Tokophobie: irrationale Angst vor einer Schwangerschaft und der Geburt

30 Mai, 2020
Heute werden wir über eine wenig bekannte Phobie sprechen, die sich Tokophobie nennt. Menschen mit Tokophobie haben eine irrationale Angst vor einer Schwangerschaft und der Geburt. Diese Art der Angst kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen.
 

Schwangerschaft und Geburt sind wichtige Ereignisse im Leben einiger Frauen. Während diese Erfahrung für viele Frauen eine große Freude ist, kann sie jedoch auch extreme Angst verursachen. Weniger verbreitet ist dagegen eine echte irrationale Angst davor, nicht nur zu gebären, sondern auch schwanger zu werden. Diese Angststörung ist unter dem Namen Tokophobie, oder auch Schwangerschaftsphobie, bekannt.

Diese pathologische Angst führt dazu, dass einige Frauen es vermeiden, Kinder zu haben. Sie haben Angst vor der Idee, mit einer Schwangerschaft und der Geburt umzugehen. Es ist nicht so, dass sie keine Mütter sein wollen. Im Gegenteil, die meisten Frauen, die an einer Schwangerschaftsphobie leiden, wollen tatsächlich Mütter sein. Sie entscheiden sich jedoch von Anfang an für einen Kaiserschnitt, um eine vaginale Geburt zu vermeiden.

Die Symptome der Tokophobie

Tokophobie ist als eine Angststörung eingestuft. Die häufigsten Symptome sind:

  • Schlafstörungen
  • Panikattacken
  • Vermeidungsverhalten
  • Angstzustände
  • Depressionen

Die Angst vor der Geburt selbst kann über die Geburt hinaus negative Auswirkungen haben. Ein elektiver Kaiserschnitt erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Geburtstraumas und kann die Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigen.

Die Angst vor der Geburt kann über die Geburt hinaus negative Auswirkungen haben. Ein elektiver Kaiserschnitt erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Geburtstraumas und kann die Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigen.
 

Die zwei verschiedenen Arten von Tokophobie

Experten haben zwei Arten der Schwangerschaftsphobie identifiziert. Die erste, primäre Tokophobie, betrifft Frauen, die sich mit ihrer ersten Geburt befassen. Diese Art der Tokophobie kann sich bereits vor der Schwangerschaft manifestieren oder dann eintreten, wenn die Frau schließlich schwanger ist.

Diese tief sitzende Angst vor einer Geburt tritt häufiger bei Frauen, Jugendlichen oder Mädchen auf, die Opfer sexuellen Missbrauchs sind. So können routinemäßige medizinische Untersuchungen während der Schwangerschaft Rückblenden von ihrem ursprünglichen Trauma auslösen.

Die sekundäre Tokophobie betrifft dagegen Frauen, die bereits Mütter sind oder zuvor schwanger waren. Sie wird manchmal durch ein traumatisches Geburtserlebnis, fehlgeschlagene Fruchtbarkeitsbehandlungen, Fehlgeburten und Totgeburten verursacht.

Die Ursachen

Experten haben verschiedene Theorien über die Ursachen einer Schwangerschaftsphobie. Eine davon ist, Aussagen anderer Frauen darüber zu hören, wie schmerzhaft oder schwierig ihre Geburten waren. Ein weiterer Grund ist das Vorliegen von Störungen, wie Angstzuständen oder Depressionen.

Im Allgemeinen beinhaltet die Tokophobie eine irrationale Angst vor einer schlechten Schmerzbehandlung, Kontrollverlust, mangelndem Vertrauen in das medizinische Personal, sowie eine übertriebene Angst um das Leben von Mutter und Kind.

Der Mangel an sozialer Unterstützung verschärft zweifellos die mit Tokophobie verbundene Unsicherheit. Viele Frauen, die an der Störung leiden, versuchen, sich selbst mit einer Schwangerschaft und der Geburt auseinanderzusetzen. Die Zahlen sind nicht genau bekannt, aber Forscher glauben, dass zwischen 2 und 15 Prozent der Frauen an einer Schwangerschaftsphobie leiden.

 

Überraschenderweise betrifft diese Störung jedoch nicht ausschließlich Frauen. Denn viele Männer leiden ebenfalls an Tokophobie. Sie sind zutiefst besorgt über die Unsicherheit der Schwangerschaft und der Geburt. Sie haben Angst vor einer Geburt und vor dem, was mit ihrer Partnerin und dem zukünftigen Kind passieren könnte.

Die Psychotherapie und die kognitive Verhaltenstherapie scheinen gut zu funktionieren, um eine Tokophobie zu behandeln.

Therapeutische Intervention

Die Psychotherapie und die kognitive Verhaltenstherapie scheinen gut zu funktionieren, um diese Art von Angststörungen zu behandeln. Die kognitive Verhaltenstherapie erzielt gute kurzfristige Ergebnisse, da sie sich auf bestimmte Symptome konzentriert.

Leider lässt sich die Wirksamkeit dieser Behandlungen nicht durch eine Vielzahl von Forschungsergebnissen bestätigen. Aufgrund dessen, was wir wissen, scheint es jedoch so, dass Patienten, die sich dieser Art von Therapie unterziehen, vor und nach der Geburt weniger Angst haben. Experten empfehlen einen multidisziplinären Ansatz, der eine psychologische und geburtshilfliche Unterstützung umfasst.

Die uns vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass bis zu 80 Prozent der Frauen ein gewisses Maß an Angst und Furcht vor einer Schwangerschaft und der Geburt haben. Da dies absolut normal ist, sollte diese Art von Angst jedoch nicht wie eine Störung behandelt werden.

 

Tokophobie betrifft eine viel geringere Anzahl von Menschen und geht über die normalen Bedenken zukünftiger Eltern hinaus, ein Kind auf die Welt zu bringen.

Wenn du unter irrationalen Ängsten im Zusammenhang mit einer Schwangerschaftsphobie leidest, zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn die Ärzte und Therapeuten können all die Werkzeuge bereitstellen, die du benötigst, um deine Symptome zu kontrollieren und eine gesunde und positive Erfahrung während der Schwangerschaft und Geburt zu erleben.

 

Bhatia, M. S., & Jhanjee, A. (2012). Tokophobia: A dread of pregnancy. Industrial psychiatry journal, 21(2), 158–159. doi:10.4103/0972-6748.119649

Rondung, Elisabet; Thomtén, Johanna; Sundin, Örjan (2016) Psychological perspectives on fear of childbirth. Science Direct, Volume 44, December 2016, Pages 80-91

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