Stress und Hyperthyreose: eine stille Beziehung mit schwerwiegenden Auswirkungen

· 30. November 2018

Die Beziehung zwischen Stress und Hyperthyreose ist signifikant, uns aber oft nicht bewusst. Auch hinsichtlich anderer Organe vernachlässigen wir häufig die Auswirkungen, die chronische Stresszustände auf unsere Gesundheit haben können. Kortisol, das Hormon, das mit diesen Zuständen von Hyperaktivität und Hypervigilanz assoziiert wird, verändert am Ende nicht nur die Schilddrüsenfunktion, sondern beeinflusst auch unsere Nebennieren.

Wir wissen, dass Erkrankungen im Zusammenhang mit der Schilddrüse sehr häufig sind und dass ihr Auftreten von mehreren Faktoren beeinflusst wird. So können Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow, Veränderungen in der Hypophyse oder ein Defizit an Jod, aber auch eine Schwangerschaft dazu führen, dass wir eine Hypothyreose oder Hyperthyreose entwickeln.

Auf der anderen Seite sind wir uns nicht immer bewusst, wie sich unsere Emotionen im Zuge bestimmter Stoffwechselprozesse verändern. So zeigen Studien, wie sie in der Zeitschrift Thyroid Research  veröffentlicht wurden, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Kortisolspiegel und dem TSH-Wert (TSH = Thyreotropin oder schilddrüsenstimulierendes Hormon) gibt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, Stress ist ein Risikofaktor für eine Hyperthyreose. Wir sehen, wie Situationen von Druck, Qual und ständiger Sorge über Monate oder Jahre dazu führen, dass die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt und beschleunigt wird.

Die Hyperthyreose führt zu einem Übermaß an Schilddrüsenhormonen im Körper. Die häufigste Ursache dieser Krankheit sind chronische Stresszustände.

Arzt tastet die Schilddrüse seiner Patientin ab

Stress und Hyperthyreose

Jeden Tag gewinnen wir neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit einer Veränderung der Schilddrüsenfunktion. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Schilddrüsenhormone eine Vielzahl von Funktionen erfüllen, deren Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Homöostase, für die Erfüllung unendlicher Stoffwechselaufgaben, wie z. B. die Synthese vieler Proteine, unerlässlich ist.

Aus diesem Grund leiden Patienten mit Hyperthyreose in der Regel unter einer Vielzahl von Symptomen, einer Vielzahl von Veränderungen, Beschwerden und Begleiterscheinungen, die sich im Allgemeinen wie folgt zusammenfassen lassen:

  • Nervosität und Unruhe
  • Gefühl der Schwäche
  • Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme
  • Die Stimmung schwankt, die Person fühlt sich gereizt
  • Erhöhter Appetit
  • Gewichtsverlust trotz Konsum
  • Kropf, ein offensichtliches Symptom im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenüberfunktion, bei der die Person eine Schwellung im Bereich des Halses zeigt, die zu Schluck- oder Sprechproblemen führt
  • Haarausfall (auch feines und sprödes Haar)
  • Dünne Haut
  • Hitzeintoleranz
  • Tachykardie
  • Schlaflosigkeit
  • Veränderungen im Menstruationszyklus
Müde Frau

Niederländische Universitäten finanzierten 2012 eine umfangreiche und umfassende Studie, um den Zusammenhang zwischen Stress und Hyperthyreose zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in der Zeitschrift Psychoneuroendocrinology  veröffentlicht. Hier wurde auch gezeigt, dass Kortisol bei chronischen Stress- und Angstzuständen einen erheblichen Einfluss auf die Schilddrüse hat.

Andererseits erzählt uns die chilenische Ärztezeitschrift auch von einer anderen ebenso auffälligen wie wichtigen Realität: Menschen mit Panikstörungen leiden oft an Schilddrüsenproblemen. Diese neigt zur Beschleunigung und provoziert damit das klassische Bild der Hyperthyreose. Dabei handelt es sich um eine Komorbidität, die in der Regel schwerwiegende klinische Auswirkungen hat.

Darüber hinaus sind diese schilddrüsenbedingten Erkrankungen bei Frauen häufiger. Obwohl die Diagnose häufig gestellt wird, gelingt es nicht immer, die Ursache zu klären. Für die Behandlung ist sie aber von wesentlichem Interesse, denn es bedarf einer angepassten therapeutischen Strategie, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Da wir nun wissen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Stress und Hyperthyreose gibt, ist es notwendig, daraus auch Konsequenzen zu ziehen.

Schilddrüse

Prävention von stressbedingter Hyperthyreose

Hyperthyreoidismus (durch Stress verursacht oder nicht) erfordert zweifellos eine spezifische Behandlung, mit Pharmaka wie Propylthiouracil und Methimazol. Jeder Patient lebt jedoch eine einzigartige Realität auf und hat individuelle Bedürfnisse, die Fachleute bewerten müssen, um die am besten geeignete und passende Antwort geben zu können.

Doch über die Behandlung hinaus geht es uns in erster Linie darum, diese Erkrankungen verhindern zu können. Es ist klar, dass Stress nicht immer der Auslöser ist, aber da bestimmte psychische Bedingungen Stoffwechselveränderungen auslösen können, ist es notwendig, zu wissen, wie man mit diesen Situationen umgeht.

  • Punktueller und zeitlich begrenzter Stress hat wenig Einfluss auf unsere Schilddrüse. Wir sprechen von chronischem Stress, von dem, was wir nicht behandeln, von dem, was wir nicht sehen und das am Ende außerhalb unserer Kontrolle liegt. Es ist daher notwendig, uns Tag für Tag mit jedem Anliegen, jeder komplexen Emotion, jeder Last zu beschäftigen. Wir dürfen den Schatten, der uns heute stört, nicht bis morgen zurücklassen.
  • Wir müssen uns selbst Zeit einräumen. Den Tag über müssen wir mindestens zwei Stunden für uns selbst haben.
  • Körperliche Bewegung oder Übungen, wie z. B. Achtsamkeit, sind sehr effektiv bei der Bewältigung von Stress.
  • Es ist auch ratsam, uns um unsere Ernährung zu kümmern und unsere Lebensgewohnheiten zu verbessern: Ruhe und positive soziale Beziehungen von Qualität sind besonders förderlich.

Abschließend sei gesagt, dass Stress und Hyperthyreose eng miteinander verbunden sind, und dass die Pflege unserer Emotionen auch Investitionen in die Gesundheit bedeutet. Wenn wir jeden Tag aufwachen, uns anziehen und kämmen, sollten wir uns daran erinnern, uns auf die gleiche Weise um dieses komplexe innere Universum zu kümmern.