven Frau genügt, um bei den Betroffenen intensive Angstgefühle auszulösen. Sie müssen noch nicht einmal direkt mit dieser Frau interagieren. Darüber hinaus müssen sie auch kein bestimmtes emotionales oder sexuelles Interesse am Objekt ihrer Phobie haben.

Der Begriff Venustraphobie ist eine Kombination aus den Worten “Venus” (der römischen Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit) und “Phobie”, was Angst bedeutet.

Wie du bereits weißt, ist eine Phobie eine intensive und irrationale Angst. Die Betroffenen unternehmen häufig große Anstrengungen, um das zu vermeiden, was sie in diese Panik versetzt. Diejenigen, die das Objekt ihrer Phobie nicht vermeiden können, leben oftmals mit permanenten starken Angstgefühlen.

Venustraphobie tritt im Allgemeinen eher bei heterosexuellen Männern auf, obwohl es auch Fälle bei homo- und heterosexuellen Frauen gab. Darüber hinaus kann diese Phobie sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern vorkommen.

Venustraphobie - attraktive Frau

Anzeichen und Symptome von Venustraphobie

Wie wir bereits erwähnt haben, gehören zu den Hauptsymptomen von Phobien im Allgemeinen übermäßige und irrationale Ängste vor einem phobischen Reiz. Im Fall einer Venustraphobie ist dies eine Frau, die der Betroffene attraktiv findet.

Diese Angst wird normalerweise von Vermeidungsverhalten und panikartigen Gefühlen sowie großem Unbehagen begleitet. Darüber hinaus könnte der oder die Betroffene folgende weitere Symptome erleben:

  • Tachykardie (beschleunigte Herzfrequenz)
  • Frösteln
  • Zitternde Beine
  • Kalter Schweiß
  • Stottern
  • Irrationale Gedanken in Bezug auf das Ausmaß der Gefahr, die durch die Nähe zu einer attraktiven Frau verbunden ist.
  • Darüber hinaus können Betroffene in schweren Fällen sogar unter Schwindel, Übelkeit und Erbrechen leiden.

Wie viele Phobien kann auch die Venustraphobie massive Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben und sie stark einschränken.

Sobald ein Mensch eine derartige Episode erlebt hat, führt dies häufig zur Entwicklung einer antizipatorischen Angst. Das bedeutet, dass der Betroffene um jeden Preis versuchen wird, weitere derartige Situationen zu vermeiden. Die Bemühungen, jede Situation zu vermeiden, in der dieser Mensch auf eine attraktive Frau treffen könnte, kann so weit gehen, dass er sich vollkommen von anderen absondert.

Welche Ursachen hat eine Venustraphobie?

Obwohl die Ursachen der Venustraphobie noch nicht vollständig geklärt sind, scheinen sie multikausaler Natur zu sein. Darüber hinaus wird vermutet, dass diese Phobie eine Folge traumatischer Kindheitserfahrungen sein könnte.

Diese Erfahrungen können von einer Scheidung oder einer schlimmen Trennung der Eltern bis zum Zusammenleben mit einer fahrlässigen, gleichgültigen oder missbräuchlichen Mutter reichen. In diesem Fall assoziiert der Betroffene eine schöne Frau mit Schmerzen, Leiden und Unbehagen.

Wenn heterosexuelle Männer oder homosexuelle Frauen davon betroffen sind, könnte diese Phobie mehr bei den Menschen auftreten, die schüchtern sind und mit einem niedrigen Selbstwertgefühl oder Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen haben.

Diesen Menschen ist es häufig peinlich, mit attraktiven Frauen zu interagieren, aus Angst, diese würde sich über sie lustig machen. Bei heterosexuellen Frauen kann Venustraphobie aus einem Konkurrenzgefühl entstehen.

