Theophobie oder die Angst vor Gott

Manche Menschen haben panische Angst vor Gott oder allem, was mit der Religion zu tun hat. Erfahre heute mehr über diese Angststörung.
Theophobie oder die Angst vor Gott

Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2022

Theophobie bezeichnet die krankhaft übertriebene Angst vor Gott, einer göttlichen Bestrafung und im Allgemeinen vor der Religion. Es handelt sich um eine spezifische Angststörung, die Betroffene dazu bringt, jeden Kontakt mit spirituellen und religiösen Aktivitäten zu vermeiden, zum Teil auch Personen, die an Gott glauben.

Die Bezeichnung dieser Angststörung leitet sich von den griechischen Worten “theo” (Gott) und “phobos” (Angst) ab. 

Wir sprechen nicht von Gottesfurcht, sondern von pathologischer Angst, die an folgenden Merkmalen zu erkennen ist:

  • Übertriebene Angstreaktion, ähnlich wie in einer lebensbedrohlichen Situation
  • Die betroffene Person hat keine Erklärung für diese Angst und kann sie nicht kontrollieren.
  • Die Theophobie führt zu Vermeidungsverhalten und verschwindet nicht ohne Therapie.
  • Betroffene zeigen maladaptive Reaktionen
  • Diese Angststörung kann in jedem Alter oder Lebensabschnitt auftreten.

Die Symptome der Theophobie

Die Symptome sind denen anderer spezifischer Angststörungen ähnlich. Wir können sie in physiologische, kognitive und verhaltensbezogene Anzeichen klassifizieren.

Physiologische Symptome

Folgende physiologischen Reaktionen entstehen bei Theophobie durch die Aktivierung des autonomen Nervensystems:

  • erhöhte Herzfrequenz
  • erhöhte Atemfrequenz
  • Schwitzen
  • Hemmung des Speichelflusses
  • Magenkontraktionen
  • Übelkeit
  • erhöhter Blutdruck
Die Symptome der Theophobie
Theophobie ist eine spezifische Angststörung, die sich auf die Lebensqualität auswirkt.

Kognitive Symptome

Diese Symptome machen sich in den Interpretationen, Überzeugungen oder Erzählungen der betroffenen Person bemerkbar:

  • negative Bilder und Überzeugungen im Zusammenhang mit Gott und der Religion
  • Glaube an die Unfähigkeit, mit spirituellen oder religiösen Situationen umgehen zu können
  • negative Interpretation der physiologischen Reaktionen
  • kreisende Gedanken und Grübelei
  • Sorgen
  • Alarmzustand

Verändertes Verhalten durch Theophobie

Am häufigsten führt die irrationale Angst vor Gott zu Vermeidungsverhalten. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass sich die betroffene Person sofort entfernt, wenn sie eine Kirche sieht.

Die Ursachen der Theophobie

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Perspektive

Die Theophobie kann aus einer schmerzhaften oder unangenehmen Erfahrung resultieren (Bestrafung, Trauma…). Die Angst vor Gott soll vor einer ähnlichen Situation schützen.

Diese Angststörung könnte jedoch auch durch stellvertretendes Lernen, das heißt durch die Erfahrung einer nahestehenden Person, entstehen. Wenn ein Elternteil Angst vor Gott hat, übernimmt das Kind durch die Beobachtung der entsprechenden Reaktionen dieselbe Einstellung.

Weitere Erklärungen sind verzerrte Gedanken und ein gestörter innerer Dialog. Betroffene konstruieren aus bestimmten Erfahrungen im Zusammenhang mit Gott oder einer Religion Überzeugungen, die ihre Angst schüren.

Biopsychosoziale Perspektive

Aus dieser Perspektive können wir als Ursache extreme Stresssituationen nennen, auf die Betroffene alarmiert reagieren (große Angst oder Panikattacken). Sie können ihre Gedanken nicht kontrollieren und zeigen unberechenbares Verhalten.

Diese Reaktionen hängen von der genetischen Anfälligkeit, der sozialen Unterstützung und dem Vorhandensein bestimmter Persönlichkeitsmerkmale (Bewältigungsfähigkeiten, Angstempfindlichkeit, negative Einstellungen) ab, die bis zu einem gewissen Grad ein Produkt des Erziehungsstils der Bezugspersonen sind (Bados, 2017).

Angst ist das Produkt der Interaktion zwischen dem biologischen, dem psychologischen und dem nährenden oder sozialen Umfeld. Die biologische Veranlagung allein ist keine direkte Ursache, es bedarf kontextbezogener Faktoren, die sie aktivieren.

Intervention bei Theophobie

In den meisten Fällen kommt bei spezifischen Angststörungen wie Theophobie die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz. Folgende Methoden können hilfreich sein.

Kognitive Umstrukturierung

Die kognitive Umstrukturierung konzentriert sich darauf, falsche Überzeugungen über Gott und Religionen abzubauen und funktionale Überzeugungen zu stärken. So lernt die phobische Person in einer Therapie, ihre unangepassten Gedanken zu erkennen und zu hinterfragen, um sie durch angemessene Anschauungen zu ersetzen.

Gedanken werden als bloße Hypothesen über die Realität betrachtet, deshalb arbeitet die betroffene Person in der Therapie daran, Daten zu sammeln, um die Gültigkeit oder Falschheit ihrer Überzeugungen zu bestimmen. Die Therapeutin oder der Therapeut entwickelt Fragen und Verhaltensexperimente, die es der Person ermöglichen, ihre dysfunktionalen Gedanken zu bewerten und zu testen.

Systematische Desensibilisierung

Das standardisierte systematische Desensibilisierungsverfahren umfasst vier grundlegende Schritte (López et al., 2012):

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Hierarchiebildung
  • Bewertung und Praxis der Vorstellungskraft
  • Kombinierte Anwendung von Angst- und Entspannungsreaktionen

Das Verfahren besteht darin, sich den ersten Stimulus auf der Liste vorzustellen, der am wenigsten angstauslösend ist, und damit die Muskelrelaxation durchzuführen. Dies wird mit allen angstauslösenden Reizen gemacht.

Chica preocupada en la terapia psicológica
Die systematische Desensibilisierung hilft Betroffenen, sich an den phobischen Reiz zu gewöhnen und physiologische Folgen zu verringern.

Expositionstechnik gegen Theophobie

Diese Technik ist weitverbreitet und gilt als effektiver als die Desensibilisierung. Letztere kann jedoch einen guten Ausgangspunkt bieten, um danach die Expositionstechnik anzuwenden. Dabei  setzt sich die betroffene Person dem angstauslösenden Stimulus aus (Kirchen, Moscheen, spiritueller Kult…). Dies erfolgt so lange, bis die Angst nachlässt (Fernández, García & Crespo, 2012).

Die Theophobie ist eine seltene spezifische Phobie, die das Leben der betroffenen Person ernsthaft beeinträchtigen kann. Deswegen ist professionelle Hilfe grundlegend, um ihre Lebensqualität zu verbessern.

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  • Fernández, M. Á. R., García, M. I. D., y Crespo, A. V. (2012). Manual de técnicas de intervención cognitivo conductuales. Desclée de Brouwer.
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