Terrorismus: Wenn uns sein Schatten zur Hilflosigkeit führt

25. Mai 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Konsequenz des Terrorismus - Menschen, die nach einem Anschlag den Opfern gedenken

Häufig wird gesagt, dass es keinen größeren Freiheitsverlust gäbe, als die Unsicherheit, die durch Angst ausgelöst werde. Der Terrorismus und die Anschläge in jüngster Zeit haben deshalb nicht nur die Opfer selbst und ihre Familien eine Wirkung. Ihre emotionalen und psychischen Folgen, begleitet vom Schatten der Angst, haben uns alle erreicht.

Der Terrorismus hat das Fleisch und Blut unserer Gesellschaft infiziert. Die Opfer, über die in den Nachrichten gesprochen wird, leben nicht mehr nur in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Dort, wo das Leid in den Augen der westlichen Welt manchmal egoistisch normalisiert wird. Heutzutage personalisieren wir dieses Leid viel mehr, denn leider erinnern uns die Menschen und Leben, über die jetzt berichtet wird, an uns selbst.

Der Terrorismus ist der größte Fehlschlag der Menschheit. Er ist der Keim des Hasses, des Unverständnisses und des Bösen. Einer, der es schafft, Nationen und Gesellschaften zu spalten. Aber wozu?

Der Terrorismus stellt eine globale Bedrohung dar, die uns alle betrifft. Eine Bedrohung, die ihre ganz eigenen Auswirkungen auf uns alle hat. Zu diesen Auswirkungen zählen ein mangelndes Sicherheitsgefühl und die Angst vor erneuten Anschlägen. Die Unvorhersehbarkeit dieser Anschläge versetzt uns noch mehr in Angst. Häufig verursachen Attentate dann sogar ein mangelndes Vertrauen in unsere eigenen Institutionen. Wir stehen neuen emotionalen und psychischen Aufgaben gegenüber und müssen lernen, wie wir ihnen die Stirn bieten können, ohne unsere Angst auf falschen Wegen zu kanalisieren.

Wir laden dich dazu ein, mit uns darüber nachzudenken.

Der Terrorismus und seine psychischen Auswirkungen

Oft wird gesagt, dass die Welt seit dem 11. September nie wieder dieselbe gewesen sei. Deshalb wagt man es, unsere Gesellschaft in der Krise als Getriebe zu beschreiben, in dem die Sandkörner der Angst reiben. Dank dieser Angst werden Kontrollmaßnahmen verschärft. Machtverhältnisse wandeln sich und der staatliche Apparat arbeitet ausschließlich auf das Ziel der Sicherheit hin. Aber absolute Sicherheit hat es nie gegeben und wird es nie geben.

bewachter Bahnhof

Wir dürfen dabei nicht außer Acht lassen, dass unser Sicherheitsgefühl im Prinzip die Abwesenheit von Angst ist. Zusätzlich ist sie auch ein Recht, das in der Charta der Vereinten Nationen beschrieben ist. Dort wird aufgeführt, dass die körperliche und geistige Integrität jeder Person bewahrt werden müsse. Sie habe das Recht, verteidigt und beschützt zu werden. Wenn dies nicht erreicht wird, verlieren Kontrollen ihren Sinn und unsere gesellschaftliche und persönliche Entwicklung wird behindert.

Die Auswirkungen des Terrors und der Hilflosigkeit

Laut einer Studie, die von der Internationalen Universität in Valencia (Spanien) durchgeführt wurde, gibt es zwei Phänomene, die erklären, wie uns terroristische Handlungen beeinflussen:

  • Der Welleneffekt. Ein Anschlag oder Unglück schlägt Wellen, die sich mehr oder weniger kreisförmig ausbreiten. Die ersten Wellen treffen die Opfer und ihre Familien. Die zweiten Wellen treffen die Gemeinde, die Stadt oder das Land. Hier ist die emotionale Wucht der Wellen so stark, dass angesichts möglicher weiterer Anschläge schließlich Angst und ein Gefühl der Hilflosigkeit entwickelt wird.
  • Der Ansteckungseffekt. Dieser Effekt geht nicht nur auf den Kontakt mit den direkten Opfern des Terrors zurück. Er wird auch durch die Medien genährt, die Angst erzeugen und das Gefühl der Unsicherheit verstärken.

Wir bemerken es nicht, aber es wird ein Dominoeffekt erzeugt. Zunächst sind wir über den Anschlag schockiert, dann fühlen wir uns hilflos. Später wird unser Gefühl der Hilflosigkeit durch Fernsehen, soziale Medien und Gespräche mit anderen Menschen verstärkt. Es steigt bis zu einem Punkt, an dem es unsere Lebensweise einschränkt.

Blumen auf der Straße zum Gedenken an Opfer

Wir hören auf, zu reisen, und beginnen, gewissen Gruppen zu misstrauen. Wir entwickeln Vorurteile gegen Menschen, die ein bestimmtes Aussehen haben, bestimmte Kleidung tragen, an bestimmten Orten wohnen. Das ist die schrecklichste Konsequenz des Terrorismus: Er zerrüttet unsere Gesellschaft, weil wir es ihm in unserer Angst gestatten.

Wir müssen keine Gefangenen der Angst sein

Es gibt einen interessanten Artikel in der Zeitschrift Psychology Today, in dem erklärt wird, dass der Terrorismus in unserer Gesellschaft in genau dem Moment triumphiert, in dem wir folgende Verhaltensweisen zeigen:

  • Angst spüren und sich vor einem Anschlag in unserer Umgebung fürchten
  • Gegenüber staatlichen Institutionen Misstrauen entwickeln
  • Das Bedürfnis haben, mit unseren Familien an einen sichereren Ort zu ziehen
  • Den Urlaub absagen und nicht mehr reisen

Der Psychologe Ordoñez Díaz fügt hinzu, dass das Ziel von Terroranschlägen vor allem das Erzeugen eines psychologischen Einflusses sei. Einer umfassenden Wirkung auf die Gesellschaft. Doch damit nicht genug, die Terroristen streben ebenso eine Art Macht an, die auf Angst und dem Gefühl der Unsicherheit aufbaut.

Menschen, die den Opfern des Terroranschlags in Brüssel gedenken

Es ist möglich, dass wir nicht die Mittel zur Verfügung haben, um dieses Unglück zu beenden. Die politische Komplexität und die dunklen Absichten, die im Theater der Geostrategie, der Politik und Rüstung stattfinden, geben uns das Gefühl, mehr Puppen zu sein als Hauptakteure.

Um uns dem Gefühl der Hilflosigkeit oder des Leids stellen zu können, müssen wir es jedoch vermeiden, Gefangene der Angst zu bleiben und an etwas so Grundlegendem festhalten, wie daran, ein normales Leben zu führen. Uns miteinander identifizieren und einander respektieren hilft uns dabei, ruhig und ausgeglichen zu bleiben.

Um dies zu erreichen, möchten wir diesen Beitrag gerne mit einer Überlegung beenden. Halte dir die Worte des Philosophen Fernando Savater vor Augen:

„Es geht nicht darum, die Motive der Terroristen, sondern unsere zu verstehen, um uns gegen sie zu wehren, ohne ihre Waffen einzusetzen.“

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