Stimuluskontrolle bei Abhängigkeiten und Suchterkrankungen

23 Mai, 2020
In unserem heutigen Artikel erzählen wir dir, was Stimuluskontrolle ist und wie sie üblicherweise während einer Therapie eingesetzt wird.
 

Die Stimuluskontrolle ist eine grundlegende Technik bei der Behandlung von Suchterkrankungen, um die destruktive Gewohnheit aufzugeben. Mit diesen Techniken sollen all jene Reize eliminiert werden, die das Suchtverhalten auslösen. Obwohl dieser Artikel sich mehr auf Abhängigkeiten bezieht, solltest du wissen, dass die Stimuluskontrolle ein probates Mittel bei jeder destruktiven Gewohnheit ist.

Den Rahmen dieser Technik bilden Verhaltenstechniken, insbesondere die Selbstkontrolle. Dies sind konkrete Handlungen, die darauf abzielen, Reize zu eliminieren, zu ersetzen oder sie zu modifizieren. Daher können sie dich zu der Reaktion führen, die du beseitigen willst.

Wie wir bereits erwähnt haben, ist die Technik an sich recht einfach. Alles, was du tun musst, sind sekundäre Veränderungen vorzunehmen, um zu vermeiden, dass du wieder in dieses Verhaltensmuster verfällst.

Allerdings bedeutet die Tatsache, dass die Technik einfach ist, nicht, dass es auch einfach ist, Ergebnisse damit zu erzielen. Wenn aber sowohl der Therapeut als auch der Patient mit Empathie und Engagement vorgehen, sind die Ergebnisse beinahe garantiert.

 

Empathie

Zuerst einmal muss der Therapeut mit seinem Patienten sehr einfühlsam umgehen. Gleichzeitig darf er dabei aber auch nicht den Bezug zur Realität verlieren. Das liegt daran, dass nicht alle erwünschten Stimuli auch passend sind. In diesem Fall müssen Therapeut und Patient andere Alternativen finden.

Darüber hinaus muss auch der Patient sehr motiviert sein und den festen Willen zur Veränderung haben. Das Prochaska und Di Clemente-Modell besagt, dass es sehr schwierig für eine Person sein wird, die Stimuluskontrolle durchzuführen, wenn sie sich noch zu Beginn oder inmitten der Phase des Nachdenkens befindet.

Daher ist es sehr wichtig, dass der Patient zunächst eine ganz klare Entscheidung trifft und sich dann auch dazu verpflichtet, die Anweisungen des Therapeuten zu befolgen.

Stimuluskontrolle - Mann spricht mit Therapeutin
 

Möglichkeiten zur Stimuluskontrolle

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Stimuluskontrolle durchzuführen. Sie reichen von der direkten Ausschaltung des Reizes, der die Reaktion auslöst, bis hin zu physiologischen Veränderungen in deinem Körper. In jedem Fall weiß der Therapeut, dass sein Patient dies auch tun kann. Aber dennoch ist der wichtigste Aspekt der, dass die Aufgabe auch machbar sein muss.

Daher ist der letzte Punkt stark vom Einzelfall und den Ressourcen abhängig, die der Person zur Verfügung stehen, wie beispielsweise soziale Unterstützung, Selbstkontrolle, Motivation usw.

Somit ist auch offensichtlich, dass es besser ist, an den ersten Gliedern der Verhaltenskette zu arbeiten. Wenn du von einer Person emotional abhängig bist und deine Entscheidung, ob du sie anrufst oder nicht, vollkommen von deinem Alkoholkonsum abhängt, solltest du vielmehr an deinem zwanghaften Alkoholkonsum arbeiten, als an dem Verhalten, das dich vom Anrufen abhält.

“Zwischen Stimulus und Kontrolle gibt es einen Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegt unser Wachstum und unsere Freiheit.”

-Viktor E. Frankl-

 

Wie wird eine Stimuluskontrolle durchgeführt?

