Stress zu vermeiden ist einfach, wenn du weißt, wie

20. November 2017 en Psychologie 1 Geteilt
Gestresste Frau fässt sich an den Kopf

Wir können Stress als Prozess betrachten, der in Gang gesetzt wird, wenn jemand eine Situation oder ein Ereignis als Bedrohung wahrnimmt, deren Bewältigung seine Ressourcen überschreitet. Der Eckpfeiler dieser Definition ist der Begriff „wahrnehmen“: Es geht nicht darum, ob die Bedrohung wirklich existiert oder nicht, sondern darum, ob die Person sie als solche wahrnimmt. Stress vermeiden ist in jedem Fall empfehlenswert, um unsere psychische und physische Gesundheit zu schützen.

Oft sind die Ereignisse, die Stress auslösen, mit Veränderungen verbunden. Veränderungen, die das Individuum zwingen, mehr Kraft zu investieren als gewohnt. Es gefährdet daher das Wohlbefinden des Einzelnen. Das heißt, Stress ist nicht direkt darauf zurückzuführen, dass bestimmte Aktivitäten nicht (mehr) ausgeführt werden können oder dass wenig Zeit zur Verfügung steht, um verschiedene Ziele zu erreichen. Bei Stress geht es mehr um die Wahrnehmung des Einzelnen als um die Situation selbst: Eine einzige Situation kann für eine Person stressig sein und nicht belastend für eine andere.

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass jemand einer Stresssituation ausgesetzt ist, wenn er sich mit Anforderungen konfrontiert sieht, die seine Ressourcen übersteigen. Dann entsteht die Empfindung, dass in kurzer Zeit keine adäquate Antwort auf die Ansprüche gegeben werden kann.

„Jemand, der unter Stress leidet, kann sich nicht mit Anforderungen seiner Umwelt auseinandersetzen, von denen er annimmt, dass sie seine Ressourcen übersteigen.“

María Crespo

Gestresste Frau fässt sich an den Kopf

Welche Situationen erzeugen Stress?

Stressige Lebensereignisse oder Situationen

Dieser Punkt umfasst außergewöhnliche Ereignisse und traumatische Erlebnisse. Die Stresssituationen, die in Bezug auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen am besten erforscht sind, sind Situationen, die mit Krieg, Terroranschlägen, Missbrauch, Vergewaltigung, tödlichen Krankheiten, Auswanderung, Naturkatastrophen oder von Menschen verursachten Katastrophen zusammenhängen. Allerdings muss auch an Erfahrungen gedacht werden, die wir alle früher oder später machen, wie zum Beispiel der Verlust eines geliebten Menschen, eine Heirat, Scheidung oder Entlassung.

Alltägliche Ereignisse

Hiermit sind kleinere Ereignisse gemeint, die in einem gewissen Ausmaß fast alltäglich sind: Familienstreitigkeiten, wirtschaftliche Probleme, Staus, Gedächtnislücken… Studien zu den Auswirkungen solcher Alltagsprobleme haben gezeigt, dass wir die psychologische und somatische Reaktion einer Personen zu einem hohen Grad voraussagen können. Genauso können wir ihr Wohlbefinden voraussagen, wenn der Alltagsstress reduziert wird.

Chronische Anspannung

Dauerhaufte Anspannung ist der wichtigste Stressor, denn auch bei geringer Intensität führt sie über längere Zeiträume zu einer hohen Belastung. Typische Beispiele sind konfliktgeladene Arbeitsverhältnisse mit ständiger Überlastung oder ungewissen Zukunftsperspektiven, Beziehungsprobleme, Situationen sozialer Marginalisierung, oder die Betreuung von Patienten mit chronischen Krankheiten, älteren oder dementen Menschen.

Gehirn unter Druck

Stress vermeiden, aber wie?

Körperliche Bewegung und Sport

Moderate körperliche Betätigung, zum Beispiel 30-minütige Spaziergänge, verbessern deine Gesundheit, dein Aussehen und reduzieren deine Anspannung. Das gilt für jeden, egal ob er unter Stress leidet oder nicht. Du hast also keine Ausrede mehr, keinen Sport zu machen.

Bei körperlicher Bewegung setzen wir Endorphine frei. Das sind Substanzen, die unser Körper produziert, um Schmerz zu mildern und Wohlgefühl zu erzeugen. Deshalb werden Endorphine auch Glückshormone genannt.

Achte auf deine Gesundheit

Achte auf eine ausgewogene Ernährung, schlafe ausreichend und gut und vermeide Zigaretten, Alkohol und andere Drogen. Es mag offensichtlich erscheinen, aber die meisten von uns kümmern sich nicht ausreichend um ihre Gesundheit. Menschen mit einer Tendenz zu Angstzuständen entwickeln noch eher ungesunde Verhaltensweisen und leiden stärker an ihren Folgen.

Denke einmal darüber nach: Wenn du dich gestresst fühlst, vernachlässigst du eher deine Ernährung, ist zu viel oder zu wenig, nimmst kalorienreiche und nährstoffarme Lebensmittel zu dir.

