Trauertherapie: Wie man dem Abschied die Stirn bieten kann

· 21. Mai 2018

Der Tod und der Verlust eines geliebten Menschen sind sehr schwierige Prozesse, die wir alle schon überstehen mussten und die wir wohl wieder durchleben werden. Doch es ist leider so, dass nicht alle Menschen über die gleichen Ressourcen oder Werkzeuge verfügen, um mit solchen Situationen fertig zu werden. Manchmal dauert dieser Prozess an und entwickelt sich zu einer chronischen Belastung.

Man schätzt, dass das bis zu 20 % aller Personen passiert, die einen Trauerprozess durchmachen müssen. Für diese Fälle gibt es verschiedene Strategien, die uns helfen können, diesen Zustand zu überwinden, in dem wir uns als „Gefangene unserer Trauer“ fühlen. Auf der anderen Seite erlauben sie es uns, einen fortwährenden, aber noch normalen Trauerprozess von einer pathologischen Trauer zu unterscheiden. Es geht darum, diese Frage zu beantworten: Inwieweit ist anhaltendes Leid normal?

Normale Trauer und pathologische Trauer

Trauer umfasst eine Reihe von Reaktionen auf körperlicher, emotionaler und sozialer Ebene, die durch einen signifikanten Verlust ausgelöst werden, z. B. durch den Tod eines geliebten Menschen. Die Symptome können in Intensität und Dauer variieren, in einigen Fällen können sie chronisch werden. Wichtig ist, zu verstehen, dass es sich zunächst um eine adaptive Reaktion handelt.

Trauer, Traurigkeit und Angst sind die häufigsten Gefühle, die in genau dieser Reihenfolge auftreten, zusätzlich zur Angst vor Einsamkeit. Auch Schuldgefühle können auftreten und Betroffen können das Interesse an allem, was sie umgibt, verlieren. Ein normaler Trauerprozess bedeutet, dass diese Symptome über einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu einem Jahr abklingen.

Weinende Frau, die ihre Hände vor ihr Gesicht hält

Wenn die emotionalen Reaktionen sehr intensiv sind, es für uns schwieriger wird, unser tägliches Leben zu meistern, und die oben genannten Symptome länger als ein Jahr andauern, wird von pathologischer Trauer gesprochen. In diesen Fällen können auch ungewöhnliche Symptome wie visuelle oder akustische Halluzinationen oder Selbstmordgedanken auftreten. Der pathologische Trauerprozess wird ist oft auch durch abnormes Verhalten wie soziale Isolation, persönliche Vernachlässigung und Substanzabhängigkeit geprägt. Dann ist es eine gute Idee, eine Therapie in Betracht zu ziehen, um uns helfen zu lassen.

Trauertherapie: therapeutische Strategien

In der Behandlung von pathologischer Trauer werden sowohl individuelle Therapien als auch Gruppentherapien eingesetzt. Es hat sich auch gezeigt, dass es in einigen Fällen sehr effektiv ist, beide zu kombinieren. Es geht darum, die individuellen Ressourcen des Betroffenen zu erweitern, aber auch auf soziale Unterstützung zu bauen, die er benötigt, um seine Isolation zu beenden.

In jedem Fall ist das Hauptziel der Trauertherapie nicht, den Verstorbenen zu vergessen, sondern zu vermeiden, dass die Erinnerung an den Verstorbenen eine Blockade auslöst. Zwischenziele einer solchen Therapie sind daher folgende:

  • Den Ausdruck der Gefühle und Erfahrungen in Bezug auf die verstorbene Person zu erleichtern. In vielen Gelegenheiten ist die Person still und findet keine Worte, um auszudrücken, was sie fühlt oder denkt. Dadurch erschwert sie es sich selbst, den Tod der geliebten Person zu überwinden.
  • Über die Umstände, die zum Tod geführt haben, sprechen. Häufig wird der Tod eines geliebten Menschen als noch schmerzhafter empfunden, wenn dieser hätte vermieden werden können, z. B. bei Selbstmord oder Terroranschlägen. Darüber zu sprechen erleichtert Assimilation und Akzeptanz.
  • Das Zentrum der Therapie auf die Lösung alltäglicher Probleme und die Bewältigung des Alltags richten. Große Erfolge werden durch kleine tägliche Schritte erzielt.
  • Den Patienten in seine Zukunft schauen lassen, um ihm so zu helfen, lohnende Aktivitäten in seine alltägliche Routine zu integrieren. Dies lässt den Patienten spüren, dass es trotz allem noch immer Dinge gibt, die ihm ein gutes Gefühl geben können.

Die gerichtete Klage als Trauertherapie

Diese Form der Therapie wird bei Menschen eingesetzt, die pathologische Trauer inklusive Vermeidungsverhalten, emotionaler Blockade, Albträume und invasive Gedanken zeigen bzw. erfahren. Die gerichtete Klage besteht darin, dass die betroffene Person mit Erinnerungen konfrontiert wird, die sie mit dem Verstorbenen in Verbindung bringt, insbesondere mit geteilten Erfahrungen.

Sie wird vielleicht dazu ermutigt, Briefe zu lesen oder ein Fotoalbum zu betrachten. Es wird in jedem Fall versucht, diese emotionale Hemmung zu brechen. Der zugrundeliegende Mechanismus, der diese Art von Therapie funktionieren lässt, ist die Schwächung der konditionierten emotionalen Reaktion, also der Traurigkeit, durch die wiederholte Präsentation von Reizen, die eben diese Reaktion erzeugen. Das heißt, wir setzen den Patienten dem aus, was die Traurigkeit hervorruft, bis dieser Reiz nicht mehr genügt, um die zuvor gezeigte emotionale Reaktion zu triggern.

Diese Methode sollte mit positivem Verhalten kombiniert werden, das abgelegt wurde, als der Trauerprozess begonnen hat, also ins Kino gehen, essen gehen, reisen, usw.

Frau hält ein Foto im Arm

Indikatoren der Genesung nach pathologischer Trauer

Wie können wir wissen, ob die Trauertherapie erfolgreich war? Welche Verhaltensweisen zeigen uns die Genesung nach pathologischer Trauer? Hier nennen wir euch eine Reihe von Indikatoren oder Signalen, an denen man diese Genesung erkennen kann:

  • Die Person hat ihren Appetit und Schlafrhythmus wiedergefunden.
  • Der verbale und mimische Ausdruck von Gefühlen, Lächeln und Umarmungen erscheinen wieder.
  • Der Betroffene ist wieder aktiv, nimmt sein soziales Leben wieder auf und ist nun bereit, anderen in schweren Zeiten zu helfen.
  • Die Erinnerung an den Verstorbenen ist bereits Teil der persönlichen Geschichte geworden, löst keine überschießenden negativen Emotionen mehr aus. Sie ruft eher positive Gefühle hervor, die mit der Person verbunden werden, die jetzt nicht mehr da ist.
  • Der Betroffene genießt sein Leben und setzt sich Ziele.

Kurz gesagt, Trauer ist ein langwieriger Prozess, der eine persönliche Entwicklung umfasst, die in ihrer Umsetzung jedoch nicht immer ganz einfach ist. In jedem Fall kann uns die Kenntnis um pathologische Trauer und Trauertherapie helfen, den letzten Abschied zu bewältigen, und uns dazu motivieren, die Hilfe eines Fachmanns in Anspruch zu nehmen, wenn es notwendig ist.