Über Großeltern und ihre Enkel: Wann können wir die Kleinen wiedersehen?

Ein Gastbeitrag von Silke Schröckert. "Ich stelle mir das Oma-Sein so vor: Man empfindet nur (oder zumindest hauptsächlich) die großartigen, überwältigenden, mit Liebe gefluteten Emotionen."
Über Großeltern und ihre Enkel: Wann können wir die Kleinen wiedersehen?

Geschrieben von Silke Schröckert, 15. November 2021

Letzte Aktualisierung: 15. November 2021

Wir präsentieren heute eines der Kapitel des neuen Buches der Autorin Silke Schröckert, das die innige Beziehung zwischen Großeltern und ihren Enkelkindern schildert. Sicherlich werden sich viele damit identifizieren.

Warum das Wort „enkelsüchtig“ in den Duden gehört

„Nie wollte ich so eine dieser komischen alten Frauen sein, die sich nur noch über ihre Enkel identifizieren und ständig darüber plappern, was die schon alles können.“ Diesen Satz hat meine Mutter nicht nur gesagt, sie hat ihn aufgeschrieben für mein Großeltern-Portal enkelkind.de. „Hatte ich übrigens schon berichtet, wie toll der Große bereits in der 1. Klasse liest und die Mädchen mit vier und drei Jahren malen, Storys erzählen und klettern können? Und wie hübsch alle drei sind? Und wie groß?“, geht ihr Erfahrungsbericht weiter, der den Titel trägt: „Bin ich enkelsüchtig?“

Großeltern und Enkelin mit Gitarre

Das Großartige an Enkelkindern ist laut Volksmund, dass man sie wieder abgeben kann. Die Großeltern meiner Kinder bestätigen das natürlich nur hinter vorgehaltener Hand. Aber mir ist klar: Wenn schon ich mit meinen 37 Jahren nach einem Wochenende voller Spielplatzbesuche, Paw-Patrol-Rollenspiele und Hilfe-die-Tomatensoße-berührt-die-Nudeln-ich-ess-das-nicht-Diskussionen maximal erschöpft bin, dann ist das mit ein paar Jahrzehnten mehr Lebenserfahrung sicher nicht leichter wegzustecken. Natürlich im Gegenteil.

Großeltern und ihre Enkel: “Wann kommen sie wieder?”

Und dennoch: Kaum ist mein Vater mit den Kindern auf der Rückbank vom Hof gefahren, um sie zurück zu uns nach Hamburg zu bringen, schreibt meine Mutter mir schon die erste Nachricht: „Wann kommen sie wieder? (Smiley mit Herzchenaugen)“ Und wenn meine Schwiegermutter die 400 Kilometer aus Wiesbaden hochgefahren kommt, stundenlanger Stau vorm Elbtunnel inklusive, um eine Woche lang die Kinder aus Schule und Kita abzuholen, den ganzen Nachmittag zu betreuen und abends beim Schlafengehen nicht weniger als sieben Bilderbücher vorzulesen, bevor sie selbst erschöpft ins Bett fällt, dann fragt auch sie mich noch vor der Abreise: „Wann braucht ihr mich wieder?“ (ohne Smiley, aber mit metaphorischen Herzchen in den Augen).

Ich stelle mir das Oma-Sein so vor: Man empfindet nur (oder zumindest hauptsächlich) die großartigen, überwältigenden, mit Liebe gefluteten Emotionen. Die ganze Panik und das Hilfe-ich-werde-alles-falschmachen-Gefühl hat man ja schon bei den eigenen Kindern hinter sich gebracht (und irgendwann festgestellt, dass sie unnötig sind). Und die eigene Elternerfahrung sorgt dafür, dass einen wiederkehrende Trotzanfälle, lautstarke Geschwisterstreitigkeiten oder Unfälle mit „Blutwunden“ nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Ein ewig anhaltender Glücksgefühl-Rausch, ohne Angst vor dem Kater. Denn wenn es wirklich zu anstrengend wird, sind ja immer noch die Eltern da. Ganz im Ernst: Wie könnte man danach nicht süchtig sein?

(Dieser Text ist eines von 101 Kapiteln aus dem Buch „101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen“ von Silke Schröckert)

Bibliografie:

Textauszug mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Autorenfoto ©Anja Jung.

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