Organisiere deine Zeit

Du tust besser daran, Zeit übrig zu haben, als dich dadurch zu erschöpfen, dass du alles bis zur letzten Sekunde aufschiebst. Bereite Meetings und Treffen vor und stehe gegebenenfalls morgens etwas früher auf, um nicht schon in den Tag hasten zu müssen. Denke daran, dass dein Körper etwas Zeit zum Aufwärmen braucht.

Eine Tagesordnung kann wirklich helfen, deine Zeit zu organisieren. Schreibe in dieser Tagesordnung alles auf, was du während des Tages tun musst. Kategorisiere außerdem deine Aufgaben, die dringend, weniger dringlich und aufschiebbar sind. Du kannst verschiedene Farben verwenden, um diese Aufgaben in Kategorien zu unterteilen, sodass du sie auf einen Blick erkennen kannst.

Stress vermeiden durch Zeitmanagement

Festlegen von Zeitplänen und Routinen

Routinen sind besonders beruhigend für Menschen, die sich leicht überwältigt fühlen. Eine Routine zu haben, schafft ein Gefühl von Ordnung und Kontrolle. Es bekämpft auch die Tendenz, tausend Dinge gleichzeitig zu tun, ohne sich wirklich auf eines zu konzentrieren. Das ist charakteristisch für Menschen, die mit Stress kämpfen.

Wenn du Zeitpläne und Routinen erstellst, kannst du die wichtigen Dinge im Auge behalten, die du jeden Tag erledigen musst. Es ist wichtig, dass du nicht mehr Aufgaben übernimmst, als du tatsächlich leisten kannst. Erlaube auch etwas Spielraum für mögliche Rückschläge. Dies wird ohne Zweifel ein großes Gefühl der Kontrolle hervorrufen, das mit Stress unvereinbar ist.

Versuche, optimistisch zu sein

Optimistische Menschen leiden unter weniger körperlichen Anzeichen von Stress als pessimistische. Die Veranlagung zu Optimismus oder Pessimismus bestimmt die Menge und Intensität unnötigen Stresses, den jeder Mensch im Laufe seines Lebens erfährt.

Ob du es glaubst oder nicht, du kannst tatsächlich lernen, optimistischer zu sein und dadurch deinen Stress zu reduzieren. Um dies zu tun, ist es wichtig, dass du lernst, mit dir selbst anders zu sprechen, als du es bisher tust. Suche Beweise gegen das, was du auf so katastrophale Weise fürchtest.

Lache, kultiviere einen Sinn für Humor

Lachen hilft dir, zu entspannen, denn wenn du lachst, siehst du die freundliche und absurde Seite an jeder Situation. So werden deine Schwierigkeiten weniger ernst und schwerwiegend erscheinen.

Dies bedeutet nicht, dass du dir in bestimmten Situationen selbst etwas vormachen sollst. Aber du kannst versuchen, die komische Seite an schlechten Situationen zu sehen. Oder versuche, den Humor in deinen täglichen Gesprächen mit anderen zu finden. Jeder wird dir dafür danken, auch du dir selbst.

Interagieren, teilen und pflegen von Zuneigung

Nur sehr wenige Stresssituationen lassen sich nicht durch Anwesenheit, Unterstützung und Verständnis eines geliebten Menschen lindern. Daher ist es zu empfehlen, die eigenen Kommunikationsfähigkeiten so gut wie möglich zu trainieren, damit sich zwischenmenschliche Beziehungen verbessern können. So sehr, dass du deine Wertschätzung für andere zeigen kannst, um ihnen beim Lösen von Konflikten zu helfen und geschickt zu verhandeln.

Bedenke Folgendes: Über einem dichten sozialen Netz lässt sich Stress viel einfacher reduzieren. Es verbessert auch deine Gemütslage. Unabhängig davon, ob andere anwesend sind oder nicht, ist es für gestresste oder traurige Personen wichtig, die Verfügbarkeit und Nähe anderer wahrzunehmen.

„Keine Person würde sich dafür entscheiden, ohne Freunde zu leben, selbst wenn sie alle anderen Reichtümer hätten.“

Aristoteles

Frau genießt die Luft im Wald

Zum Schluss bleibt noch zu erwähnen: Bleibe in Kontakt mit der Natur. Die Wunder der Natur zu betrachten ist nicht nur schön, sondern auch sehr entspannend. Es hilft dir, dich auf etwas anderes als dich selbst zu konzentrieren, etwas Äußeres. Wenn wir uns als Teil der Welt fühlen, die uns umgibt, können wir unsere Sorgen relativieren und unsere Spannung reduzieren.

Wenn du diese Ratschläge befolgst und sie dir nicht helfen, deinen Stresspegel zu reduzieren, denke daran, dass du immer professionelle Hilfe in Anspruch nehmen kannst. Man kann dir helfen, ruhiger zu leben und jede Minute deiner Existenz zu genießen. Man kann lernen, es sich zu erlauben, zu entspannen.

Auch interessant