  • Eliminiere dahinter liegende Reize. Wenn das Suchtverhalten sehr ernst ist und es der betroffenen Person an Selbstkontrolle mangelt, dann ist diese Methode sehr gut geeignet. Ein Patient versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber jedes Mal, wenn er einen Kaffee trinkt, verspürt er das dringende Bedürfnis nach einer Zigarette. In diesem Fall wird der Therapeut dem Patienten dazu raten, komplett auf Kaffee zu verzichten. Da der Patient wesentlich mehr Kontrolle in Bezug auf seinen Kaffeekonsum hat, wird er leichter darauf verzichten und demzufolge auch in diesen Situationen nicht mehr rauchen.
  • Reduziere dahinter liegende Reize. Diese Form der Stimuluskontrolle eignet sich besser für Menschen, die über eine gewisse Selbstkontrolle verfügen. Daher können sie nicht einfach alle Hintergrundreize ausschalten. Wenn jemand beispielsweise einen starken Impuls verspürt, jedes Mal etwas zu kaufen, wenn er das Haus verlässt, ist es nicht sinnvoll, ihn zu bitten, das Haus komplett ohne Geld zu verlassen. Viel besser ist es, wenn der Therapeut ihm vorschlägt, beim nächsten Mal die Kreditkarte zu Hause zu lassen und weniger Bargeld mitzunehmen.
 

Weitere Möglichkeiten…

  • Verzögere das Verhalten. Ein weiterer ziemlich effektiver Weg, um mit Suchtverhalten umzugehen, besteht darin, sich zu verpflichten, das Verhalten hinauszuzögern. Es gibt Momente, in denen Menschen das starke Verlangen verspüren, zum Kühlschrank zu gehen und mehr zu essen. In diesem Fall sollte der Betroffene sich vornehmen, für mindestens 20 Minuten zu warten. Gleichzeitig sollte die Person in der Zwischenzeit etwas tun, um sich abzulenken. Wenn sich der Betroffene an seinen Vorsatz hält, besteht eine gute Chance, dass das Verlangen nach Essen zwischenzeitlich wieder vergangen sind.
  • Nimm Veränderungen auf physiologischer Ebene vor. Eine weitere gute Möglichkeit, um die Suchtfalle zu vermeiden, besteht darin, Veränderungen im eigenen Organismus vorzunehmen. Es gibt beispielsweise ein Medikament namens Disulfiram oder Antabus, welches zur Stimuluskontrolle bei schweren Fällen von Alkoholismus eingesetzt wird. Wenn ein Alkoholiker dieses Medikament einnimmt, wird das Enzym, das für die Metabolisierung von Alkohol (Aldehyddehydrogenase) verantwortlich ist, unterdrückt. Wenn er anschließend Alkohol konsumiert, wird er sehr schlecht darauf reagieren; es können Symptome wie Erbrechen, Tachykardie, Schwitzen usw. auftreten.
 

Neben diesen extremen Fällen von Stimuluskontrolle wollen wir noch ein weiteres Beispiel dafür geben, wie physiologische Veränderungen genutzt werden können. Wenn jemand nach dem Essen zum Einkaufen geht, ist er gesättigt. Dadurch ist er beim Einkaufen nicht hungrig und wird sich auch nicht für hyperkalorische Lebensmittel interessieren.

Stimuluskontrolle - Frau sieht aus dem Fenster

Abschließende Gedanken zur Stimuluskontrolle bei Suchterkrankungen

Wenn sie richtig durchgeführt wird, ist die Stimuluskontrolle bei Suchterkrankungen sehr wirksam. Aber es ist schwierig, wenn es die einzige Methode ist, die du anwendest. Daher solltest du sie in Kombination mit anderen Techniken einsetzen, um den Erfolg zu maximieren.

Bei der Behandlung von Suchterkrankungen haben sich auch kognitive Techniken als sehr hilfreich erwiesen. Dabei geht es darum, die fehlerhaften Überzeugungen des Patienten in Bezug auf sein Suchtproblem zu verändern. Außerdem kann die Stimuluskontrolle auch mit anderen Methoden wie Entspannungstechniken kombiniert werden. So kann der Patient besser mit seinen Entzugsproblemen umgehen und gleichzeitig mehr Achtsamkeit erlernen.

 

Labrador, F.J (2008). Técnicas de modificación de conducta. Editorial Pirámide