Behandlung der Venustraphobie

Die beste Form der Behandlung für jede Phobie besteht in einer progressiven Exposition mit dem gefürchteten Reiz. Dabei erstellt der Patient eine Liste aller Situationen, in denen er sich unwohl fühlt und ordnet diese nach dem Intensitätsgrad des Unwohlseins. Anschließend kann er sich sukzessive jeder einzelnen Situation stellen.

Durch dieses Vorgehen wird sich der Betroffene allmählich an die Angst gewöhnen, die er in diesen Situationen empfindet. Infolgedessen sollten diese Gefühle im Laufe der Zeit nachlassen, wenn der Patient erkennt, das sich keine seiner Befürchtungen bewahrheitet.

Wenn ein Mensch an einem bestimmten Punkt von seiner Angst überwältigt wird oder eine Panikattacke erleidet, sollte er sich der betreffenden Situation entziehen dürfen. Allerdings sollte dies nur vorübergehend erfolgen und die erneute Konfrontation muss so bald wie möglich erfolgen.

Darüber hinaus empfehlen Experten, dass die Patienten Entspannungs- und Atemtechniken erlernen sollen, welche sie in Situationen anwenden können, in denen sie intensive Angst erleben. So stehen ihnen Bewältigungsstrategien zur Verfügung, die sie anwenden können, anstatt sich einfach aus der Situation zurückzuziehen. Es muss jedoch unbedingt sichergestellt werden, dass diese Techniken nicht zu einer Form der verdeckten Vermeidung werden.

Außerdem sollten Therapeuten mit den Betroffenen die irrationalen Überzeugungen und kognitiven Verzerrungen identifizieren, die dazu führen, dass sich der Patient extrem bedroht fühlt. Diese Gedankenmuster können mit kognitiven Techniken adressiert und bearbeitet werden. Darüber hinaus sollten die Patienten erlernen, rationaler über derartige Situationen zu denken. Dies kann geschehen, indem man sie ermutigt, nach konkreten Beweisen zu suchen, die ihnen helfen, den Wahrheitsgehalt dieser Gedanken zu bestimmen.

Behandlung damit in Zusammenhang stehender Störungen

Wenn die Venustraphobie bereits so ausgeprägt ist, dass der Betroffene infolgedessen eine soziale Angststörung entwickelt hat, muss diese ebenfalls behandelt werden. Es genügt also nicht, nur die Phobie zu behandeln.

Dies gilt auch, wenn der Betroffene eine Depression entwickelt hat. In solchen Fällen von Komorbidität besteht die einzige Möglichkeit, die Gesamtlebensqualität der Person zu verbessern, darin, die Symptome beider Störungen zu behandeln.

“Angst ist immer dazu bereit, die Dinge schlimmer zu sehen, als sie sind.”

-Titus Livius

Venustraphobie - Mann in Therapie

Abschließende Gedanken

Wir leben in einer Welt, in der Äußerlichkeiten verehrt werden und Schönheitsideale häufig unerreichbar sind. Körperliche Attraktivität wird manchmal als eines der wichtigsten Symbole für Erfolg angesehen. Dieser Druck fördert bestimmte Überzeugungen, beispielsweise die Annahme, dass eine attraktive Frau einen Partner haben sollte, der mindestens genauso attraktiv ist wie sie selbst.

Der Vergleich mit einem bestimmten Schönheitsideal führt bei vielen Menschen zu Niedergeschlagenheit und Frustration. Darüber hinaus kann das erhebliche Auswirkungen auf das eigene Selbstwertgefühl haben. Jeder Mensch sollte daher lernen, die eigenen einzigartigen Qualitäten wertzuschätzen. Denn die Merkmale und Eigenschaften, die du an dir selber als Unvollkommenheit siehst, sind häufig Dinge, die andere Menschen an dir bewundern oder schön finden.

Darüber hinaus solltest du immer daran denken, dass körperliche Schönheit nicht ewig währt. Wenn du alt und grau bist und deine jugendliche Schönheit verblasst ist, werden dein Herz und deine Seele nach wie vor noch genauso schön sein!

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